ISN-Mitgliederversammlung 2009: Bericht des ehemaligen ISN-Vorsitzenden Franz Meyer zu Holte
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder,
nachdem wir im vergangenen Jahr in Münster unser Zwanzigjähriges mit einem großartigen Fest gefeiert haben, ist nun wieder ein Jahr ins Land gezogen.
In diesem Jahr durften wir erleben, wie panisch die große Politik auf Krisen reagiert.
Die so genannte Finanzkrise, die durch absolutes Fehlverhalten von Investmentbankern und so genannten Anlageberatern hervorgerufen wurde, hat das ganze Banken- und Finanzwesen durcheinander gebracht.
Die anschließende Automobilkrise beruht ebenfalls auf eklatanten Managementfehlern der Beteiligten. Hier wurden zyklische Märkte vollkommen falsch eingeschätzt und bedient.
Wenn man die derzeitige Hilfsflut auch auf unsere Branche übertragen hätte, auf den Schweinesektor, der in den vergangenen zwei Jahren ähnliche Katastrophen durchlebt hat, dann wäre sicherlich das BImSchG. und mancher anderer Bürokratismus abgeschafft worden und für Sauen hätte es eine Abwrackprämie gegeben. Auch im Schweinebereich sind in dieser Zeit weit über 10.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Nur sind wir Bauern offensichtlich viel geduldiger als Opel-Werker.
Dabei gibt es bei uns noch weitere große Risiken, die nichts mit Spekulation und falscher Markteinschätzung zu tun haben. Ich denke an die Gefahr der Klassischen Schweinepest durch die überbordende Wildschweinpopulation und das damit verbundene Risiko der Ausgrenzung aus internationalen Märkten. Hier muss mehr getan werden als nur zu beten!
Inzwischen haben sich im Ausklang des Schweinezyklusses zwar die Preise für Ferkel wieder erholt und auch die Schlachtschweine hatten zwischendurch mal ein auskömmliches Niveau erreicht.
Wir sind jedoch mittlerweile dauerhaft zur Exportnation in Sachen Schweinefleisch geworden, und somit sind wir stark von den Launen des Weltmarktes abhängig. Wenn der Rubel nicht mehr rollt, steigen bei uns die Schweinepreise nur noch mäßig. Und mittlerweile geht es uns schon sehr viel an, ob in China der berühmte Sack Reis umfällt oder nicht.
Und ob die Südamerikaner bei ihrer Sojabohnen-Anbauplanung auf europäische Befindlichkeiten Rücksicht nehmen oder sie ignorieren. Die stark emotionalisierte GVO-Debatte wird uns auch in den nächsten Jahren weiter beschäftigen. Das muss auch unsere neue Agrarministerin zur Kenntnis nehmen. Wir leben nun mal nicht auf einer Insel, und Bayern ist da keine Ausnahme!
Das vergangene Jahr war ereignisreich. Wir haben QS vorangebracht, die Schmerzbetäubung bei der immer noch unumgänglichen Ferkelkastration eingeführt. Das völlig unsinnige Unterfangen eines obligatorischen Tierschutz-TÜVs konnten wir leider noch nicht beerdigen, wohl aber wurde der Absatzfonds zu Grabe getragen. Welche Auswirkungen dieses haben wird, werden wir erst in der Zukunft erfahren müssen.
Meine Damen und Herren,
dieses ist nun mein letzter Bericht vor einer ISN-Mitgliederversammlung.
Ich werde heute mein Amt in jüngere Hände übergeben und denke, hier eine geordnete Hofübergabe
vornehmen zu können.
Ich bin überzeugt, dass man einen solchen Schritt nicht erst gehen soll, wenn man schon Krücken dafür braucht.
Mark Twain hat einmal gesagt: Gehe, wenn mindestens noch einer da ist, der das bedauert.
Ich habe dieser ISN nun 21 Jahre vorgestanden, es hat mir viel Freude bereitet und ich meine, dass wir auch einiges zustande gebracht haben. Dieses konnte nur geschehen, indem sich viele kompetente und engagierte Mitstreiter über Jahre mit eingebracht haben.
Ich kann dazu nicht alle Namen aufzählen, dazu ist der Tag zu kurz, dennoch möchte ich einige hier stellvertretend erwähnen: Bernhard Bonekamp, meinen langjährigen Vize-Vorsitzenden mit seiner knorrigen westfälischen Art, Herman Thole, der maßgeblich für die Entwicklung unserer wirtschaftlichen Töchter ISW und ISW-Versicherungsmakler steht und Ludger Hengelsberg, der in unserer Anfangsphase das Synonym für die rebellische ISN darstellte.
Und meinen heute ebenfalls ausscheidenden Vorstandskollegen Ulrich Kirschner erlaube ich mir zu nennen. Auch er ist ein Mann der ersten Stunde und hat die ISN bleibend geprägt.
Ohne diese und alle anderen haupt- und ehrenamtlichen Mitstreiter wäre die ISN nie zu der Organisation geworden, die sie heute ist. Das gleiche gilt für unsere Mitglieder, die immer fest zu ihrer ISN gestanden haben.
Und dafür gilt mein Dank.
Mein Dank gilt an dieser Stelle aber auch meiner Familie, meinen Kindern, die in den häuslichen Diskussionen stets für meine geistige Frische gesorgt haben, vor allem aber meiner Frau Marianne, die mir immer den Rücken freigehalten hat und mir dadurch die oft zeitaufwendige Tätigkeit für die ISN überhaupt erst ermöglichte.
Mein Dank gilt aber auch all jenen aus befreundeten und minder befreundeten Organisationen und Kreisen, die unsere Arbeit begleitet haben, die unsere Hartnäckigkeit ertragen haben und sich hin und wieder auch mal haben überzeugen lassen.
Große Freude hat mir die Zusammenarbeit mit dem ZDS wie auch mit der DLG gemacht, und es erfüllt mich mit gewisser Genugtuung, dass wir auch mit dem Deutschen Bauernverband inzwischen eine fruchtbare gemeinsame Plattform gefunden haben.
Freude haben mir auch die vielen nationalen und internationalen Kontakte gebracht, die ich ohne meine Verbandsarbeit wohl nicht hätte knüpfen können. Über den europäischen Club EPP habe ich hochinteressante Persönlichkeiten und auch ganz private Freunde kennen gelernt und ich freue mich, in diesem Rahmen weiterhin in der Schweinebranche tätig zu sein.
Meinem Nachfolger wünsche ich gleichermaßen eine glückliche Hand bei der Führung des doch so heterogenen ISN-Mitgliederklientels. Ausgleich ist sicher von Nöten, manchmal muss man aber auch Rückgrat zeigen, um Interessenvertretung zu bewerkstelligen.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass dieses auch in Zukunft gut gelingen wird und bedanke mich fürs Zuhören.










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