24.02.2006 RSS Feed

ISN-MGV 2006: Bericht Franz Meyer zu Holte, ISN-Vorsitzender

Mzh Mgv Liebe Mitglieder, sehr verehrte Gäste,
Das vergangene Jahr war ein sehr facettenreiches. Nach einer Reihe von Regierungswechseln in verschiedenen Bundesländern haben wir im Herbst auch eine neue Bundesregierung bekommen. Ob dies insgesamt auch einen Politikwechsel bedeutet, müssen die Taten der Politiker noch zeigen.

Worte - und vor allem schöne Worte - sind gefallen. Aber wenn wir uns das derzeitige Gezerre um die Schweinhaltungsverordnung anschauen, die nun doch nicht am 10. März, sondern erst am 7. April in den Bundesrat kommen soll, dann frage ich mich, was das Gerede der Kanzlerin und auch des Agrarministers über eine strikte Umsetzung von EU-Vorgaben eigentlich soll?

Hier scheint es nicht mehr nur um die Sache zu gehen - in der Vergangenheit hatte ich durchaus den Eindruck, dass wir durchaus auch mit der SPD, Herr Priesmeier, konform gehen könnten. Jetzt geht es leider offensichtlich nur noch um Machtspielereien innerhalb der Koalition. Und die Sacharbeit bleibt auf der Strecke…

Die Vorgängerregierung hatte die Agrarpolitik ausschließlich den Grünen – sozusagen als Spielwiese - überlassen. Das aber ist Vergangenheit. Heute muss sich kein Politiker mehr verpflichtet fühlen, Künastsche Altlasten zu erfüllen. Das gleiche müsste auch für den so genannten Bundesratskompromiss gelten. Wenn es denn aber beim nationalen Draufsatteln bleiben soll, dann sollten die Politiker bitte schön auch ganz deutlich sagen, dass sie eine andere Form der Schweinehaltung wollen - und vielleicht auch lieber nur in anderen EU-Staaten!

Anders kann ich zum Beispiel das Festhalten an wissenschaftlich unhaltbaren Forderungen wie nach 80 Lux oder Nestbaumaterial nicht verstehen. Herr Priesmeier, Herr Röring, wie soll das denn in der Praxis aussehen, wenn ich meinen Sauen im Ferkelschutzkorb Nestbaumaterial zur Verfügung stellen muss und dass auch noch ohne Übergangszeitraum? Bedeutet das nicht in Wirklichkeit das Aus für die derzeitigen Abferkelbuchten? 80 Lux sind sicherlich sinnvoll im Deckzentrum. In Mastställen dürfte die Dauerbestrahlung bei den Tieren nur zu Verhaltensstörungen führen, die von Natur aus dämmerungsaktiv sind.

Ich finde es übrigens auch sehr bedauerlich, dass der Bauernverband diese nationalen Sonderwege wieder einmal bagatellisiert, so wie es jüngst der WLV-Präsident Möllers getan hat.

Die Interessen der deutschen Schweinehalter sind glasklar: Schluss mit dem Draufsatteln und schafft endlich gleiche Wettbewerbsbedingungen für einen gemeinsamen europäischen Markt!

Das gleiche gilt für die derzeit geführte Diskussion um die Wiederzulassung tierischer Fette in der Schweinefütterung. Hier hat sich Landwirtschaftsminister Seehofer durch eine Studie des von Frau Künast geschaffenen und personell bestückten Bundesinstituts für Risikobewertung verleiten lassen, erneut Wettbewerbsverzerrungen zu zementieren. Und das entgegen einer europäischen EFSA-Studie und entgegen Weisungen aus Brüssel. Es stellt sich die Frage, ob jetzt die Niederlande und Belgien für Futtermittellieferungen gesperrt werden. Und was passiert mit niederländischen Schweinen, die ja erlaubter weise mit tierischen Fetten gefüttert wurden? Oder muss Brüssel zu einem EU-weiten Verbot bekehrt werden?

