"Rahmenvereinbarung Niedersachsen: neuer Rahmen für mehr Vertrauen" – Gastkommentar von Klaus Labahn, Landvolk Niedersachsen
Das Misstrauen ist uralt. Schlachtviehabrechnungen waren ein ständiger Streitpunkt zwischen Bauern und Schlachtunternehmen, so lange Klassifizierung und Verwiegung allein in der Hand der Schlachtbetriebe waren. Deutlich besser wurde es, als in den 80er Jahren die apparative Klassifizierung aufkam und dieser Bereich von den Schlachthöfen an eigenständige Klassifizierungsunternehmen vergeben wurde. Damit kehrte schon ein Teil Ruhe ein, und über die Abrechnungen wurde viel weniger gemeckertals zuvor.
Ganz verstummte die Kritik indes nicht. Auffällig war vor allem eine große Schwankungsbreite der Klassifizierungsergebnisse, hinter der oftmals die jeweilige Marktlage als Hintergrund vermutet wurde. Wirklich optimal war das System in der Tat noch nicht: Weil die Schlachthöfe weiterhin Auftraggeber der Klassifizierung waren und diese auch bezahlten, die Klassifizierungsunternehmen auch weitere Aufträge für die Schlachthöfe entgegen nahmen, konnten sich gewisse Abhängigkeiten entwickeln.
Mit der neuen Rahmenvereinbarung zur Klassifizierung und Verwiegung hat die
grüne Seitenun den Anstoß dazu gegeben, mehr Neutralität in die Schlachtabrechnungen zu bringen und damit mehr Vertrauen zu schaffen. Was Landvolk, ISN, der Landesverband niedersächsischer Schweineerzeuger und die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch hier gemeinsam angeschoben haben, hat sich in Nordrhein-Westfalen bereits bewährt.
Und ein großer Teil der Abnehmerseite ist sofort bereitwillig mit ins Boot gesprungen. Auch dort hat man erkannt, dass gegenseitiges Vertrauen die Grundvoraussetzung für langfristige Geschäftsbeziehungen ist. Mag sein, dass mit Blick auf die Mitbewerber auch ein Quäntchen Eigennutz mit dabei war: Wer überwacht wird, kann sich keinen Wettbewerbsvorteil durch
Schummelnverschaffen. Und das dürfte schwieriger werden, wenn das Personal zwischen den Betrieben rotieren muss und abrechnungsrelevante Schlachtdaten stichprobenweise geprüft werden.
Gewiss, noch haben einige Schlachtunternehmen die Vereinbarung nicht unterzeichnet. Doch sie werden diese Position überprüfen müssen, wenn die Landwirte ihr Lieferverhalten anpassen. Diese sind es, die jetzt gefordert sind, der neuen Vereinbarung zum Erfolg zu verhelfen. Der wird sich aber nur dann einstellen, wenn die Möglichkeiten der Vereinbarung genutzt werden.
Das heißt auch, nicht nur hinter vorgehaltener Hand zu meckern, sondern den Beirat zur Rahmenvereinbarung zu informieren, wenn etwas nicht stimmt. Nur dann kann dieser einschreiten, und nur mit gegenseitigem Vertrauen lassen sich die uralten Gräben zuschütten. Das Werkzeug dafür ist jetzt da.










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