
Im Rahmen der Konferenz der Bundes-Grünen in Berlin hatten Lena Agethen vom Beratungsteam der Jungen ISN und ich die Möglichkeit, eine Diskussion über den Zusammenhang von Klimawandel und Landwirtschaft zu verfolgen. Leider waren die Grünen dabei fast unter sich. Immerhin einen Vertreter des Bauernverbandes hatten sie als Redner eingeladen, dessen Thesen man allerdings leider wenig ernst nahm. Als Vertreter der konventionellen Landwirtschaft gab man ihm keine Chance.
Cornelia Behm MdB kritisierte, dass bei der jetzigen Bundesregierung die Landwirtschaft bei den Diskussionen zum Klimawandel völlig außen vor gelassen werde. Die Reduktionsziele nach Ansicht der Grünen zum Ausstoß der Treibhausgase müssten auch für die Landwirtschaft gelten. So sollten die Subventionen an die Landwirtschaft nur ausgezahlt werden, wenn der Landwirt klima-, sozial- und ökologischverträglich wirtschaftet. Auch sollten die Steuervergünstigungen für Agrardiesel abgeschafft werden, für Biotreibstoff sei eine Vergünstigung natürlich gerechtfertigt. In der Debatte wurde besonders der Einsatz mineralischer Düngemittel kritisiert. Dass die Landwirte eine Art Stickstoffabgabe zahlen sollten, war nur einer von vielen praxisorientierten Lösungsvorschlägen. Dieser Vorschlag könne auch national kurzfristig umgesetzt werden, so Behm. – Gute Idee, denn wir sind es ja gewohnt, auf die EU-Vorgaben draufzusatteln? – Es kommt noch besser: Man könne ja zudem die Landwirtschaft in den Emissionshandel integrieren, wenn auch Lachgas und Methan dazu genommen würden.
Als weiteres Ziel nannten die Bundesgrünen die Ökologisierung der konventionellen Landwirtschaft. So sollten als erstes „umweltschädliche Subventionen“ abgeschafft werden. Die grandiose Idee war eine grundlegende Ökologisierung der ersten Säule. Das hieße, dass nur diejenigen Geld bekommen, die sehr, sehr hohe Standards erfüllen. So sollten Landwirte darin geschult werden, klimaschonend zu arbeiten.
Absoluter Favorit des Kongresses waren die drei Thesen einer Studie von McKenzie. Diese sehen einen ökologischen Anbau auf 15 % der Fläche vor. Zudem solle der Rinderbestand drastisch reduziert werden (weil Kühe ja rülpsen und pupsen). Dass wäre zum Beispiel dadurch möglich, dass der Pro-Kopf-Konsum von derzeit 8,5 kg auf 7,5 kg gesenkt würde. Fleisch müsse so teuer werden, dass sich das der Verbraucher nur noch drei mal die Woche leisten könne. - Steigende Schlachtschweinepreise sind zwar dringend nötig, aber so? – Auf der anderen Seite gaben die Grünen auch geistesgegenwärtig zu bedenken, dass man Hartz-IV-Empfänger nicht zu Zwangs-Vegetariern machen könne. – Wir gratulieren aufrichtig zu dieser sozialen Sichtweise! - Die dritte These der Studie ist, eine Optimierung der Düngung durch Technik und staatliche Maßnahmen zu erreichen.
Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die ökologische Landwirtschaft sehr wohl in der Lage sei, die Bevölkerung zu ernähren, allerdings nicht bei dem heutigen hohem Fleischkonsum. Die Deutschen sollten ihre Ernährungsweise auf die mediterrane Küche umstellen. Und noch ein positiver Effekt wurde hervorgehoben: Durch biologische Landwirtschaft würden mehr Arbeitsplätze geboten. - Da hat man ja scheinbar gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen, wo ja der Einsatz von hiesigen Saisonarbeitskräften so erfolgreich verlief und Fachkräfte in der Landwirtschaft an jeder Straßenecke zu bekommen sind... –
Dr. Helmut Born vom DBV machte deutlich, dass sich die Landwirtschaft aktuell noch in der Umsetzungsphase der letzten tiefgreifenden Reform 2003/04 befinde. Darauf müsse sie sich erst mal einstellen. Öko und Bio sei sehr wohl in den Köpfen der Landwirtschaft, aber die Verbraucher müssten auch bereit sein, dafür entsprechend mehr zu bezahlen.
Im Forum „Klimaschutz und Tierhaltung“ referierten unter der Leitung von Bärbel Höhn die ProVieh-Mitarbeiterin Sabine Ohm und Jochen Dettmar von der Neuland e.V. Die ProVieh-Aktivistin hatte das Thema „Zur Klimaschädlichkeit von Massentierhaltung & übermäßigem Fleischkonsum von Fleisch, Milch und Eiern“ gewählt. Schon der Titel gibt Aufschluss, welche Schlagwörter immer wieder Verwendung fanden: industrielle Massentierhaltung, tierquälerische Tierfabriken und industriell erzeugtes Fleisch sind nur einige Bespiele. Freundlicherweise wurde darauf hingewiesen, dass man bei diesem Vortrag keine tierquälerische Bilder aus der Massentierhaltung zu sehen bekomme, weil diese Bilder ja sowieso jeder kennen würde.
Zudem wurden folgende Thesen aufgestellt:
- Die Landwirtschaft und besonders die Hühner seien Schuld am Sauren Regen und dem Waldsterben.
- Importe aus Brasilien sollten verboten werden, solange dort noch Teile der Bevölkerung hungern.
- Wenn die Menschen es mit dem Kopf nicht verstehen, weniger Fleisch zu essen, müsse das halt über den Geldbeutel gehen. Denn: Wenn die Preise steigen sinkt die Nachfrage.
- Ein konventionell erzeugtes Kilogramm Schweinefleisch erzeuge viermal soviel Treibhausgase, wie ökologisch erzeugtes Fleisch.
- Kühe bekommen generell Euterentzündungen, wenn sie 50 Liter Milch am Tag geben.
- Für ein Kilogramm konventionell erzeugtes Schweinefleisch sei eine Futtermenge von 4 bis 5 kg notwendig.
Diese Aussagen sind repräsentativ für die Fachkompetenz der Diskussionsteilnehmer in Fragen der Landwirtschaft.
Immerhin wurde bei der ganzen Debatte nicht außer acht gelassen, dass auch die Landwirtschaft vom Klimawandel betroffen ist. Ansonsten bewegte sich die Diskussion eigentlich im Kreis, da die meisten Anwesenden einer Meinung waren und sich nur gegenseitig bestätigt fühlten. Wir konventionellen Landwirte hatten keine Chance, mit unserer Meinung ernst genommen zu werden, schließlich hätten wir unsere Ansichten ja mit der Muttermilch aufgesogen, und könnten gar nicht anders.
Vielleicht sollten wir den Grünen vorschlagen, die Problematik des Klimawandels auch mal soziologisch zu betrachten: Männer sind schuld am Klimawandel. Ist doch klar: Männer essen mehr Fleisch, fahren protzige Autos und wollen ihr klimaschädigendes Verhalten nicht ändern. Das zumindest behauptet die Bremer Professorin Ines Weller. Frauen essen mehr Obst und Salate, fahren kleinere Autos und pro Jahr auch noch deutlich weniger Kilometer. Das wäre doch ein feiner Ansatz für die grüne Bundespolitik!
Nein, besser nicht, wir wollen die Kirche im Dorf lassen, mehr nicht.