07.03.2008 RSS Feed

ISN-Jubiläum in Münster – Meyer zu Holte: „zwei Euro Erzeugerpreis marktkonform und realistisch“ – Trendwende am Schweinemarkt?

Isn Volles HausSchweinepreismisere und Rahmenbedingungen bestimmen Diskussion – ISN pro Markttransparenz: sechs Preisvergleiche – Viehhandel plus 22% – Versicherungsmakler plus 10% – Uhlenberg: Minister-Appell zur Erzeugerpreisanpassung - Veredlung wichtigster Betriebszweig

(ISN, Damme) Am vergangenen Freitag (07.03.08) feierte die ISN – Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V., Damme ihr 20-jähriges Jubiläum. Über 1.300 Schweinehalter und zahlreiche Ehrengäste waren nach Münster gekommen, um der einundzwanzigsten Mitgliederversammlung mit nachfolgendem Festakt beizuwohnen. Im Anschuss an die Regularien der Mitgliederversammlung, durch die ISN-Vorsitzender Meyer zu Holte souverän führte, hielt Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg eine bemerkenswerte Laudatio, die ihn als langjährigen Begleiter der ISN auswies. Die ISN sei zu einer Institution geworden, die aus dem Schweinemarkt nicht mehr weg zu denken sei. Begeistert zeigten sich die Gäste auch vom abwechslungsreichen kabarettistischen, kulinarischen und musikalischen Rahmenprogramm.

Schweinepreismisere und Rahmenbedingungen

Die Jubiläumsansprache des ISN-Vorsitzenden Franz-Meyer zu Holte stand ganz im Zeichen der Schweinepreismisere und den exorbitant gestiegenen Futterkosten sowie den von außen forcierten Debatten über Tierschutz, Ferkelkastration und Gentechnik.

Angesichts der äußerst angespannten wirtschaftlichen Situation der Schweinehalter erteilte der ISN-Vorsitzende überzogenen Tierschutzstandards, wie z.B. dem neuen deutschen Tierschutz-TÜV oder der Immunokastration mit Blick auf die Erfahrungen aus der Schweiz eine deutliche Absage. Meyer zu Holte forderte die Politik auf, die Rahmenbedingungen der deutschen Schweinehaltung endlich zu verbessern. Hausgemachte Kostensteigerungen durch weit über EU-Recht hinausgehende Vorschriften, so der Vorsitzende, kämen die Schweinehalter in der zurzeit sehr schwierigen Marktlage zusätzlich sehr teuer zu stehen.

Die Ferkelerzeuger in Mitteleuropa haben annähernd zweieinhalb Milliarden Euro Vermögensverluste erlitten, stellte Meyer zu Holte fest. Da im letzten Jahr die Erzeugerpreise um bis zu 20 % niedriger waren als im Vorjahr, müsse sich wohl jemand anderes aus der Wertschöpfungskette eine goldene Nase verdient haben. Denn die Fleischpreise seien im Einzelhandel unverändert geblieben.

Auf Unverständnis stoßen bei der ISN deshalb auch die jüngsten Maskenanpassungen der Westfleisch und von Tönnies, die einen Trend zum schwereren Schwein einläuteten. Und das trotz der enorm gestiegenen Futtermittelkosten. Damit würden, so Meyer zu Holte weiter, völlig falsche Signale gesetzt. Der dringend erforderlichen Entlastung des Ferkelmarktes werde ein Bärendienst erwiesen!

Aufgrund aktueller Aussagen namhafter Schweinefleischverarbeiter sowie führender Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen, sei ein Erzeugerpreis von 2,00 €/kg Schweinefleisch durchaus marktkonform und realistisch. Wenn nicht in Kürze die 2,00 € anvisiert werden, kann das Schweinefleisch noch zur Mangelware werden, stellte Meyer zu Holte fest.

Sorge bereite den Schweinehaltern außerdem die restriktive, europäische Zulassungspolitik von GVO-Futtermitteln bei Mais, Soja oder Corngluten sowie die aktuelle Gentechnik- bzw. Kennzeichnungsdiskussion. Hier rief Meyer zu Holte zu einem sachlich orientierten Gedanken- und Erfahrungsaustausch anstatt einer emotionalen, von NGOs getrieben Debatte auf.