Nicht nur die Politik macht Schwarze-Peter-Spiele. Jüngstes Beispiel hierfür ist auch eine Rückrufaktion der Kaufland-Gruppe. Betroffen waren kleine Mengen von Hackfleisch, die mit EHEC-Bakterien verunreinigt waren. Hier sind unsere Marktpartner in der Kette mal wieder schnell dabei, uns Bauern den Buhmann zuzuschieben. Verunreinigungen können in der gesamten Kette, aber vor allem bei der Verarbeitung, vorkommen. Anstatt die Probleme gemeinsam mit Hilfe des vor allem von den Landwirten sehr gut angenommenen QS-Systems anzugehen, scheint der Lebensmitteleinzelhandel durch lautstarke Schuldzuweisungen von eigenen Unzulänglichkeiten z.B. bei den Kühltheken ablenken zu wollen.

So ist auch weiterhin das Vernebeln und Herumtaktieren eine völlig überflüssige Beschäftigung unserer Marktpartner. Herr Professor Dr. Branscheid wird hierzu nachher noch interessante Neuigkeiten vorstellen.

Das Wort Vertrauensbildung scheint in dem uns nachgelagerten Sektor noch nicht überall angekommen zu sein. Seit Jahren fordern wir die Ausweisung des Muskelfleischanteils bei der AutoFOM-Klassifizierung. Als habe man hier richtig was zu verbergen, droht jetzt auch die Vion, eine sonst weitgehend übereinstimmend ausgearbeitete Rahmenvereinbarung zur Klassifizierung und Verwiegung von Schlachttieren für Norddeutschland an genau diesem Punkt scheitern zu lassen.

Wir haben ganz aktuell mit unserem ersten Vergleich von Vermarktungswegen bei Schlachtschweinen überaus interessante Ergebnisse erzielt. Während andere noch nach Abrechnungen suchen, haben wir den über 530 teilnehmenden Mästern bereits eine detaillierte und vielschichtige Auswertung zugeschickt. Hier haben wir über 1,1 Millionen Schlachtschweine ausgewertet, die sich auf knapp 130 Schlachtstätten verteilen.

Unsere 30-seitige Auswertung, die wir auch aus juristischen Gründen nur den Teilnehmern zur Verfügung stellen können, zeigt deutliche Unterschiede bei den verschiedenen Vermarktungswegen auf. So gibt es zwischen den verschiedenen Schlachtbetrieben beim Auszahlungspreis Unterschiede von bis zu sechs Cent pro kg Schlachtgewicht, zwei Prozentpunkte bei der Ausschlachtung und drei Prozentpunkte beim Muskelfleischanteil.

Auch ich gebe natürlich regelmäßig meine Schlachtdaten online in unserem www.schweine.net ein und habe dadurch sehr viele geldwerte Schlussfolgerungen für meine Vermarktung gezogen. Von großem Vorteil ist, dass die Auswertung in der Regel spätestens nach drei bis vier Wochen vorliegt. Sie sehe also: Es lohnt sich, hier mitzumachen!

Ihre Schlachtdaten geben Sie hierzu im Mitgliederbereich unseres www.schweine.net ein. Also da, wo Sie auch den Marktbericht finden. Die Dateneingabe ist ein Klacks, eine Kleinigkeit von zwei bis drei Minuten pro Lieferung, da Sie lediglich die Eckdaten Ihrer jeweiligen Schweineabrechnung eingeben müssen. Weitere Einzelheiten können Sie den auf Ihren Tischen ausgelegten Flyern entnehmen.

Auch in Zukunft werden wir hart in unseren Kerngebieten Schweinemarkt und agrarpolitische sowie administrative Rahmenbedingungen für Sie arbeiten. Das können wir aber nur mit Ihrer Hilfe und mit der unserer engagierten Truppe von ehrenamtlichen, aber vor allem hauptamtlichen Mitarbeitern, bewältigen.
Die Mitarbeiter unserer Geschäftsstelle in Damme möchte ich Ihnen an dieser Stelle einmal per Foto vorstellen:

(…)

Abschließend danke ich allen Mitarbeiter der ISN, ISW und ISW-Versicherungsmakler für ihr hohes Engagement und ihre außerordentliche Einsatzbereitschaft.


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