Schummelschinken, Kunst- und Retortenfleisch - Schweinemarkt der Zukunft? - Kommentar von Katja Ahnfeldt, ISN-Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Erst vor einigen Wochen stellte der Verbraucher erstaunt fest, dass nicht alles, was wie Käse schmeckt und etwa so aussieht, auch Käse ist. Analog-Käse
hat den unschlagbaren Vorteil, dass er nicht anbrennt und schön billig ist. Geiz ist ja bekanntlich geil.
Was dem Käse recht ist, muss demnach dem Schinken nur billig sein. Während sich der Kunde noch verwundert die Augen reibt, warnte nun Ende vergangener Woche der Staatssekretär im hessischen Umweltministerium, Mark Weinmeister, vor Verbrauchertäuschung durch falschen Kochschinken. Am Freitag sagte Weinmeister dem Hessischen Rundfunk, es sei immer häufiger festzustellen, dass vor allem in der Gastronomie ein minderwertiges Produkt als angeblicher Kochschinken gereicht werde, das jedoch nichts mit echtem Schinken zu tun habe. Die Produkte bestünden aus einem großen Anteil von schnittfestem Stärke-Gel
, in das kleine Fleischstücke eingebettet sind, so der Staatssekretär. Der Gehalt an Fleisch-Eiweiß liege dabei im Vergleich zu echtem Schinken sehr niedrig, der Fremdwassergehalt dagegen sehr hoch. Der Kunde merkt den Schwindel bestenfalls erst dann, wenn der Mogel-Schinken auf dem Teller liegt, hieß es weiter.
Schnittfestes Stärkegel - na Mahlzeit, da läuft einem ja das Wasser im Munde zusammen.
In das kleine Fleischstücke eingebettet sind - wie süß, man hat ja fast den Eindruck, dass sich jemand richtig Mühe gibt und versucht mit viel Liebe einen scheinbar zu
profanen Schinken" zum kulinarischen Spitzengenuss zu erheben.
Inzwischen laufen Forschungsprojekte zur Herstellung von künstlichem Fleisch. Holländische Wissenschaftler arbeiten zurzeit mit Stammzellen vom Schlachthof. Diese können zu nahezu allem werden, woraus ein Schwein besteht, d.h. auch zu Muskelzellen. Daraus besteht Fleisch im Wesentlichen. Eine einzelne Zelle liefert den genetischen Bauplan. Der reicht theoretisch aus, um durch Teilung so viele Muskelzellen herzustellen, dass der Fleischbedarf der ganzen Welt gedeckt werden könnte. Eine verlockende Utopie, angesichts der globalen Probleme.
Es ist bestürzend was die Lebensmittelindustrie unterdessen alles so treibt und den Menschen auftischt. Auch aus Sicht der Erzeuger, nämlich uns Schweinehaltern, erscheinen solche Machenschaften wie eine schallende Ohrfeige. Schließlich gibt man sich tagtäglich die allergrößte Mühe, um hochwertiges Schweinefleisch zu erzeugen und zwar genau nach dem Wunsch des Verbrauchers. Zart soll es sein, saftig und schmackhaft und dabei aber bitte nicht zu fett, und das möglichst günstig. Das gelingt den Schweinehaltern auch, tragisch ist es nur wenn solche Betrüger das Image des Fleisches ruinieren und den Verbraucher verunsichern. Das zerstört Vertrauen auf allen Seiten. Man kann sich nur wünschen, dass in diesem Falle von Seiten der Behörden hart durchgegriffen wird und diejenigen, die ohne einen eindeutigen Hinweis den falschen Schinken unterjubeln, tatsächlich im Internet veröffentlicht werden. Mit Speck fängt man Mäuse und mit falschem Schinken Verbraucher. Wo Schweinefleisch drauf steht muss auch 100% Schweinefleisch drin sein!
Fakt ist, diese Angelegenheit ist ein herber Schlag ins Gesicht der Qualitäts- und Ökofleischprogramme. Denn wie man sieht bestimmt der Preis eben doch das Verbraucherverhalten, entgegen immer wieder anderslautender Behauptungen. Das ist aktuell auch an der relativ verhaltenen Inlandsnachfrage erkennbar: Statt Schnitzel wird eben Hackfleisch eingekauft. Die spezialisierte Schweinehaltung ist der richtige Weg, allen Unkenrufen zum Trotz. Und dazu benötigen wir einheitliche Wettbewerbsbedingungen und keine einseitig höheren Produktionsstandards!










Kommentare...