ISN beim NRW-Tierseuchensymposium: Schweinepest und MRSA – Chinesischer Markt für Schweinefleisch
Experten beraten auf Symposium über Tierseuchen – hat EU bei Schweinepestbekämpfung nichts dazu gelernt? Impfstrategie braucht noch Jahre! – MRSA ohne Gefahr – Chinesischer Fleischmarkt hofft auf deutsches Schweinefleisch - Minister Uhlenberg eröffnet Expertenkonferenz

Podium des Tierseuchensymposium
Umweltminister Eckhard Uhlenberg hat am gestrigen Dienstag das nordrhein-westfälische Tierseuchensymposium 2009 eröffnet.
An der Veranstaltung nahmen auch Vertreter der ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. teil: ISN-Vorstandsmitglied August Rietfort und ISN-Geschäftsführer Detlef Breuer.
Auf Einladung des Umweltministeriums haben internationale Wissenschaftler in Duisburg zum zweiten Mal über aktuelle Herausforderungen an die Tierseuchenbekämpfung gesprochen, die unter anderem durch die Globalisierung und den Klimawandel entstehen. Ein aktueller Fall war zum Beispiel die Gefahr durch Influenza-Viren wie das als „Schweinegrippe“ bekannt gewordene H1N1-Virus. „Wir müssen schnell wirksame Strategien gegen neue oder neu aufflammende Seuchen bereit haben“, sagte Minister Uhlenberg. „Dafür liefert dieses internationale Symposium viele Anregungen durch Austausch von Wissen.“
Die Vorträge beschäftigten sich sowohl mit den Bedrohungen durch Virusinfektionen als auch mit der Gefahr, die von bakteriellen Erregern ausgehen. Das Spektrum reicht von H1N1, über Blauzungenkrankheit, Schweinepest und Geflügelgrippe bis zu antibiotika-resistenten Keimen. Nach den Beiträgen wurde in einer Podiumsdiskussion mit Vertretern aus der Veterinärverwaltung, der Wissenschaft und der Wirtschaft die zukünftige Ausrichtung der Tierseuchenbekämpfung erörtert. Zwei wichtige Aspekte standen dabei im Vordergrund: Erstens die Wirtschaftlichkeit von Strategien zur Gesunderhaltung von Nutztieren in der Landwirtschaft und zweitens die Tatsache, dass Seuchenprävention bei Tieren auch die Menschen vor der Übertragung von Krankheiten schützen kann.

Dr. Klaus Depner
Dr. Klaus Depner von der Europäischen Komission in Brüssel sprach zum Thema: "Schweinepest-Bekämpfungsstrategien aus europäischer Sicht." In einem freien Markt müsse man diejenigen schützen, die die Seuche nicht haben. Dafür müssen Maßnahmen getroffen werden. Die Seuche solle nicht expandieren, forderte der Experte. Das Thema Wildschweinepest bezeichnete er als "heiß diskutiertes Thema" und verwies darauf, dass die Regionalisierungsentscheidung letztes Jahr überarbeitet wurde. Er forderte die Einhaltung der Vorschriften für Hausschweine. Neu ist, dass nun Prozesse für den Ausbruchsfall festgelegt werden. Künftig entscheidet ausschließlich die EU über den Zeitpunkt der Einrichtung und Aufhebung von Sperr- und Überwachungszonen. Das heißt es wird zukünftig keine 24-Stunden Frist mehr geben und die Aufhebung der Zonen kann ohne weiteres 6 Wochen länger dauern!
Aus dem Vortrag von Dr. Klaus Depner ergab sich intensive Diskussion, u.a. zu einer möglichen Impfstrategie. „Impfung ist“, laut Dr. Depner, „wieder salonfähig“. Auch gegen Schweinepest, da mittlerweile über Diagnostik die Unschädlichkeit nachgewiesen werden kann. Bis dies auf EU-Ebene umgesetzt werden kann, werden allerdings noch Jahre vergehen, so der Experte.

Dr. Bernd-Alois Tenhagen
Dr. Bernd-Alois Tenhagen, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin, sprach in seinem Vortrag zur Risikoabschätzung von MRSA. In den letzten Jahren wurde bei Nutztieren vermehrt MRSA nachgewiesen. Von allen Nutztieren ist das Schwein bisher am umfassendsten untersucht.
Beim Schwein können MRSA auf allen Stufen der Produktionskette, von der Nukleusherde bis zum Fleisch im Einzelhandel, nachgewiesen werden. Die Schweine erkranken in der Regel nicht an dem Erreger. Dies erklärt auch, warum die Gegenwart des Erregers in den Schweinebeständen, die retrospektiv bis 2004 zurückverfolgt werden kann, lange unentdeckt blieb. MRSA ist gering pathogen, eine Meldepflicht wäre schwierig, sehr teuer und zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sinnvoll, betonte Dr. Tenhagen.
Mittlerweile gibt es auch Nachweise von MRSA ST398 bei Mastkälbern, Milchrindern und beim Geflügel (Masthähnchen und Puten), wobei die letztgenannten das Hauptproblem darstellen. Bei den anderen Tierarten sind Erkrankungsfälle Ausnahmen. Die besondere Problematik dieses beim Nutztier etablierten Stammes von MRSA liegt in seiner zoonotischen Komponente. Er kann neben den Nutztierspezies auch Menschen kolonisieren. Betroffen sind insbesondere Personen mit einer beruflichen Exposition zu Nutztieren, d.h. Landwirte, Tierärzte und Schlachthofpersonal. Der Erreger kann weltweit auftreten, erklärte Dr. Tenhagen.