Mit Blick in die Zukunft sagte der ISN-Vorsitzende, dass die Gewährleistung der Markttransparenz für die 11.864 ISN-Mitglieder zukünftig ebenso eine große Verpflichtung sei, wie der immer mehr an Bedeutung gewinnende Kampf für einheitliche Rahmenbedingungen der Schweinehaltung in Europa.

ISW-Viehhandel plus 22% und ISW-Versicherungsmakler plus 10%

Erfreuliches konnte der ISN-Vorsitzende von den prosperierenden ISN-Tochtergesellschaften, der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Wirtschafts GmbH, Damme (ISW) und der ISW-Versicherungsmakler GmbH, Cloppenburg berichten. So habe der ISW-Viehhandel im vergangenen Jahr mit insgesamt 432.000 Ferkeln und Schlachtschweinen eine erneute Umsatzsteigerung von 22% erzielen können und die Versicherungsmakler, die mittlerweile fünfzehn Mitarbeiter beschäftigen, konnten ihr verwaltetes Prämienaufkommen erneut um 10% auf 4,6 Mio. € steigern.

Volles Haus mit über 1.300 Teilnehmern

ISN-Geschäftsführer Detlef Breuer zeigte sich äußerst zufrieden mit der historischen Rekordteilnahme. Dies sei u.a. auch auf die zahlreichen, durch die ISN in jüngster Vergangenheit wahrgenommenen Veranstaltungen direkt bei den Schweinehaltern zurückzuführen. Man habe gerade in schwierigen Zeiten Flagge gezeigt und sei für die Mitglieder als persönlicher Ansprechpartner auch vor Ort greifbar gewesen, so Breuer. Und dass wir auf dem richtigen Weg sind, dies zeigen auch die aus den unterschiedlichsten Regionen kommenden Teilnehmer. Außerdem habe man in den vergangenen Wochen ein starkes Bedürfnis der Schweinehalter zum Austausch untereinander feststellen können, analysierte Breuer die gute Resonanz. Die sorgfältige Vorbereitung unseres ehren- und hauptamtlichen ISN-Planungsteams hat mit diesem Event-Charakter unseres Jubiläums anscheinend voll ins Schwarze getroffen.

ISN pro Markttransparenz: sechs Preisvergleiche, Marktbericht und www.schweine.net

Als wertvolles Handwerkszeug für den unternehmerisch denkenden Schweinehalter verwies der ISN-Geschäftsführer auf die mittlerweile sechs von der ISN durchgeführten Preisvergleiche, den Vergleich von Vermarktungswegen für Schlachtschweine, den Deutschen ISN-Schweinepreis-, den EU-Schweinepreis-, den Ferkelpreis- und den Schlachtsauenpreisvergleich. Und über die internationale Arbeitsgruppe InterPIG analysieren wir außerdem die Produktionskosten für Mastschweine auf europäischer Ebene, erläuterte Breuer weiter. Zusammen mit unserem Klassiker, dem ISN-Marktbericht und dem www.schweine.net gewährleisten wir ein Maximum an Markttransparenz am Schweinemarkt. Von Schweinehaltern – für Schweinehalter.

Uhlenberg: Preise werden steigen, Schwankungen nehmen zu - Veredlung wird profitieren

Minister Eckhard Uhlenberg sprach von einem
Vorzeichenwechsel für die landwirtschaftlichen Märkte. Agrarerzeugnisse wären von Überschussprodukten zu knappen und wertvollen Gütern geworden. Dieser Entwicklung werde sich auch die Schweinehaltung nicht entziehen können, sie werde mittelfristig von der veränderten Marktsituation profitieren. Der Minister zeigte sich überzeugt, dass die Agrarpreise der nächsten Dekade im Durchschnitt deutlich höher liegen werden als in den vergangenen Jahren. Jedoch müssten sich die Schweinehalter auf starke Preisschwankungen einstellen.

