ISN-Mitgliederversammlung 2010: Bericht des Geschäftsführers Detlef Breuer
Liebe Mitglieder, sehr geehrte Damen und Herren,
um unsere Mitgliederversammlung für Sie interessanter zu machen, haben Vorstand und Beirat beschlossen, die Regularien auf ein Mindestmaß zu reduzieren.
Deshalb werde ich in meinen Bericht im Wesentlichen nach vorn schauen. Denn das was wir im vergangenen Jahr gemacht haben, haben Sie ohnehin im www.schweine.net, im Mitgliederrundschreiben oder in der Agrar- und Fleischfachpresse gelesen.
Damit wir wissen, ob der neue Ablauf Ihnen auch gefällt, bitten wir Sie uns am Ende den Fragebogen zurückzugeben. Wir möchten Ihre Anregungen und Wünsche gerne aufnehmen und umsetzen.
Politisches Umfeld – Tätigkeitsschwerpunkte
Wie Herr Dierkes berichtet hat, stellen die zahlreichen politischen Knüppel, die man den Schweinehaltern zwischen die Beine wirft, völlig neue Herausforderungen dar. Die Instrumente, mit denen heute heutzutage versucht wird, Stallbauten zu verhindern, sind viel raffinierter als noch vor zwei, drei Jahren.
Der offene Dialog ist der vorgeschobenen Rechtfertigung, „die EU will das ja so“, gewichen. Die verschiedenen Fachgebiete, die wir dabei abdecken müssen, überfordern zurzeit schlichtweg unsere Kapazität.
Das Ganze nimmt Ausmaße wie in der griechischen Tragödie an. Auch Herakles kämpfte mit der neunköpfigen Hydra, bis es ihm zum Schluß doch noch gelang, den einzig sterblichen Kopf abzuschlagen.
Mit Blick auf den 9. Mai hoffen wir inständig, daß der Hydra in NRW kein schwarzgrüner Kopf wächst.
Früher fanden die Debatten im Parlament statt, heute in der Talkshow.
Die Flut an Halbwahrheiten kennt keine Grenzen mehr. In der Tagesschau wird zum Fleischverzicht zur Rettung des Klimas aufgerufen. Bei Beckmann fachsimpelt Ministerin Aigner mit Bobele über „fit–4-future“ und Ernährungspyramiden.
Und im Spiegel lesen wir dann von „Mehr Ehrlichkeit“ bei der Ernährung.
Wir sind tief betroffen, denn das ist blanker Populismus auf Kosten einer bedrohten Minderheit, der Tierhalter.
Wir brauchen keine immer neuen Gesetze, Verordnungen, Richtlinien und Ausführungshinweise.
Was wir brauchen, ist ein politisches Verdummungsverbot!
Einen Befähigungsnachweis, ein staatliches Qualitätssicherungssystem, einen Politiker-TÜV!
Auf der Homepage unserer bayrischen Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner steht geschrieben: „als Radio- und Fernsehtechnikerin musste sie oft so manchem auf´s Dach steigen. Das hat sich bis heute nicht geändert.“
Umweltminister Dr. Norbert Röttgen, freundschaftlich auch „die schwarz-grüne Keule“ genannt, kommt zwar aus NRW. Doch er ist Jurist.
Gesunder Menschenverstand, generationenüberdauernder gelebter Umweltschutz wie in der Landwirtschaft scheint da fehl am Platze.
Inwieweit uns die neue Bundesregierung bei unseren eingangs aufgezeigten 17 Brennpunkten unterstützt, dürfen wir gespannt sein. Aus Erfahrung heraus müssen wir allerdings sehr enttäuschungsfest sein.
• Ammoniakleitfaden
• VDI-RL Emissionen und Immissionen aus der Tierhaltung
• VDI-RL „Bioaerosole“
• DüngeVO
• JGS Anlagen VO (Gewässerschutz)
• BauGB § 35 privilegiertes Bauen
• Energieeinspeisungsgesetz
• Ausführungshinweise SchweinehaltungsVO
• Tierschutz in der Schweinehaltung
• Tierschutzkennzeichnung
• TierschutztransportVO
• Schweinepest
• Lebendexport
• „black box“ Projekt
• Risikoorientierte Fleischuntersuchung
• GVO
• VerbringenVO bzw. „Güllekataster“ NRW
Markt
Dem Markt wird in der Podiumsdiskussion ausreichend Platz eingeräumt. Deshalb werde ich an dieser Stelle nicht darauf eingehen.
Letztes Jahr haben wir wegen des Absatzfondsurteils und des Wegfalls der CMA und ZMP angekündigt, einiges „in Sachen Marktransparenz“ auf den Weg zu bringen bzw. für unsere Mitglieder in Vorleistung zu gehen.
