17.04.2008 RSS Feed

Sauenhaltung: die Zeit pro Ferkel macht`s - Gastkommentar von Peter Spandau, LWK Nordrhein-Westfalen

Sauenhalter leiden nachhaltig unter den niedrigen Ferkelpreisen. In Verbindung mit den gestiegenen Futterkosten zahlen sie derzeit kräftig drauf. Höhere Ferkelerlöse lassen noch auf sich warten und günstigere Futtermittelpreise sind angesichts der Marktprognosen höchst unwahrscheinlich. In Phasen wie dieser wird immer wieder die Frage nach der Mobilisierung von Produktionsreserven – sprich Einsparpotentialen – gestellt. Diese Frage ist für den Ferkelerzeugerbetrieb gar nicht so leicht zu beantworten:

Zwar verbessert sich die Zahl abgesetzter Ferkel derzeit durch Zuchtfortschritt. Dies trägt zur Senkung der Produktionskosten je Ferkel bei. Möglichkeiten, den Prozess auf einzelbetrieblicher Ebene zu beschleunigen, sind aber eher begrenzt.

Das Gleiche gilt für Einsparpotentiale bei den Direktkosten. Wer Impfungen streicht, setzt sich der Gefahr einer Leistungseinbuße aus. Wer die Remontierung verzögert, riskiert eine ungünstige Herdenstruktur. Und wer bei seinen höchstleistenden Sauen mit preiswerten Futtermitteln experimentiert, verliert möglicherweise Produktionssicherheit.

Bleibt für viele nur der große Block der Gebäude- und Arbeitskosten von im Schnitt 20 € je Ferkel. Vor allem hier gilt es anzusetzen und speziell die Arbeitswirtschaft kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Arbeitszeiterfassungen zeigen immer wieder, dass selbst bei Beständen von 250 bis 300 Sauen die Arbeitszeit je Sau und Jahr zwischen 9 und 15 Stunden schwankt, immerhin runde 4 € je Ferkel! Ein Bezug zwischen Arbeitszeit und Leistung ist dabei nicht zu erkennen. Vielmehr geht es um die Organisation und das Management, teilweise auch abhängig von der technischen Ausstattung im Stall und den baulichen Gegebenheiten.

Wegstrecken zwischen den einzelnen Funktionsbereichen im Stall spielen dabei ebenso eine Rolle wie z.B. die Automatisierung der Fütterung, die Gruppengröße, das Aufstallungssystem, die eingesetzte Reinigungstechnik oder das Gesundheitsmanagement und vieles mehr.

Wenn eine Optimierung der Arbeitsproduktivität über Organisation und Management nicht mehr möglich ist, gilt es, die baulichen Gegebenheiten zu hinterfragen. Langfristig kann da ein Neubau auf grüner Wiese effektiver sein als der kostengünstigere Umbau von Altgebäuden. Die Ersparnis einer Arbeitsstunde je Sau und Jahr entspricht etwa 150 € Investitionskosten je Sauenplatz. Insofern gilt es also genau zwischen Investition und Mehrarbeit abzuwägen.

Im Hinblick auf eine dauerhaft konkurrenzfähige Ferkelproduktion kommt der Arbeitsproduktivität die gleiche Bedeutung zu wie der Ferkelzahl und der Partiegröße. Eine technische Revolution zur Arbeitsersparnis ist nicht zu erwarten. Veilmehr gilt es, betriebliche Reserven zu erkennen und zu mobilisieren. Den Masterplan für höhere Arbeitseffizienz sollte jeder bereits in der Tasche haben.

Dieser Kommentar erschien in der SUS Nr.2, April/Mai 2008.

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