"Kriminelle Machenschaften mit Fleisch sind eine Riesensauerei" – Kommentar von Birgit Scharlau, ISN-Beirat
Ich mag das Radio und den Fernseher kaum noch anschalten oder in die Tageszeitung schauen – alle Nase lang werden neue Schweinereien in der Fleischvermarktung aufgedeckt. Die einzelnen Details erspare ich ihnen an dieser Stelle, weil sie darüber mit Sicherheit bestens informiert sind. Jeder Verbraucher – dazu gehöre ich letztlich ja auch – hat ein Recht darauf, dass das Fleisch und die Fleischerzeugnisse, die er einkauft, in einwandfreiem Zustand und korrekt etikettiert sind. Alles andere ist völlig indiskutabel. An diesem Ziel arbeiten wir als Erzeuger schon seit Jahren intensiv. So haben wir u.a. mit QS einen großen Schritt nach vorn gemacht, um unsere Erzeugung nachvollziehbar und damit für den Verbraucher sicherer zu machen. Die Anstrengungen vieler Betriebsleiter im Rahmen von QS sind erfolgreich, kosten allerdings auch viel Zeit und Geld.
Und das ärgert mich bei den jetzt aufgedeckten kriminellen Machenschaften der
schwarzen Schafein der Fleischbranche am meisten: die Vorleistungen auf der Erzeugerseite werden gerade dadurch zunichte gemacht, dass einige Unternehmen bewusst gegen geltendes Recht verstoßen. Der Verbraucher ist verunsichert und straft Fleisch insgesamt ab.
Wo hat das bestehende System versagt?
Nach meinem Eindruck mangelt es nicht unbedingt an gesetzlichen Vorgaben, sondern vor allem an der Abstimmung zwischen den staatlichen und den eigenverantwortlich tätigen Kontrolleuren. Bevor jetzt in einem Schnellschussverfahren neue oder schärfere Gesetze verabschiedet werden, sollten diese Punkte sauber überprüft und verbessert werden. Denn noch mehr Bürokratie wird die kriminellen Vorgänge kaum verhindern können.
Auf der anderen Seite sind die Verbraucher an der ganzen Situation nicht unschuldig, und zwar dadurch, dass sie getreu dem Motto
Geiz ist geilmehr und mehr auf den Preis achten und jedem Billigangebot hinterher rennen. Der Lebensmitteleinzelhandel setzt die Ernährungsindustrie in einer nie gekannten Brutalität unter Druck. Dies und die Profitgier einzelner verleiten zu kriminellen Handlungen, wie sie jetzt aufgedeckt werden.
Ein Umdenken ist meiner Meinung nach insofern nötig, dass die Verbraucher Lebensmittel allgemein wieder mehr wertschätzen müssen. Und dies können sie nur in Form einer angemessenen Bezahlung deutlich machen. Die neue Regierung will das Kartellrecht dahingehend überarbeiten, dass das Verramschen von Lebensmitteln über Dumpingpreise künftig auch kurzzeitig verboten werden soll. Sofern sie dies tatsächlich in die Praxis umsetzt, ist das sicher ein guter Anfang.










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