ISN-Klönabend in Meppen: Wer zahlt?
Wir haben in der Schweinehaltung in den vergangenen Jahren ein starkes Wachstum hingelegt. Nun stecken wir am Beginn einer Konsolidierungsphase. Das ist kein Grund zur Schwarzmalerei, doch man darf auch nicht die Augen vor den neuen Herausforderungen verschließen!
, so lautete das Eingangsstatement des Geschäftsführers der ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V., Dr. Torsten Staack, beim ISN-Klönabend in Meppen am vergangenen Dienstag. Rund 90 Schweinehalter aus der Region Emsland waren der Einladung gefolgt.
Der Lebensmitteleinzelhandel werbe zwar mit Verantwortung und Nachhaltigkeit, verramsche aber gleichzeitig Fleisch zum Schleuderpreis. Alle reden über Nachhaltigkeit, nur keiner möchte dafür bezahlen. Das passe nicht zusammen und verwehre den Schweinehaltern die Wertschätzung, die sie verdienen, beklagte Staack.
Bröker: Mit Behörden sprechen
Ende 2012 laufen in puncto Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung Übergangsfristen aus. Das bedeutet für die Schweinehalter neue Investitionen und steigende Kosten. Eingangs stellte Thomas Bröker, ISN-Beiratsmitglied und Sauenhalter aus Stavern vor, wie er sich auf das kommende Jahr vorbereitet. Der Umbau des Wartestalles für die Gruppenhaltung sei fast abgeschlossen und aktuell werde ein neuer Abferkelstall errichtet. Da eine Vergrößerung des Betriebes an dem Standort eher schwierig ist, setzt Thomas Bröker auf die Optimierung der vorhandenen Ställe und Kostenoptimierung der Produktion. Er appellierte an die Zuhörer, sich in jedem Falle an die zuständigen Behörden zu wenden, Gespräche im Vorfeld geben Orientierung und vermeiden spätere Konflikte, so Thomas Bröker.
Konzept für den Schweinestall 2030
vorgestellt
Anschließend stellten Daniel Holling und Karl-Heinz Wöste vom Unternehmen Big Dutchman ihre Sicht auf die Dinge vor: Trotz der steigenden Anforderungen ab Januar 2013 sehen die Stalleinrichter eine gute Chance für die Landwirtschaft. Allerdings werde die Zahl der Sauenhalter deutlich sinken, so ihre Einschätzung. 70% der Betriebe in Deutschland haben bereits umgestellt. Von den übrigen 30% unter denen sich vor allem die kleineren Betriebe befinden, werden die Sauenhaltung aufgeben
, berichtete Karl-Heinz Wöste aus seinen Erfahrungen.
Sein Kollege Daniel Holling blickte in die Zukunft und stellte ein Konzept für den Schweinestall 2030
vor. Dieses Konzept, das Big Dutchman auch auf der Eurotier präsentieren wird, kommt ohne Stroh und mit konventioneller Bodengestaltung aus.
Quaing: Enge Margen
Dass angesichts steigender Schweinepreise keine Goldgräberstimmung unter den Schweinehaltern aufkomme, liege auch an den enorm gestiegen Futterkosten, erklärte anschließend ISN-Marktreferent Matthias Quaing. Die Margen sind unterm Strich zu eng
, so Quaing. Der Marktexperte ging in seinem Vortrag auf weitere Auflagen ein, die in Zukunft auf die Schweinehalter zukommen. Etwa der Verzicht auf die Ferkelkastration und der mögliche Einstieg in die Ebermast, die deutliche Auswirkungen auf die Struktur der Wertschöpfungskette haben werden: Nicht nur die Landwirtschaft betrifft das: Verlierer werden insbesondere die kleinen Schlachtbetriebe und Metzger sein, die die zukünftigen Vorgaben nicht umsetzen können
, warnte der ISN-Experte.
Uhlen: Wir bedienen eine Marktnische
Eine deutlich stärkere Konzentration auf wenige Schlachtunternehmen befürchten auch Michael Uhlen und Manfred Steen vom Schlachthof Uhlen im emsländischen Lengerich. Insbesondere Schlachtunternehmen ohne eigene Verarbeitung werden es in Zukunft sehr schwer haben, prognostizierten die beiden. Der Schlachthof Uhlen habe sich auf die Sauenschlachtung konzentriert und besetze damit eine Nische. Zahlreiche Wursthersteller zählen zu ihren Kunden. Ihren Vorteil sehen die beiden in der Frische und der Regionalität ihrer Produkte, die von den Großen der Branche nicht erreicht werden kann. Diese beiden Aspekte seien für die Wurstherstellung zunehmend wichtiger.
Wir brauchen eben auch den Mittelstand
, resümierte abschließend Moderator Dr. Torsten Staack. Zwar seien große leistungsfähige Unternehmen in der Schlachtbranche notwendig, um beispielsweise Drittlandsmärkte zu erschließen und damit die Wertschöpfung rund ums Schwein zu erhöhen. Allerdings kommen wir auch nicht ohne den Mittelstand, ohne kleine, regionale Schlachter aus, die spezielle Märkte bedienen. Die Mischung macht`s
, so Staack.















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