23.02.2007 RSS Feed

ISN-MGV 2007: Bericht Detlef Breuer, ISN-Geschäftsführer

6649 Liebe Mitglieder,
sehr geehrte Damen und Herren,


Schweinepest
kurz nach unserer Mitgliederversammlung im Februar letzten Jahres in Osnabrück traf uns die Schweinepest in Nordrhein-Westfalen wie ein Hammerschlag. Mit ihren Auswirkungen hatten wir gemeinsam bis weit in den Sommer hinein zu kämpfen. Beim akuten Seuchengeschehen waren wir direkt in den Krisenstab des Agrarministeriums in Berlin eingebunden. Wir haben einen sehr engen Kontakt zu den Verantwortlichen in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen – und das nicht nur auf Ministeriums-, sondern auch auf Veterinäramtsebene - gehalten.

Aufgrund des schnellen, direkten Austausches mit Düsseldorf, Berlin, Hannover und Brüssel haben wir auf dem kleinen Dienstweg sicherlich auch etwas dazu beigetragen, zumindest für die anderen Schweinehalter in Deutschland Schlimmeres zu verhindern. Denn die EU wollte damals ernsthaft die gesamte Bundesrepublik und nachdem sie davon abgerückt war, ganz Niedersachsen wegen einer einzigen Ferkellieferung sperren. Nicht auszudenken, wenn dies so eingetreten wäre. Dieses Wochenende und die darauf folgenden Wochen werden uns wahrlich noch lange in Erinnerung bleiben!

Wir haben Sie so schnell wie kein anderer über die zu erwartenden Maßnahmen informiert. Während der heißen Phase standen wir Ihnen von morgens bis spät in die Nacht, an Samstagen und Sonntagen zur Verfügung. Viele persönlich betroffene Schweinehalter, deren Anliegen bei uns selbstverständlich oberste Priorität hatten, haben sich bei uns gemeldet. Auf vier Telefonleitungen gleichzeitig zu telefonieren war allerdings auch für mich eine neue Erfahrung, die ich so schnell nicht wieder machen möchte.

Aufgrund des enormen Informationsbedarfs haben sich unser www.schweine.net und unser Marktbericht als optimale Kommunikationswege bewiesen, wenngleich der enorme Ansturm unseren Server des Öfteren regelrecht in die Knie gezwungen und die Drähte unserer Telefonzentrale zum Glühen brachte. Die Nerven lagen bei vielen Betroffenen einfach blank. Selbst die Veterinärämter haben sich – anfangs noch ein wenig grantig - bei uns informiert, da unser Informationsfluss verlässlich und deutlich schneller als auf dem Behördenweg funktionierte. Ein Informationsvorsprung von 24 bis 36 Stunden war keine Seltenheit. Geschwindigkeit ist eben keine Hexerei…

In der darauf folgenden Phase der Aufbereitung des Schweinepestgeschehens haben wir uns bei verschiedenen Gelegenheiten für eine neue Strategie der Not-Schutzimpfung und Beseitigung von Handelsrestriktionen beim Fleisch geimpfter Tiere auf europäischer und internationaler Ebene eingesetzt. Und zwar bei der EU-Kommission in Brüssel, beim Bundeslandwirtschaftsministerium, den Länderministerien, bei unserem Parlamentarischen Abend in Berlin, bei der Anhörung vor dem Verbraucherausschuss des deutschen Bundestages, beim Tierseuchensymposium in Essen, bei den Bundes- und Landespolitikern.

Und es versteht sich von selbst, dass wir die zweitägige Fachexkursion mit unserem Beirat im August letzten Jahres in den Kreis Borken gemacht haben, um uns mit den Folgen der Schweinepest noch einmal vor Ort auseinander zu setzen.

Nach wie vor gilt es bei diesem Thema, dicke Bretter zu bohren. Denn würden wir morgen in Deutschland wieder einen Schweinepestfall haben, würde genauso verfahren werden wie bisher. Einzige Ausnahme wäre, dass jetzt der PCR-Schnelltest als Virusnachweisverfahren zu Untersuchungszwecken angewendet werden würde. Wir bleiben am Ball!

Markttransparenz
Der Schweinemarkt hat bei uns traditionell einen sehr hohen Stellenwert. Auf die aktuelle Marktentwicklung wird Herr Schulze Tenkhoff noch detailliert eingehen. Herausstellen möchte ich an dieser Stelle nur einige Punkte, bei denen wir für Sie in Sachen Markttransparenz mittlerweile Einiges auf den Weg gebracht haben.

