Realitätsverlust – Lieferstopp bei Schlachtvieh, Gastkommentar von Horst Hermannsen, Korrespondent der Agrarzeitung Erährungsdienst
Dass die Existenzangst in etlichen Veredelungsbetrieben umgeht, ist unbestritten. Noch nie wurden in der EU so viele Schweine erzeugt wie im laufenden Jahr. Ein Rekordangebot von nahezu 53 Millionen Schweinen allein in Deutschland trifft auf eine unveränderte Nachfrage. Das Überangebot an Schlachtschweinen muss zu einem Preisdruck führen. Hier sind keine finsteren Mächte am Werk, sondern die Landwirtschaft selbst hat sich in diese Situation gebracht. Erschwerend kommen noch die explosionsartig gestiegenen Futterkosten hinzu. Was für die Marktfruchtbetriebe eine wundersame Geldvermehrung ist, nämlich die rasant gestiegenen Getreideerlöse, können manchen Viehhalter in den Ruin treiben. Der Bauernverband gerät in eine Zerreißprobe. Flehentlich appellieren seine Funktionäre an eine bäuerliche Solidarität, die es nicht gibt.
Fieberhaft wird über Vermarktungsstrategien nachgedacht. Dies mag sehr löblich sein, es führt aber nicht aus dem Dilemma, solange mehr Fleisch produziert als nachgefragt wird. Das wissen auch die Mäster und so wird, wie nicht anders zu erwarten, der Ruf nach staatlichen Hilfen zunehmend lauter. Über Exporterstattungen soll die Politik für eine sofortige Marktentlastung sorgen. Die Frage, weshalb die öffentliche Hand für unternehmerische Fehlentscheidungen gerade stehen soll, wird nicht beantwortet.
Je größer die Not, desto bizarrer sind die Vorschläge. Zaghaft erst werden Drohkulissen aufgebaut, die häufig nur mit Realitätsverlust zu erklären sind. Ähnlich wie das vom Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) aufgeführte Kasperletheater
Wer inflationär mit großen Worten und Drohgebärden umgeht, wird bald nicht mehr ernst genommen. In Teilen der Landwirtschaft ist dies bereits der Fall. Schlachtbranche und Letztverteilerstufe haben jedenfalls für derartige Ankündigungen kaum noch ein müdes Lächeln übrig.
Der Kommentar erschien am 17.10.2007 im Ernährungsdienst Nr. 78
Fieberhaft wird über Vermarktungsstrategien nachgedacht. Dies mag sehr löblich sein, es führt aber nicht aus dem Dilemma, solange mehr Fleisch produziert als nachgefragt wird. Das wissen auch die Mäster und so wird, wie nicht anders zu erwarten, der Ruf nach staatlichen Hilfen zunehmend lauter. Über Exporterstattungen soll die Politik für eine sofortige Marktentlastung sorgen. Die Frage, weshalb die öffentliche Hand für unternehmerische Fehlentscheidungen gerade stehen soll, wird nicht beantwortet.
Je größer die Not, desto bizarrer sind die Vorschläge. Zaghaft erst werden Drohkulissen aufgebaut, die häufig nur mit Realitätsverlust zu erklären sind. Ähnlich wie das vom Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) aufgeführte Kasperletheater
Milchstreikkündigen einige Mästervertreter einen Lieferstreik bei Schlachtvieh an, sollten die Erzeugerpreise nicht spürbar anziehen. Das ist wieder so ein Schnellschuss, wie man ihn zur Genüge kennt: Hauptsache, es wird etwas gesagt – informieren kann man sich ja später. Allein der Begriff
Streikzeigt, wie wenig diese Strategen sich als Unternehmer verstehen. Ein Unternehmer kann nicht streiken, das können höchstens seine Mitarbeiter. Gemeint ist also ein Lieferstopp, der die nachgelagerten Stufen zu höheren Preisen zwingen soll. Das Ganze hätte man einfacher haben können, indem die Produktion der Nachfrage angepasst worden wäre. Aber offensichtlich fallen Marktprognosen in euphorischen Zeiten schwer. Im Übrigen würde ein Lieferstopp in erster Linie jene Landwirte hart treffen, die sich daran beteiligen. Schlachtschweine können nicht irgendwie entsorgt werden, sondern müssen später als schwer verkäufliche Artikel mit Preiszugeständnissen ihre Abnehmer suchen.
Wer inflationär mit großen Worten und Drohgebärden umgeht, wird bald nicht mehr ernst genommen. In Teilen der Landwirtschaft ist dies bereits der Fall. Schlachtbranche und Letztverteilerstufe haben jedenfalls für derartige Ankündigungen kaum noch ein müdes Lächeln übrig.
Der Kommentar erschien am 17.10.2007 im Ernährungsdienst Nr. 78










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