19.08.2009 RSS Feed

Kommt der Winter auch für Schweinehalter?- Kommentar von Kerstin Burbank, Referentin Markt, Junge ISN

Kerstin Die Preise am deutschen Schlachtschweinemarkt zeigen sich derzeit für die Mäster recht positiv. Die Futterkosten sind in den letzten Wochen zurückgegangen und die Schlachtschweinepreise stiegen etwas an. Bei den Ferkelerzeugern sah es zwar nicht ganz so rosig aus, dennoch konnten sie durch die bis Anfang Juni guten Ferkelpreise neue Hoffnung schöpfen.

 

Aber wie geht es weiter? Werden die Mäster und Ferkelerzeuger in der Lage sein, die finanziellen Löcher der vergangenen zwei Jahre zu stopfen und/oder sogar neue Investitionen tätigen können?

 

Im ersten Halbjahr 2009 stieg die Schweinefleischerzeugung in Deutschland um 3,3 % auf 27,7 Mio. geschlachtete Tiere. Das sind 758.000 Schlachtschweine mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. Dabei stieg die Zahl der aus deutscher Eigenerzeugung stammenden Schweine um 1,8 % auf 437.000 Tiere. Somit wird der Selbstversorgungsgrad in Deutschland in diesem Jahr weiter steigen. Erste Prognosen erwarten für das Jahr 2009 einen Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch in Deutschland von 110 %. Entscheidend entlastet wird der deutsche Markt durch die im vergangenen Jahr abgeschlossenen Veterinärabkommen mit zahlreichen Staaten u. a. in Asien und die derzeit guten Exportmöglichkeiten von lebenden Schweinen nach Osteuropa insbesondere nach Polen und Russland. In Russland wurden in der Vergangenheit zwar große Schlachtstätten gebaut, dabei wurde aber vergessen, dass im eigenen Land derzeit nicht genügend Schweine erzeugt werden, um die Schlachthöfe beliefern zu können. Zusätzlich begünstigen unterschiedliche Zollsätze die Lebendimporte gegenüber den Fleischimporten.

 

Das erste Halbjahr 2009 war aus Sicht der Ferkelerzeuger ein gutes Halbjahr. Die Mäster warteten im selben Zeitraum weiter auf den deutlichen Preisanstieg. Die guten Ferkelerzeuger konnten bei einem niedersächsischen Ferkelpreis von 52 €/Stück und durchschnittlichen Zuschlägen von acht Euro erste Gewinne erwirtschaften. Dennoch kann zurzeit das Loch der letzten zwei Jahre damit noch nicht gänzlich gestopft werden. Bei dem jetzt aktuellem Ferkelpreis von 46 €/Stück können lediglich Betriebe mit durchschnittlich 28 abgesetzten Ferkeln/Sau/Jahr alle Kosten decken und einen Gewinn von drei Euro pro Ferkel erwirtschaften. Bei dieser Berechnung sind noch Einsparpotentiale gegeben, so sind die aktuell sinkenden Futterkosten noch nicht berücksichtigt worden. In der Mast werden die guten Betriebe nach ersten Hochrechnungen von Beratungsorganisationen in diesem Jahr leichte Gewinne einfahren.

 

Dagegen werden in den nächsten Monaten die Ferkelzahlen saisonal steigen und dadurch bedingt Preisdruck aufkommen, dennoch werden diese Rückgänge voraussichtlich nicht so gravierend sein. Die Hochrechnungen bei den Beratungsorganisationen gehen bei den guten Ferkelerzeugern ebenfalls von Gewinnen aus. Und für die Ferkelerzeuger gibt es weitere Hoffnung: Die Sauenbestände in der EU wurden in den letzten Jahren kontinuierlich besonders in Osteuropa abgestockt, so dass sich dort neue Exportmöglichkeiten für deutsche Ferkelpartien ergeben.

 

Zwar ist in Deutschland der Schweinefleischkonsum leicht gesunken, weltweit gehen die Experten aber von einem Anstieg des Fleischkonsums aus. Dabei soll die Produktion von Schweinefleisch in den kommenden 10 Jahren bis 2018 jährlich um 1,8 % steigen. Außerdem rechnet eine Studie auf Basis von OECD und FAO Daten im gleichen Zeitraum – wenn keine unvorhersehbaren Ereignisse eintreten - mit einem Plus bei den Notierungen von Schweinefleisch von insgesamt 30 %.

 

Vor dem Hintergrund der zahlreichen Einflüsse auf den deutschen und europäischen Schlachtschweinemarkt, die immer stärker von den Entscheidungen auf dem Weltmarkt abhängen, wird es auch weiterhin steigende und fallende Preise geben. Die früher zu beobachtenden mehr oder weniger gleichmäßigen Zyklen werden sich aufgrund der zunehmenden Globalisierung, die auch den Schweinemarkt trifft, verschieben bzw. ungleichmäßiger werden. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss nicht ausschließlich an die Größe denken, sondern auch an die Absicherung von Tiefpreisphasen.

 

Fazit: Der kommende Winter dürfte für die Schweinehalter nicht so arktisch werden, wie noch in den vergangenen Jahren. Die Mäster und Ferkelerzeuger können mit auskömmlichen Preisen rechnen. Die schweinehaltenden Unternehmer können positiv in die Zukunft blicken und über die Bildung von Eigenkapital oder den nächsten Investitionsschritt langsam aber sicher nachdenken.



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