21.03.2007 RSS Feed

"LEH verdient sich auf Kosten der Schweinehalter goldene Nase" – Kommentar von Markus Jeiler, ISN-Beiratsmitglied

Markus Jeiler Die Erzeugerpreise für Schweine liegen seit Jahresanfang am Boden, und wir Mäster schreiben nicht nur rote, sondern tiefrote Zahlen. Von sinkenden Preisen für Fleisch und Wurst in der Ladentheke ist jedoch weit und breit fast nichts zu sehen - bis auf saisonale und regionale Angebotskampagnen einiger Lebensmittelketten. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) gibt die niedrigen Erzeugerpreise einfach nicht an die Verbraucher weiter und reibt sich die Hände, weil er sich derzeit eine goldene Nase verdient.

Angesichts der aktuellen Vermarktungssituation sind die Erzeugerpreise eindeutig zu niedrig. Denn sie liegen etwa 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau – und das bei Verbraucherpreisen für Schweinefleisch, die nach Angaben der ZMP um 5,5 Prozent über denen des Vorjahres liegen. Insbesondere die Preise für die edleren Teilstücke wurden trotz der gesunkenen Schweinepreise auf dem Niveau des Spätsommers 2006 gehalten. Das zeigt deutlich, dass der Erzeugerpreis derzeit nicht durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Auch die Mehrwertsteuererhöhung zum Jahresanfang von 16 Prozent auf 19 Prozent kann zu einer Erklärung nicht beitragen, denn Lebensmittel und Löhne sind davon ja gar nicht betroffen.

Im letzten Sommer wurden in Deutschland wöchentlich rund 820.000 bis 870.000 Schweine geschlachtet. Der Erzeugerpreis lag in dieser Zeit zwischen 1,45 Euro und 1,70 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht. Sicherlich ist die Nachfrage auf den Exportmärkten im Vergleich zu 2006 nicht uneingeschränkt positiv. So belastet das drohende Importverbot Russlands für die gesamte EU den Export. Zusätzlich wirken sich nach und nach die enormen Fördermittel Putins für die Tierhaltung in Russland aus und die dortige Eigenversorgung mit Schweinefleisch nimmt zu. Trotz der aktuell rund 840.000 bis 890.000 Schlachtungen pro Woche in Deutschland fließen die Schweine bundesweit jedoch gut ab. Das bestätigt selbst die Schlachtbranche.

Hintergrund ist die Tatsache, dass die Schlachtungen in Deutschland zwar stetig steigen, in unseren Nachbarländern hingegen rückläufig sind. So haben die Schlachtungen in Frankreich, Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und Großbritannien im Jahr 2006 im Vergleich zum Vorjahr lediglich um rund 0,4 Prozent zugelegt, in Deutschland sind sie im selben Zeitraum jedoch um über vier Prozent angestiegen.

Apropos Schlachtbranche, da frage ich mich natürlich auch, warum es ihr nicht gelingt, gegenüber dem LEH höhere Preise durchzusetzen. Seit Jahren argumentieren die Schlachtunternehmen, dass sie ihre Betriebe umstrukturieren und ihre Produktivität erhöhen müssen, um gegenüber dem LEH mehr Gewicht in die Waagschale werfen zu können. Bei der Umstrukturierung haben sie ihre Hausaufgaben inzwischen gemacht, aber die Wirkung gegenüber dem LEH lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Die Wirkung gegenüber uns Schweinehaltern jedoch übrigens nicht…

Schlussendlich ist klar, dass der LEH am Zuge ist und die Verbraucherpreise für Schweinefleisch entsprechend den aktuellen Erzeugerpreisen nach unten anpassen muss. Damit würden die Marktmechanismen wieder in Gang gesetzt werden, die Inlandsnachfrage zunehmen und infolgedessen die Erzeugerpreise anziehen können. Unabdingbar ist hierbei jedoch, dass der LEH die Verbraucherpreise künftig dann wieder anpasst, und zwar nach oben, sobald die Nachfrage der Verbraucher im Inland reagiert und angezogen hat. Denn der LEH darf Fleisch auf Dauer nicht wieder zum Billigmacher degradieren.

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