"Kassiert Ferkelhandel auf Kosten der Schweinehalter?" – Kommentar von August Rietfort, ISN-Vorstandsmitglied
Seit Jahren sorgen die Ferkelpreisnotierungen in Deutschland immer wieder für Unmut bei den Schweinehaltern. Denn die Notierungen bilden den Ferkelmarkt nur ungenügend ab. Vor allem reagieren sie nicht immer schnell genug auf die Veränderungen am Markt. Die Notierung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist unabhängig von derjenigen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (NRW). Die NRW-Notierung liegt fast immer höher, zumindest aber gleichauf mit der niedersächsischen. Die Niedersachsen-Notierung hat einen besonderen Stellenwert, weil sich an ihr auch die Exporteure aus den Niederlanden und aus Dänemark orientieren. Unglücklicherweise reagiert allerdings gerade die niedersächsische Notierung sehr langsam auf den Markt. Die beiden zentralen süddeutschen Notierungen, Bayern und Hohenlohe/Oberschwaben, sind da schneller, wobei letztere den Markt noch besser widerspiegelt als die bayerische Notierung. Unser Kernanliegen ist es, die heimischen Ferkelerzeuger gegenüber den zunehmenden Ferkelimporten aus Dänemark und den Niederlanden zu stärken. Sicherlich ist es nicht einfach, angesichts der unterschiedlichen Herkünfte, Impfungen, etc., in Deutschland eine standardisierte Notierung für größere Regionen vorzunehmen. Die zeitnahe Anpassung der Ferkelpreise erfolgt bei uns jedoch inzwischen nicht mehr ausschließlich über die Notierungen, sondern im Wesentlichen über die Zu- und Abschläge. Auch der Wunsch einiger Marktbeteiligter nach einem
ruhigen Handelsorgt zusätzlich dafür, dass die Preisanpassungen über die Ferkelnotierungen sowohl nach oben als auch nach unten nur sehr schleppend erfolgen. Hierzu trägt natürlich auch der zunehmende Direktbezug zwischen Ferkelerzeugern und Mästern bei, den wir als solches natürlich begrüßen.
Die Niederländer zeigen uns allerdings, dass es auch anders geht. So veröffentlicht die dortige Interessengemeinschaft der Schweinehalter, die Nederlandse Vakbond Varkenshouders (NVV), seit Anfang 2006 jeden Freitag eine eigene Ferkelnotierung, die deutlich mehr Schwankungen aufweist als die Notierungen in Deutschland. Diese Ferkelnotierung veröffentlichen übrigens auch wir jeden Freitagnachmittag in unserem www.schweine.net.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass der Viehhandel im Vergleich zu den Ferkelerzeugern und Mästern in der Regel einen Informationsvorsprung hat, weil er enger am Markt ist. Nimmt unterm Strich die Spanne der Vermarkter im Ferkelgeschäft auf Kosten der Schweinehalter immer mehr zu? Wenn ja, kann das nicht in unserem Sinne sein.
Auch beim grenzübergreifenden Handel mit Dänemark profitieren die Vermarkter von der fehlenden Transparenz. So erreichen beispielsweise die dänischen Ferkelerzeuger im Durchschnitt nicht die Ferkelnotierung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Für große Partien ab 500 Ferkel können sie lediglich zwei Euro über dieser Notierung erzielen. Die Mäster in Deutschland hingegen müssen für diese Ferkel etwa zehn Euro und mehr über Notierung zahlen. Hinzu kommt, dass den dänischen Ferkelerzeugern beim Verkauf ihrer Tiere ein Kilogramm Nüchterung abgezogen wird. Die deutschen Mäster müssen für genau diese Ferkel jedoch ein Kilogramm mehr zahlen als jedes Tier überhaupt auf die Waage bringt. Und auf diese Weise geht sowohl den Ferkelerzeugern als auch den Mästern Wertschöpfung verloren.
Keine Frage, mehr Transparenz würde dem Problem Abhilfe leisten. Doch wie erreichen wir das? Wir als ISN haben gerade eine Umfrage gestartet, bei der wir 500 Sauenhalter und 500 Mäster - beide nach dem Zufallsprinzip ausgewählt – zu ihrem Ferkelhandel befragen. Anhand der so gewonnenen Daten wollen wir uns einen Überblick darüber verschaffen, wie sich der Ferkelmarkt tatsächlich darstellt und prüfen, ob wir mit unseren Vermutungen richtig liegen. Anschließend werden wir der Frage nachgehen, ob und wenn ja, welche weiteren Schritte sinnvoll sein können.










Kommentare...