v.l.: Prof. Dr. Wang Wei, Prof. Dr. Heiner David
Anschliessend sprach Prof. Wang Wei von der Universität Chengdu in China über "Fleischerzeugung und Verarbeitung in China - Sicherheitsstandards und Entwicklungstrends".
Prof. Wei berichtete, dass auf dem chinesischen Fleischmarkt bisher nur die USA, Dänemark und die Niederlande vertreten seien, Deutschland jedoch nicht. Bisher hat Deutschland nur die Technik für die Schlachtunternehmen geliefert. Dies jedoch mit Erfolg, denn 60-80 % der Maschinen bzw. Technologie sind deutscher Herkunft. Die deutschen Lieferanten seien gut für China, um den erwähnten drei Exporteuren eine Konkurrenz zu bieten, so Prof. Wei weiter. Bisher trete die deutsche Fleischwirtschaft nur einzeln und punktuell auf.
Der chinesische Fleischmarkt verzeichnet ein jährliches Wachstum von 10% (Deutschland zum Vergleich: 4 %). Die Produktionsmenge von Fleisch erreichte im Jahr 2008 schon 72,8 Millionen Tonnen und rangiert damit an erster Stelle in der Welt, das sind Pro-Kopf etwa 54,8 kg. In China gibt es 3096 Unternehmen der Schlacht- und Fleischverarbeitungsbranche, ihr Umsatz erreicht inzwischen 424,23 Milliarden Yuan. Seit 2005 liegt deren jährliches Wachstum bei mehr als 15 %. 15,1 % des insgesamt produzierten Fleisches werden weiter verarbeitet.
Mit der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas hat sich die Sicherheit des Fleisches zunehmend verbessert. Dennoch gibt es noch Probleme bezüglich der Sicherheit von Fleischprodukten. So treten beispielsweise große epidemische Situationen von Zeit zur Zeit auf, es kommt fehlerhafter oder missbräuchlicher Verwendung von Zusatzstoffen, übermäßigen Rückständen von Tierarzneimitteln und Schädlingsbekämpfungsmitteln in den Produkte.

Dr. Thomas Vahlenkamp
Dr. Dr. Thomas Vahlenkamp vom Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit des Friedrich-Loeffler-Institutes (FLI) auf der Insel Riems sprach über "Virusinfektionen auf dem Weg nach Europa - Perspektiven der Bekämpfung".
Unter anderem berichtete Dr. Vahlenkamp über die "Afrikanische Schweinepest". Empfängliche Wirte des ASFV sind Hausschweine (Europa und Asien), Wildschweine (Europa und Afrika) sowie Warzenschweine (Afrika) sowie Lederzecken der Gattung Ornithodorus. Afrikanische sind in der Regel subklinisch infiziert, geben das Virus aber an Zecken und empfängliche Hausschweine weiter, erklärte Dr. Vahlenkamp.
Die Virulenz der Erreger sei äußerst variabel. Gering virulente Erregern gehen mit subklinischen Infektionen einher, hoch virulente Erreger verursachen Infektionen mit bis zu 100%iger Mortalität. Bei milden Verlaufsformen erholen sich die Tiere innerhalb von 14 Tagen.
Neben der Verbreitung durch Zecken kann eine Verschleppung der Infektion durch Verfütterung infektiöser Abfälle und durch kontaminierte Kleidung, Geräte, Fahrzeuge etc. erfolgen, warnte Dr. Vahlenkamp. Da kein Impfstoff zur Verfügung steht, kann in nicht betroffenen Ländern die Infektion nur durch eine strikte Importregelung von Tieren und tierischen Produkten für Schutz sorgen. Dies muss ebenfalls strenge Kontrollen von Abfällen aus Schiffen und Flugzeugen und deren Kontamination einschließen. In betroffenen Ländern müssen strikte seuchenhygienische Maßnahmen zur Vermeidung des Eintrags der Infektion in Hausschweinebestände ergriffen werden.
Die Bedeutung „exotischer“ Tierseuchen hat dagegen in den vergangenen Jahren zugenommen. Neben den Tierseuchen im engeren Sinn, ist bei den Infektionen, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden, eine enge Zusammenarbeit zwischen Human- und Veterinärmedizin notwendig. Nur mit dem notwendigen Bewusstsein ist ein frühzeitiges Erkennen der Infektionen zu erwarten. Hier sind die praktischen Ärzte, Tierärzte und die Landwirte in besonderer Verantwortung.










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