16.01.2008 RSS Feed

„Schlaf, Kindchen, Schlaf, …“ Kommentar von August Rietfort, ISN-Vorstandsmitglied

6363 I 2006 Seit 25 Jahren beschäftige ich mich mit der Schweinemast, doch so etwas Eigenartiges habe ich noch nicht erlebt. Seit über acht Wochen verharrt der Schweinepreis bei € 1,32 je kg Schlachtgewicht – und alle scheinen zufrieden, auf jeden Fall die Schlachter und der Lebensmitteleinzelhandel (LEH).

Erstmalig in der deutschen Nachkriegsgeschichte gehen die Segnungen der Privaten Lagerhaltung (PLH) und der üppigen Exporterstattungen an den Schweinehaltern gänzlich vorbei. Na so was, dänische Verhältnisse in Deutschland? Die großen Exporteure bekommen je kg exportierter Schweinehälfte immerhin 31 Cent je kg. Wie Tönnies, Vion und Westfleisch – um nur einmal die großen Drei zu zitieren - immer wieder bekräftigt haben, geht mittlerweile jedes dritte geschlachtete Schwein in den Export.

Mal ganz einfach gerechnet: müssten dann nicht auch ungefähr 10 Cent beim Bauern ankommen?

Die rote Seite schwadroniert, dass sie ja im Export nach Russland auch ein wenig nachlassen müssten. Wer´s glaubt, wird selig. Denn dann hätten wir diese Auswirkungen längst schon am Weltmarkt feststellen können und unsere Wettbewerber würden auch entsprechend unter Druck geraten.

Allen Unkenrufen zum Trotz, der Export boomt, die 2007-er Rekordschlachtung in Höhe von 53, 3 Mio. Schweinen kann ohne weiteres am Markt platziert werden und Schweine sind gesucht!

Im Jahr 2007 erhöhten sich sogar die Verbraucherpreise für Schweinefleisch gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Prozent, für Wurst und Fleischwaren sogar um 1,7 Prozent.

Und die Erzeugerpreise für Schweinefleisch? Die stürzten im Jahresdurchschnitt regelrecht um 10 % ab. Bei den Schweinebauern sind im letzten Jahr 14 Cent je kg Schlachtgewicht weniger angekommen als noch im Jahr zuvor.

D.h. die Verbraucher und Landwirte werden von der roten Seite und vom LEH ganz sauber und klassisch abgeledert! Respekt!

Zusammengerechnet sprechen wir hier über ca. 25 Cent je kg Schlachtgewicht bzw. € 20 bis € 25 je Schlachtschwein, die dem Erzeuger zurzeit vorenthalten werden, obwohl es der Markt hergibt.

Aber zum Trost: das Geld ist ja nicht weg, es hat jetzt nur ein anderer.
Und der verfrühstückt es gleich wieder, kauft sich einen Fußballverein oder in England einen Supermarkt. Und damit Sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können, wird dann mal eben noch schnell die Maske zu eigenen Gunsten geändert, getreu den Motto: Vom Geben ist noch keiner reich geworden.

Jetzt haben wir endlich zu Dänemark aufgeschlossen: die rote Seite gewährt den Schweinehaltern nach Abzug Ihrer aktuell prächtigen Gewinnmarge immerhin noch einen bescheidenen Kostenbeitrag.

Schlaf, Kindchen, schlaf,
die Schlachter rechnen scharf!
Der LEH schütteltst Täschelein,
kommt nur die Bauernkohle rein.
Schlaf, Kindchen, schlaf.

Wer ist hier das Schaf?

Im Bild: ISN-Vorstandsmitglied August Rietfort

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