Mit unserem bereits zum zweiten Mal veröffentlichten Vergleich von Vermarktungswegen bei Schlachtschweinen haben wir Maßstäbe gesetzt – oder um es mit den Worten von Giovanni Trapattoni zu sagen: Wir habe fertig! Machen auch Sie mit – Wenn Sie Fragen haben, Herr Andreas Beckhove steht Ihnen nach der Versammlung selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Jede Woche werten wir für Sie online Ihre Schlachtabrechnungen aus – der Deutsche ISN-Schweinepreisvergleich ist eine Institution – Bitte nutzen Sie ihn! Außerdem erstellen wir für Sie wöchentlich unseren EU-Schweinepreisvergleich, der in der gesamten Branche inzwischen viel gelesen und häufig zitiert wird. Ferner arbeiten wir in der europäischen Arbeitsgruppe InterPIG mit, in der jährlich die Produktionskosten wichtiger EU-Länder ermittelt werden. Diese stellen wir für Sie in unserem www.schweine.net bereit. Und selbstverständlich unser Klassiker, unser ISN-Marktbericht – oft kopiert und nie erreicht. Dreimal pro Woche Aktuelles zum Schweinemarkt. Und mit unserem bereits zum dritten Mal ermittelten Top Ten der Schlachtindustrie zeigen wir, was dort passiert.

Tätigkeitsschwerpunkte Gesetze und Verordnungen
Doch auch politische Schwerpunktthemen haben uns im letzten Jahr in Anspruch genommen. In Anbetracht der heute noch erfolgenden Wahlen zum Vorstand und Beirat möchte ich darauf nur sehr kurz eingehen und soweit Sie von Herrn Meyer zu Holte noch nicht angesprochen wurden. Unsere ausführlichen Stellungnahmen bzw. Aktivitäten finden Sie – wie Sie wissen – in unserem www.schweine.net und in den sechs Mitgliederrundschreiben des vergangenen Jahres.

Lassen Sie uns deshalb nach vorne schauen auf das, was jetzt ansteht.
Aktuell befassen wir uns mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, dem EEG. Wie Herr Meyer zu Holte berichtete, haben Teile der Politik nach unserer langjährigen Mahnung endlich erkannt, dass es mit dieser blinden Subventionierung von Bioenergie so nicht weitergehen kann. Während einerseits landwirtschaftliche Marktordnungen wie die Zuckermarktordnung, die Milchquote und die Getreideintervention abgeschafft werden, macht die Politik bei der Bioenergie den gleichen Fehler und etabliert durch das EEG eine Energiemarktordnung.

Unter einer ganzheitlichen, nachhaltigen Betrachtungsweise muss das Verfütterungsverbot für tierische Eiweiße und Fette endlich aufgehoben werden. Diese Stoffe müssen den Landwirten als Futtermittel wieder zu Verfügung gestellt werden.
Mit Spannung erwarten wir, inwieweit unserer Kritik (Erzeugererklärung, 24-Stundenfrist, visuelle Fleischbeschau) am EU-Hygiene-Paket Rechnung getragen wird.

Doch auch die seit Januar in Kraft getretene EU-Tierschutztransport-Verordnung stellt die Landwirte vor große Herausforderungen. Denn diese sieht ein Transportverbot für hochtragende Sauen ab zehn Tage vor dem Abferkeln vor. Dies steht jedoch in direktem Widerspruch zur Schweinehaltungsverordnung, die bis eine eine Woche vor dem Abferkeln die Gruppenhaltung vorschreibt. Um beiden Vorgaben gerecht zu werden, müsste man schon David Copperfield heißen und zaubern können. Und auch der Langstreckentransport von Systemferkeln unter zehn Kilogramm muss gemäß Transportverordnung in acht Stunden erledigt sein - wohlgemerkt einschließlich Be- und Entladen.

Und nach wie vor warten wir – immer wieder um ein paar Monate vertröstet – auf die Erleichterungen beim Bundesimmissionsschutzgesetz. In Berlin ist eben alles Multi-Kulti und da geht es halt manchmal zu wie auf einem türkischen Basar.
Alle reden von Bürokratieabbau. Wir wären schon froh, wenn nicht immer mehr reglementiert, kontrolliert und Cross-Compliance-mäßig sanktioniert werden würde.
Noch immer kämpfen wir mit der Schweinehaltungs-Verordnung (veränderbares Beschäftigungsmaterial, Ergebnis der Petition steht noch aus, 2.591 Unterstützer bis 10. Mai 2006, etc.).

Wie Sie sehen, wird für die spezialisierten Schweinehalter der politische Dialog immer wichtiger. So empfiehlt doch tatsächlich der Bayerische Staatsminister Werner Schnappauf aktuell allen Ernstes, auf den Verzehr von Fleisch zu verzichten, um die CO2-Emmissionen zu mindern – grüner geht`s nimmer!!! In letzter Zeit wundern wir uns schon, was da so alles aus Bayern kommt.