- EU-Produktionskostenvergleich: seit fünf Jahren vertreten wir als einziger deutscher Verband zusammen mit dem Institut für Betriebswirtschaft des Johann-Heinrich von Thünen-Instituts (vTI, früher FAL Braunschweig) in der internationalen Arbeitsgruppe Interpig die deutschen Schweinehalter. Dank dieser Arbeit wissen Sie und die Politik, wo wir heute im europäischen Ländervergleich stehen.
- Unseren dreimal wöchentlich erscheinenden Marktbericht, der Ihnen Entscheidungssicherheit bietet, brauchen wir Ihnen nicht mehr vorzustellen.
Und nun kommen wir zu den Neuerungen:
- Seit Januar dieses Jahres ist unser wöchentlicher EU Schweinepreisvergleich nur noch im geschlossenen Mitgliederbereich des www.schweine.net einzusehen. Dies ist eine kostenlose Dienstleistung exklusiv für unsere Mitglieder. Und dass diese Informationen durchaus etwas wert sind, zeigen uns die zahlreichen Anfragen von Agenturen und Fachzeitschriften. Das gibt es nur exklusiv bei der ISN!
- Erstmalig haben wir in diesem Jahr einen Fünf-Jahresvergleich unseres Vermarktungswegevergleiches erstellt. Für mich war es sehr interessant, wer da so vom Saulus zum Paulus geworden ist. Und dass nach dem Wegfall des Absatzfonds nur 16 von 51 Cents an die Schweinehalter weiter gereicht wurden, hätte sonst auch keiner festgestellt. Der ausführliche Vergleich, der mittlerweile von 40 auf über 80 Seiten angewachsen ist, steht ausschließlich den ISN-Mitgliedern zu, die sich daran beteiligen. Die Teilnahme steht selbstverständlich allen Mitgliedern offen und ist kostenlos bzw. im Jahresbeitrag von € 40 enthalten.
- Die Grundlage bildet unser wöchentlicher Schweinepreisvergleich. Machen Sie mit, denn im Sommer stehen uns die neuen FOM und AutoFOM-Schätzformeln ins Haus. Dies wird zu einer intensiven Maskendiskussion führen. Das Institut für Sicherheit und Qualität bei Fleisch, in Kulmbach das Teil des Max-Rubner-Institutes ist, analysiert momentan die aktuellen Schlachtschweinekörper. Dies wird eine grundlegende Neubewertung der Berechnung der Muskelfleischanteile und Teilstückgewichte zur Folge haben. Insbesondere bei der AutoFOM-Vermarktung wird dies wohl zu Überraschungen führen!
Beugen Sie für Ihre eigene Vermarktung rechtzeitig vor, damit Sie dann nicht ähnlich wie bei den Absatzfondsgebühren über den Tisch gezogen werden. Wir machen es transparent, handeln müssen Sie.
Details dazu entnehmen Sie bitte dem vor Ihnen liegenden Flyer „Deutscher ISN-Schweinepreis und Vermarktungswegvergleich“ oder sprechen Sie einfach unsere Frau Burbank an.
- Und auch die wichtigsten Exportmärkte für deutsches Schweinefleisch haben wir letzten Jahr im Rahmen einer Diplomarbeit auswerten lassen.
- Eine weitere Premiere, an der Sie heute teilhaben, ist die Analyse der Lebendexporte, die unsere Frau Jana Püttker Ihnen gleich vorstellen wird. Sie dürfen einiges erwarten.
- Dass wir im Schweinepestfall im Münsterland volkswirtschaftliche Gesamtkosten in Höhe von 2,25 Mrd. € und in Weser-Ems von 2,8 Mrd. € befürchten müssen, das hat unsere „Risikoanalyse Schweinepest“ ergeben.
Eine umfangreiche, sorgfältige Ausarbeitung, die Sie vor sich liegen haben und die in der Podiumsdiskussion sicher Beachtung finden wird.
- Und unsere „Top Ten der Schlachtbranche“, die außer uns niemand ermittelt, werden wir Ihnen in Kürze präsentieren. So viel sei aber schon einmal gesagt. Es gibt einen „Outperformer“. Und wer regelmäßiger Leser des Marktberichtes ist, der müsste es schon wissen.
- Unsere mittlerweile fest etablierten Vortragsveranstaltungen „Fokus Schwein“ in Weser-Ems und im Münsterland erfreuen sich eines großen Interesses. Offensichtlich treffen wir mit den Themen genau die Informationsbedürfnisse der Schweinehalter.
- Unter den ISN-Seminaren möchten wir eines besonders herausstellen, dass wir aufgrund der großen Nachfrage sogar zweimal wiederholt und wegen des großen Interesses auch auf beiden „Fokus Schwein“ thematisiert haben. Das war das Seminar zur Betriebsentwicklung, dem „3.000-er Maststall für jeden?“. Insbesondere unsere Mitglieder aus Schleswig-Holstein, Hessen und Rheinland-Pfalz hatten sich auf den Weg nach Damme gemacht, um individuelle Betriebsentwicklungsstrategien zu analysieren.
