29.04.2010 RSS Feed

Italienische Schweinebranche diskutiert ihr Preissystem

Publikum Italien

Publikum Italien

Am 23. April  fand in Reggio Emilia, Italien, eine Konferenz zur Preisbildung von Schlachtschweinen und Produktionskosten in verschiedenen EU-Ländern statt.


Diese eintägige Konferenz wurde vom Nationalen Verband der Schweinezüchter (UNAPROS), dem Landesverband der Schweinehalter der Region Emilia-Romagna (ASSER) und dem Forschungszentrum für Tierproduktion (CRPA) organisiert. Die Veranstalter konnten 160 Teilnehmer darunter viele Schweinehalter, zahlreiche Vertreter der Verarbeitungsindustrie und regionale politische Entscheidungsträger begrüßen. Jana Püttker vertrat die ISN als Referentin.


Kees de Roest, Direktor der CRPA

Kees de Roest, Direktor der CRPA

Kees de Roest, Direktor der CRPA, und Dr. Giovanni Di Genova, italienisches Landwirtschaftsministerium, führten in das Tagungsthema ein.

Hintergrund der Veranstaltung: Italiener versuchen seit Juli 2009 die regionalen Märkte in einer nationalen Notierung zu bündeln. Dazu haben sie eine Kommission gegründet in der fünf Vertreter der Erzeuger und fünf Vertreter der Schlachtindustrie die aktuelle Marktlage sowie die Schlachtzahlen und -gewichte der Vorwoche analysieren. Aus den gewonnenen Erkenntnissen wird ein Preis für die kommende Woche abgeleitet. Was sich in der Theorie leicht anhört, funktioniert in der italienischen Praxis nicht reibungslos. Die nationale Kommission hat sich fast die Hälfte des Jahres nicht auf einen Preis einigen können, so dass keine Notierung zustande kam. Eine Änderung der Regularien soll diese Schwäche in der Preisfindung aufheben.


Jana Püttker, ISN

Jana Püttker, ISN

ISN-Trainee Jana Püttker erläuterte dem italienischen Publikum die unterschiedlichen Vermarktungsalternativen der deutschen Schweinehalter. Sie stellte die „Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch“ (VEZG) vor und erläuterte den Weg zum „Vereingungspreis“ für Schlachtschweine, der von der VEZG am Freitag bekannt gegeben wird. Des Weiteren wurden die Strukturen der Erzeugung und Schlachtindustrie sowie die deutsche Maskenvielfalt thematisiert.


Jean-Pierre Joly, Direktor

Jean-Pierre Joly, Direktor "Marché"

In Frankreich ist der „Marché du Porc Breton“ maßgeblich für die Entwicklung der Notierung, berichtete Jean-Pierre Joly, Direktor des Marché. Die französische Schweineproduktion konzentriert sich in der Bretagne. Die meisten Schweinehalter arbeiten im geschlossenen System, aus diesem Grund gibt es in Frankreich keinen Ferkelmarkt. Die Schlachtschweine werden an zwei Tagen in der Woche am „Marché du Porc Breton“ in Form einer Auktion gehandelt. Der durchschnittlich erzielte Preis gilt als Orientierung für den gesamten französischen Markt. Die „uniporc quest“ führt die Klassifizierung der Schlachtkörper durch und wird von den Landwirten finanziell getragen.

 


Leo Verheijen

Leo Verheijen

Der niederländische Vertreter Leo Verheijen, DGB, stellte die Preisfeststellung der NVV vor. Die Niederländer besitzen ein ähnliches System wie die ISN. Sie führen einen Schlachtschweinepreisvergleich durch. Der daraus ermittelte Preis wird VPO-Preis genannt und ist ein „All inclusive-Preis“. Die dazugehörige Basisnotierung ist der Referenzpreis, der wöchentlich auf der Internetseite der NVV veröffentlicht.


Die Veranstaltung schloss mit einer Präsentation von Eugenio Corradini (CRPA) der die Produktionskosten analysiert hat und daraus die Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Schweineproduktion im europäischen Vergleich ableitete. Italienische Schweine werden für die Schinkenproduktion im Durchschnitt bis auf 166 kg gemästet. Damit steigen die Futterkosten und die Futterverwertung sinkt, die Produktionskosten sind im europäischen Vergleich mit 1,92 € die höchsten.

 

Das italienische Publikum war daran sehr interessiert, ob die Notierungen sich an den Produktionskosten der Landwirte orientieren oder diese in irgendeiner Form einbezogen werden. Alle vorgestellten Notierungen leiten sich vom aktuellen Marktgeschehen ab und werden von Angebot und Nachfrage bestimmt.

 


v.l: Schweinehalter Tinelli, Kees de Roest

v.l: Schweinehalter Tinelli, Kees de Roest

Nach der Veranstaltung wurden die Referenten auf einen typischen norditalienischen Betrieb nach Castelnuovo Sotto eingeladen. Landwirt Tinelli hält 300 Sauen. Einen Teil der Ferkel mästet Herr Tinelli in einem im Dezember eingeweihten 1500er Maststall. Abluftfilterung ist in Italien noch nicht weit verbreitet. Lüftungstechnik der Wahl ist deshalb sowohl im Sauen- als auch im Maststall die freie Lüftung. Die Ferkel bleiben nach dem Absetzen in den Abferkelabteilen, die miteinander verbunden werden können. In Gruppengrößen bis zu 30 Tieren bleiben die Ferkel bis zur Mast zusammen.

 

 



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