Doch ganz so weit brauchen wir gar nicht zu schauen; denn selbst in den Schweinehochburgen schwindet uns zunehmend die Unterstützung. Hier in Cloppenburg hat sich vorige Woche bei der Wahl zum Stadtverbandsvorsitzenden einer großen Volkspartei ein Staatsanwalt, in einer Kampfabstimmung gegen den bisherigen Amtsinhaber, einen Landwirt, durchgesetzt.

Als Schweinehalter müssen wir unsere Interessen offensiv und selbst vertreten, ob in den Landeshauptstädten oder in Berlin – sonst wird uns immer öfter ein X für ein U vorgemacht. Gerne suchen wir deshalb den konstruktiv-kontroversen politischen Dialog, wozu unser Traditionelles Spanferkelessen in Berlin, unser Parlamentarischer Abend, sicher beiträgt. Und gerne stehen wir auch bei Anhörungen als Experten zur Verfügung - ob zur Schweinepest, Salmonellenverordnung oder Bioenergie.

Die ISN ist Ihr Verein…
und Sie bestimmen, wo es langgeht.

Die Bedürfnisse unserer rund 12.000 Mitglieder sind uns ein ernstes Anliegen, eine Verpflichtung – wie Sie ja auch beim Besuch unseres Standes bei der EuroTier im November letzten Jahres persönlich feststellen konnten.

Wir sind im letzten Jahr ordentlich unterwegs gewesen – ISN on Tour. Die Rolling Stones der Schweinehaltung haben über 200 Außentermine wahrgenommen. D.h., dass fast jeden Tag des Jahres jemand von unserer ISN in Sachen Schweinehaltung unterwegs ist.
Auch in Ihrer Nähe, ob bei einem unserer Klönabende, bei unseren ISN-Seminaren oder Vorträgen. Von Aschendorf im Emsland bis an den Seddiner See in Brandenburg, von Schwäbisch-Hall, Unterfranken und München bis nach Verden oder Rotenburg/Wümme, von Brüssel bis nach Berlin, nächsten Montagabend bei einem Vortrag beim Landvolk in Holdorf, Mittwochabend haben wir den stellvertretenden polnischen Landwirtschaftsminister samt Regierungsdelegation in Damme zu Gast und am Donnerstagabend sind wir schon wieder in Bonn.
Sie sehen also – ISN, die tun was!

Auch unsere europäischen Nachbarn aus Frankreich und Irland zeigten gesteigertes Interesse an unserer Arbeit und besuchten uns in Damme. Natürlich auch die Polen, denn bei den dortigen Schweinehaltern brennt zurzeit die Luft.

Dreimal haben wir uns im vergangenen Jahr zu unserem so genannten Dreiländertreffen mit unseren Berufskollegen aus Holland und Dänemark getroffen. Dieser Erfahrungsaustausch wird immer wichtiger. Das nächste Mal treffen wir uns im März in Dänemark. An dieser Stelle ein Dank an die niederländischen und dänischen Kollegen für diesen guten Austausch!

Zunehmend stoßen wir mit unserem kleinen, hoch motivierten Team jedoch auch an unsere Grenzen. Wir müssen feststellen, dass wir uns nicht Allem annehmen und auch nicht auf jeder Hochzeit tanzen können. Die arbeitsteilige, äußerst kollegiale Zusammenarbeit mit dem Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion (ZDS) in Bonn und der Arbeitsgemeinschaft deutscher Tierzüchter (ADT) in Brüssel ermöglicht da vieles.

Und es ist sehr beruhigend zu wissen, dass unserer Arbeit ein äußerst solides finanzielles Fundament zu Grunde liegt. Unsere wirtschaftlichen Verhältnisse sind geordnet! Herr Pohlschneider wird Ihnen in gewohnter Manier gleich den Kassenbericht vorstellen.

www.schweine.net
Durch das Schweinepestgeschehen verzeichnete unser www.schweine.net im April einen Spitzenzugriffswert von 88.000 Nutzern. Insgesamt haben wir mit 720.000 Nutzern im Jahr 2006 die Vorjahreszahlen um über fünfzig Prozent übertroffen. Mittlerweile haben wir eine treue tägliche Leserschaft von fast 2.200 bzw. 66.000 Nutzern je Monat.
Natürlich können Sie die Berichte der heutigen Mitgliederversammlung auch wieder im www.schweine.net nachlesen.

Unseren Dank möchten wir an dieser Stelle auch unseren Premium-Werbepartnern, den Firmen Vilomix, Big Dutchmann, Deutsche PIC, Schaumann, Belapharm und Biochem aussprechen, die uns im www.schweine.net tatkräftig unterstützen.

Apropos Rolling Stones der Schweinehaltung – einen haben wir noch, damit`s uns nicht so geht wie dem Schwein mit dem Stein:

Ein Schwein,
das hüpft von Stein zu Stein.
Es denkt,
Mensch bin ich weise!
Am letzten steht ein Schlachterbein,
da endet seine Reise...


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