Wie ich in diesem kurzen Abriß zeigen durfte, haben wir „in Sachen Markttransparenz“ einiges auf den Weg gebracht.
Wir haben Wort gehalten!
Doch auch dem Inlandsmarketing, also das, was die CMA gemacht hat, haben wir uns angenommen.
- Wir haben im Januar in Berlin mit Ministerin Aigner erstmals den „Weltspanferkeltag“ ausgerufen. Denn in letzter Zeit häufen sich regelrecht die von einschlägigen NGOs ins Leben gerufene „Welt-Vegetarierertage, Welt-Vegantag, „Weltnutztier-Tag“ „Welt-Tierschutztag“ oder „Welt-Tierrechtstag.
Man muß eben mit der Zeit gehen, sonst geht man mit der Zeit.
Und die Welt ist einfach reif für einen Spanferkeltag!
- Unser traditionelles Spanferkelessen in Berlin, unser Parlamentarischer Abend, den wir in diesem Jahr schon zum achten Mal veranstalten, hat sich zu einer festen Institution auf dem Berliner Parkett entwickelt. Das Spanferkelessen mit seinen Gesprächen im Vorfeld oder Nachgang hat sich für uns als wichtiges Instrument im politischen Dialog herausgestellt. Und ganz nebenbei erspart es uns eine kostspielige ständige Vertretung in Berlin.
- Und beim Sommerfest der Niedersächsischen Landesvertretung in der Bundeshauptstadt erweisen sogar die „wirklich ganz Großen“ der Politik unserem Spanferkel die Ehre.
Im www.schweine.net haben wir mit knapp 820.000 Besuchen die Vorjahreszahlen nochmals übertroffen. Pro Woche haben wir über 17.000 treue Leser. Das entspricht ca 70.000 Aufrufen je Monat. Der Kreis der Schweine.net-Nutzer geht weit über unsere 12.000 Mitglieder hinaus geht!
Mit dem RSS-feed und unserem Newsletter halten wir Sie gerne auf dem Laufenden.
Unseren Dank möchten wir an dieser Stelle unseren Premium-Werbepartnern, den Firmen Vilomix, Big Dutchmann, Deutsche PIC, Schaumann, Belapharm und Boehringer aussprechen, uns im www.schweine.net tatkräftig unterstützen und auch finanziell unter die Arme greifen.
Wir haben 11.705 Mitglieder.
Unsere wirtschaftlichen Verhältnisse sind geordnet!
Dieses Jahr schließen wir mit einer „schwarzen Eins“ ab, wie Ihnen Herr Pohlschneider im Kassenbericht erläutern wird.
All die neuen, auch von der ZMP oder CMA übernommenen Aufgaben „in Sachen Markttransparenz“, fordern ihren Tribut.
Für den Absatzfonds betrugen Ihre Beiträge schnell einige 1.000 €.
Für die ISN seit 22 Jahren 40 € bzw. ein Drittel Schlachtschwein.
Die reine Verbandsarbeit wird in der Geschäftsstelle von viereinhalb AK erledigt, d.h. die Marktreferat, Politik, Öffentlichkeitsarbeit, Junge ISN, Sekretariat und meine Person. Wir sind ein kleines, aber schlagkräftiges Team.
Für die Herausforderungen der Zukunft sind wir personell allerdings nicht mehr hinreichend ausgestattet.
Und die Inflation von Richtlinien, Erlassen, Ausführungshinweisen und Gesetzen schafft mehr Probleme für die Schweinehalter. Und die gilt es auch für die Zukunft zu lösen.
Wenn wir den eingeschlagenen Weg erfolgreich fortschreiten sollen, so werden wir uns für die Zukunft entweder entsprechend aufstellen oder Abstriche machen müssen.
Dank an Kollegen: Frau Ahnfeldt, Frau Burbank, Frau Momm, Frau Püttker und Herrn Pohlschneider. Denn das sind genau die, die ISN-Geschäftsstelle für Sie jeden Tag immer am Laufen halten.
Leider sind die Belange der Jungen ISN im letzten Jahr ein wenig zu kurz gekommen. Denn unsere Frau Kerstin Burbank mußte unsere im Mutterschutz befindliche Frau Hertrampf vertreten. Doch für die Junge ISN soll und muß wieder mehr Zeit und Aufmerksamkeit zur Verfügung stehen, denn sie sind unseres Zukunft.
Ich freue mich schon auf den Bericht von Philipp Giede-Jeppe aus Hessen vom Junge ISN Beraterteam.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.










MV Tagesordnung 23 02 2010
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