23.07.2007 RSS Feed

"Misere am Ferkelmarkt" - Gastkommentar von Steffen Bach, Ernährungsdienst

Bach Steffen Die deutschen Ferkelerzeuger mussten in den vergangenen Wochen eine Hiobsbotschaft nach der anderen verkraften. Innerhalb von zwei Monaten brach der Ferkelpreis um 25 Prozent ein. Statt 40 Euro erlösten die Betriebe für ihre 25-kg-Ferkel ab Hof gerade mal noch 30 Euro. Im Gegensatz zu den fallenden Ferkelpreisen stiegen die Getreide- und Futterkosten. Für Sauen- und Endmastfutter sind heute rund 15 Prozent mehr zu zahlen als noch vor einem Jahr. Selbst die besten Betriebe können unter diesen Voraussetzungen kein Geld verdienen.

Die aktuelle Misere auf dem Ferkelmarkt ist vor allem eine Folge der niedrigen Schlachtschweinepreise und der gestiegenen Futterkosten. Für die meisten Mäster lohnt es sich nicht, Ferkel aufzustallen. Eine Absicherung der Produktion an der Warenterminbörse ist wegen niedriger Kurse nicht möglich. Doch auch unabhängig von diesen aktuellen Einflüssen stehen die Ferkelerzeuger vor großen Herausforderungen. Vom Boom, den die deutsche Schweineproduktion in den vergangenen Jahren erlebte, haben sie kaum profitiert.

Die Zahl der Schweineschlachtungen wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 52 Millionen Tieren liegen, das wären 9,4 Millionen Schweine mehr als im Jahr 2000. Dieser Zuwachs resultiert zu einem großen Teil aus dem Import. Experten rechnen damit, dass in diesem Jahr rund sechs Millionen Ferkel und vier Millionen Schlachtschweine importiert werden. Anfang der 90er Jahre war Deutschland mit fast einer Million Ferkeln noch Nettoexporteur. Inzwischen spielt der Export nur noch eine marginale Rolle.

Sorgen bereitet den deutschen Ferkelerzeugern vor allem die Konkurrenz aus Dänemark und den Niederlanden. Dort haben die Landwirte in den vergangenen Jahren massiv in die Sauenhaltung investiert. In Dänemark sind beim Neubau von Stallanlagen über 1.000 Sauen eher die Norm als die Ausnahme. In Deutschland wird diskutiert, ob 250 oder 400 Sauen die richtige Betriebsgröße sind. Richtig ist, dass nicht die Größe entscheidet. Aber Ferkelerzeuger, Viehhandel und Erzeugergemeinschaften müssen sich etwas einfallen lassen, um den Absatz einheimischer Ferkel zu fördern.

Betriebe in den niedersächsischen Veredelungszentren kaufen lieber die dänischen SPF-Ferkel ein. Die spezifisch pathogenfreien Ferkel müssen nicht geimpft werden und sind weniger anfällig für Krankheiten. Gerade für große Mastbetriebe im Oldenburger Münsterland, die oft mehrere, zum Teil kilometerweit auseinander liegende Stallanlagen nutzen, ist es wichtig, mit pflegeleichten Tieren arbeiten zu können. Richtig ist sicher der Ansatz, die Direktbeziehungen zwischen Ferkelerzeuger und Mastbetrieb auszubauen. Auch die Vorteile der deutschen Ferkel bei der Schlachtleistung sollten die Vermarkter stärker in den Mittelpunkt stellen.

Die größten Potenziale gibt es aber im Gesundheitsmanagement. In Dänemark können der Gesundheitsstatus und die Salmonellenbelastung jedes Betriebes im Internet abgerufen werden. Ein ähnlicher Service ist in Deutschland überfällig. Die Ferkelerzeuger müssen sich dem Wunsch der Mäster nach gesunden Ferkeln stellen und erkennen: Entscheidend ist, was der Kunde will.

Dieser Kommentar erschien am 14. Juli 2007 in der Agrarzeitung Ernährungsdienst.

Im Bild Steffen Bach, Journalist

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