16.08.2006 RSS Feed

"Schlachter wittern fette Jahre" – Gastkommentar von Dr. Kurt Hoffmann, Lebensmittelzeitung

Die deutsche Schlachtbranche ist auf Expansionskurs. In den nächsten zwei bis fünf Jahren sollen rund 10 Millionen Schweine pro Jahr mehr geschlachtet werden als zurzeit, hat die ISN Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands ermittelt. Das entspricht einem Plus von rund einem Fünftel gegenüber 2005. Ausgewertet hat die ISN die Planungen von 13 Schlachtbetrieben. Darunter finden sich namhafte Große wie Vion und Tönnies, aber auch eine Anzahl mittelständischer Unternehmen wie Vogler, Grundkötter und Ulmer Fleisch.

Ob das Szenario in der angekündigten Größenordnung Wirklichkeit wird, ist zwar mit einigen Unsicherheiten behaftet. Denn selbst wenn die Planungen voll durchgezogen würden, müssen auf der anderen Seite nicht näher quantifizierbare Betriebsstilllegungen gegengerechnet werden. Der Nettoeffekt wird aber, darin sind sich Branchenkenner einig, auf jeden Fall deutlich positiv ausfallen.

Die geplanten Investitionen werden sowohl auf den Beschaffungs- als auch auf den Absatzmärkten ihre Spuren hinterlassen. Der Wettbewerb um den Rohstoff Schwein wird härter, auch wenn der Bestand in Deutschland weiter aufgestockt wird und dänische Mäster wegen höherer Auszahlungspreise in Deutschland ihre Tiere immer öfter hierher liefern.

Die Vermarktung der zusätzlichen Menge an Schweinefleisch wird bei relativ konstantem Inlandsverbrauch überwiegend auf den Exportmärkten stattfinden oder Importe verdrängen. Unternehmen wie Westfleisch oder Tönnies verkaufen bereits 30 Prozent und mehr ihrer Ware im Ausland. Im Drittlandsexport liegt Deutschland beim Schweinefleisch seit mehreren Jahren hinter Dänemark an zweiter Stelle der führenden EU-Länder. Auch die Lieferungen in den Binnenmarkt konnten die deutschen Schlachtbetriebe in den vergangenen Jahren deutlich ausweiten und vom Nachfrageboom in den EU-Beitrittsländern profitieren.

Das unterstreicht, dass es der Branche in den vergangenen Jahren gelungen ist, wettbewerbsfähigere Strukturen zu schaffen. Die geplanten Erweiterungen werden diesen Prozess forcieren. Es geht nicht nur um mehr Produktion. Modernere Anlagen erhöhen Effizienz und Produktsicherheit und sichern damit entscheidende Wettbewerbsvorteile.

Dieser Kommentar erschien in der Lebensmittelzeitung (LZ) vom 4. August 2006. Der Autor, Dr. Kurt Hoffmann, leitet bei der LZ die Abteilung Frischware.


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