ISN-Klönabend in Dülmen: Zwischen Maskenball und Hauspreisen
Mehr als 120 Schweinehalter folgten der ISN-Einladung zum Klönabend am vergangenen Donnerstag in Dülmen und diskutierten zu den Themen Maskenänderungen und Tierschutzauflagen: Was ist machbar?
. Der Gesprächsbedarf zu diesen Themen war groß.
Man hätte über vieles reden können. Genügend Themen brennen den Schweinehaltern auf der Seele. So leitete Staack den Abend ein und berichtet von dem Spagat den die Schweinehalter zu bestehen haben: Bei höchsten Auflagen zu niedrigsten Preisen produzieren.
Den Auftakt machte Prof. Dr. Friedhelm Jaeger, Leiter des Referates Tiergesundheit, Tierkörperbeseitigung und Tierseuchenbekämpfung beim Landesministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV).
Er berichtete aus Sicht des Landes NRW von den Vorstellungen zum Tierschutz in der Schweinehaltung .
Schwerpunkt war das Thema Schwänze kupieren. Unter anderem stellte er dazu die Ergebnisse einer Fragebogenaktion des MKUNLV zu diesem Thema vor. Demnach überwiegen mittelschwere und schwere Verletzungen durch Schwanzbeißer. Jaeger sieht den Grund dafür beim unzureichenden Beschäftigungsmaterial. In den Ställen befänden sich kaum zerstörbare oder fressbare Beschäftigungsmaterialien. Strukturmaterial, wie Apfelbaumzweige seien laut Jaeger das beschäftigungsintensive Kaugummi danach
. Weitere Schlüsselfaktoren seien die Vermeidung von Zugluft und das zeitnahe Identifizieren von aggressiven Tieren.
Jaeger sieht Schwanzbeißen als mulitfaktorielles Geschehen, wobei sich die Auslöser für das Auftreten von Beißern verdichten. Die Ursachenforschung soll nun in Feldversuchen vorangetrieben werden. Die praxisnahe Umsetzung steht für Jaeger dabei im Vordergrund. Die ISN-Vertreter betonten während der anschließenden Diskussion, dass sie sich mit dem nötigen praktischen Hintergrund an den Diskussionen beteiligen und für eine praktikable Umsetzung einsetzen.
ISN-Vorstandsmitglied Christian Schulze Bremer zeigte auf, was die Teilnahme an einem Tierschutzlabel in der Erzeugung kosten würde. Er orientierte sich dabei an den Auflagen, die in diesen Sommer von der Universität Göttingen vorgestellt wurden. Den Vortrag sowie den ISN-Mitgliederundbrief Spezial zum Thema Tierschutz können Sie im Mitgliederbereich herunterladen.
ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack fand ein anschauliches Beispiel für die Geschwindigkeit, mit der die Tierschutzdiskussion die Tierhalter derzeit mit voller Wucht trifft. Angesichts der breit und auf allen Ebenen geführten Diskussion sprach er von einem rollenden Zug, der von allen Seiten angeschoben wird und den die Schweinehalter allein kaum anhalten könnten. Für die ISN heißt das ganz klar, sich an all den Stellen aktiv mit einzubringen, um den Zug soweit wie möglich aus Praktikersicht steuern bzw. abzubremsen zu können. Würde die grüne Seite es nicht tun, würde die deutsche Schweineproduktion den Anschluss verlieren und der Zug würde ohne Sie abfahren.
Als Praktiker sprach auch ISN-Vorstandsmitglied Philipp Schulze Esking zu den anwesenden Schweinehaltern. Er gab einen Überblick zu dem nicht enden wollenden Maskenball. Wie Recht er behalten sollte, zeigte sich gleich am Folgetag. Tönnies veränderte erneut seine Maske. Danish Crown und Vogler übernahmen die AutoFOM-Abrechnungsmaske von Tönnies.
Sofort entbrannte eine heiße Diskussion. Den anwesenden Westfleisch-Vertretern Einkaufsleiter Josef Beuck und dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Peter Piekenbrock, wurde die Möglichkeit gegeben ihre Meinung zu äußern.
Ob die Westfleisch die Forderung der ISN erfüllen wird, den MFA auf allen Abrechnungen auszuweisen, hielt Beuck offen.
Piekenbrock versprach auf dem Klönabend jedoch, dass auch der 2-Cent-Abzug für die 41. Kalenderwoche den Lieferanten zurückgezahlt wird. Der rückwirkende Einzug für die 40. Kalenderwoche war nach heftigen Protesten der Mitglieder schon zuvor zurückgezogen worden.
Die ISN freut sich über die große Resonanz auf den Klönabend und die interessanten Diskussionen. Weitere Klönabende sind in Planung. Im www.schweine.net finden Sie in Kürze weitere Informationen.
Die Vorträge von Christian Schulze Bremer und Philipp Schulze Esking finden Sie im Mitgliederbereich des www.schweine.net.
















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