ISN bei ZDS-MItgliederversammlung: Deutsches Schweinefleisch braucht einen Mehrwert
Der ZDS (Zentralverband der deutschen Schweineproduktion e.V.) hatte die Mitgliedsorganisationen in der vergangenen Woche zur Mitgliederversammlung nach Lübeck eingeladen. ZDS-Vorsitzender Helmut Ehlen und ZDS-Geschäftsführer Dr. Jens Ingwersen informierten die Anwesenden über die vielfältigen Tätigkeitsgebiete des ZDS in den letzten 12 Monaten.
Dazu zählten u.a. die Bereiche Ferkelkastration, Schwanzkupieren, Gruppenhaltung, Tiertransporte, Tierschutz-Label, Neue Grippe, Biogas, Exporte, Schweinepest, Klassifizierung, Nachhaltigkeit, ...
Die ISN wurde in Lübeck vertreten durch den Vorsitzenden Heinrich Dierkes, Vorstandsmitglied Franz Schulze Tenkhoff und ISN-Mitarbeiter Ulrich Pohlschneider.

Referenten der ZDS-Fachtagung
Am Mittwochvormittag wurde das Programm mit einer Fachtagung zum Thema "Deutsche Schweinefleischproduktion: Eine Waschstumsbranche im Zentrum Europas" fortgesetzt.
Neben dem Nährwert brauche deutsches Schweinefleisch einen Mehrwert. Das erklärte der Präsident des Landesbauernverbandes (LBV) Schleswig Holstein, Werner Schwarz. Von einem Lebensmittel werde heute mehr erwartet als ein Sättigungsgefühl im Magen. Deutsches Schweinefleisch sei ein modernes Lebensmittel. „Aber wenn wir wollen, dass es als modern wahrgenommen wird, dann müssen wir etwas dafür tun“, appellierte Schwarz. Er forderte dazu auf, sich in der Vermarktung ebenso wie in der Produktion am Grenznutzen zu orientieren. Am Beispiel des CO2-Fußabdrucks von Schweinefleisch erläuterte Schwarz, man solle den Kunden nicht „mit ernster Miene darüber aufklären, warum ein CO2- Fußabdruck unerheblich, unsinnig und viel zu unerforscht“ sei. Man sollte dem Verbraucher vielmehr bieten, was er verlange, solange die Mehrkosten nicht den Mehrerlös auffräßen. Auch wenn man hier in gewissem Maße dem Zeitgeist folge und fachliche Belange nicht zum Tragen kämen, sei dies eine Chance, hohe Pioniergewinne einzustreichen. „Und täuschen wir uns nicht, irgendjemand wird es machen“, so der LBV-Präsident. Er machte aber auch deutlich, dass er den CO2-Fußabdruck nicht fordere. Gleichzeitig ermunterte er dazu, Premiumprodukte anzubieten.

ZDS-Vorsitzender Helmut Ehlen
Rolf Michelberger von der Ulmer Fleisch GmbH erläuterte in Lübeck die Strategie der Müller-Gruppe, mit einem regionalen Profil Wachstum zu erzeugen. Die Müller-Gruppe schlachtet an drei Standorten in Bayern mehr als 300 000 Rinder und über 1 Million Schweine pro Jahr, mit steigender Tendenz. Michelberger betonte den Wert einer definierten, nahen Rohstoffbasis zur Kapazitätsauslastung. Es gehe um kurze und damit kostengünstige Wege sowie um die strategische Sicherung der Wertschöpfungskette Schwein. Neben einer Stärkung der Eigenmarke schaffe der definierte Rohstoff verbunden mit der Werbeaussage „Regionalität“ ein Alleinstellungsmerkmal für die Unternehmensgruppe. Allerdings berge diese Bindung an den regionalen Rohstoff auch Gefahren, so Michelberger. Die Möglichkeit, auf einen kostengünstigeren Rohstoff zurückzugreifen, sei damit nicht vorhanden. Ein derartiger Strategiewechsel würde nämlich einen erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust nach sich ziehen.

Teilnehmer der ZDS-Mitgliederversammlung
Die hohe Bedeutung effizienter Produktion hob der Chefredakteur des Landwirtschaftlichen Bauernblattes Westfalen-Lippe, Karl-Heinz Tölle, hervor. Es seien jedoch nicht die biologischen Leistungen allein, sondern „hohe Leistungen bei geringen Kosten“, die den Betriebserfolg definierten. Tölle unterschied zwischen der Ferkelerzeugung, in der die biologische Leistung im Vordergrund stehe, während in der Mast primär die Kosten sowie der Ver- und Einkaufszeitpunkt über den Erfolg entschieden. Zunehmende Bedeutung erwartet Tölle für den Umwelt- und Tierschutz in der Schweinehaltung. Er forderte hier „gleiches Recht für alle“, machte aber auch darauf aufmerksam, dass Dänemark und die Niederlande mit teilweise höheren Auflagen zu kämpfen hätten. Tölle mahnte in Richtung Politik, jede derartige Auflage verschärfe den Strukturwandel. Auch die Vermarktung als Bestimmungsfaktor erwähnte er. Die großen Schlachthofstrukturen in Deutschland seien noch ein Vorteil, da es immer noch ausreichend Wettbewerb gebe. Nicht zuletzt sei der Kunde ein wichtiger Faktor des Erfolgs. Mit Blick auf die konkrete Praxis betonte Schweinehalter Eiken Struve aus dem schleswig-holsteinischen Angeln die Bedeutung, auch künftig ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Zudem werde der Zugang zu Land ein Problem, gerade in Bezug auf die Entwicklung beim Biogas. Scharf kritisierte er den steuerlichen Vieheinheitenschlüssel. Dieser müsse umgehend angepasst werden