Uhlenberg zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Schweinepreise erholen werden, erste vorsichtige Anzeichen seien bereits erkennbar. Doch dürften die Bauern die Augen nicht vor der Realität verschließen. Landwirte müßten sich verstärkt darum kümmern, wie sie Produktions- und Preisrisiken zukünftig besser abfedern könnten. EU-Mittel zur Stärkung von Risiko-Management-Instrumenten einzusetzen, wie es sich z.B. Frankreich oder einige Mittelmeerstaaten im Rahmen des GAP-Gesundheitschecks vorstellten, würde nur neue Bürokratie schaffen!

Minister-Appell zur Erzeugerpreisanpassung - Veredlung
wichtigster Betriebszweig

Die Schweinehaltung hält der Minister für den
wichtigsten Betriebszweig der Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Die Veredlung bildet die wesentliche Grundlage für die Schlacht- und Fleischverarbeitende Industrie in NRW, die mit rund 7,8 Mrd. € Umsatz die stärkste Branche der Ernährungswirtschaft sei.

Es dürfe nicht sein, dass große Teile der heimischen Erzeugung jetzt wegbrechen, richtete Uhlenberg an die fast komplett vertretene deutsche Schlachtbranche:
Ich appelliere deshalb an alle Verantwortlichen in der Fleischbranche, sich mit Nachdruck dafür einzusetzen, dass die Landwirte möglichst schnell wieder vernünftige Preise bekommen, mit denen eine wirtschaftliche Produktion möglich ist, so der Minister. Die Verbraucher seien bereit, an der Ladentheke die entsprechenden Preise zu zahlen, sofern sie den Landwirten wirklich zu Gute kommen.

Bullemänner

Im Anschluß an die Laudatio von Minister Uhlenberg trieben die aus Funk und Fernsehen bekannten Kabarettisten
Die Bullemänner den Anwesenden vor Lachen die Tränen in die Augen. Westfälisches Selbstverständnis in regionaler Mundart wiedergegeben, da konnte sich so mancher wieder erkennen. Doch der nicht so ganz ernst gemeinten Aufforderung der Bullemänner Ab nach Bett, wenn du ein Westfale bist haben die Gäste glücklicherweise widerstanden.

Skydogs

Gestärkt mit allerlei Fingerfood-Variationen vom Schwein wurden dann im Congress-Saal der Halle Münsterland zu den Klängen der Top 40-Band
Skydogs bis in die frühen Morgenstunden noch ordentlich die Haxen geschwungen. Bei Cotton Eye Joe von den Rednex sollen sogar ehemalige ISN-Vorstands- und Beiratsmitglieder auf der Tanzfläche gesichtet worden sein, die es der Jungen ISN einmal so richtig zeigen wollten.

Historie

Die Arbeit der 1988 gegründeten ISN fußt auf drei Säulen, den Schwerpunkten
Markt, Politik und wirtschaftliche Dienstleistungen. Der Bereich Politik hat sich in den letzten Jahren zu einem gleichgewichtigen Schwerpunkt neben dem Markt weiterentwickelt. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Wirtschafts GmbH (ISW), Damme und die ISW - Versicherungsmakler GmbH, Cloppenburg stellen durch ihre wirtschaftlichen Dienstleistungen" auch eine solide Basis für die ideelle Arbeit der ISN dar. Die ISN vertritt die Interessen der marktwirtschaftlich orientierten und spezialisierten Schweinehalter in Deutschland und arbeitet in diesem Sinn für ihre ca. 12.000 Mitglieder, die ca. 70% aller in Deutschland gehaltenen Schweine repräsentieren. Das Ziel der ISN ist es, die Wettbewerbsstellung der Schweinhalter bundesweit nachhaltig zu verbessern. Sie nutzt hierfür ihr Fachwissen im Kontakt zu Marktpartnern, Politikern und Behörden.

Kontakt:
Katja Ahnfeldt
ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V.
Kirchplatz 2
D - 49401 Damme
Tel. 0 54 91 / 96 65 – 11
Fax: 0 54 91 / 96 65 - 19
E-Mail: ahnfeldt@schweine.net

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