28.05.2010 RSS Feed

ISN bei „TOPIGS-SNW“ - Vermarktertag: weltweiter Schweinefleischverbrauch wird steigen

Teilnehmer des Vermarktertages

Teilnehmer des Vermarktertages

Wildeshausen/Münster: Über 150 Gäste konnten die Geschäftsführer der TOPIGS-SNW GmbH, Eduard Eissing und Bernd Pestka, am vergangenen Dienstag und Mittwoch (18. / 19.Mai 2010) bei den ersten Vermarktertagen der TOPIGS-SNW GmbH in Wildeshausen und Münster begrüßen.

Herr Eissing und Herr Pestka erläuterten in ihren jeweiligen Einführungen das TOPIGS Zuchtziel auf Ferkelvitalität und Mütterlichkeit. Die neuesten Ergebnisse von 951 Sauenplanerauswertungen in den Niederlanden belegen sehr eindrucksvoll, das trotz der  deutlich gestiegenen Zahlen von lebend geborenen Ferkel die Saugferkelverluste bei konstant 12,1 % stehen geblieben sind. Europas führendes Zuchtunternehmen setzt in seinen Zuchtzielen sehr stark auf das „easy handling“ der Sauen. Nur so lassen sich höhere Leistungen bei niedrigeren Kosten realisieren.

 

SNW Pietrain-Select - der neue TOPIGS Endstufeneber

 

Dr. Franz-Josef Stork, TOPIGS-SNW, erläuterte die Vorteile des neuen gemeinsamen Pietrainzuchtprogramms. Ein Vergleich der Populationen von TOPIGS und SNW zeigte, dass Beide auf gleichen hervorragendem Niveau lagen. Durch die Zusammenarbeit in der Pietrainzucht wird eine weitere genetische Verbesserung von Tageszunahmen, Futterverwertung und der fleischreichen Teilstücke erreicht. Des Weiteren werden die Kriterien Vitalität und Mortalität züchterisch bearbeitet. Dies wird durch gezielte Anpaarungen in den Pietrain-Nukleusbetrieben und sehr umfangreichen Datenerhebungen in den Zucht- und Testbetrieben erreicht. Bereits kurz nach der Selektion der Eber stehen mehr als 500 Einzeldaten zu jedem Eber zur Verfügung und erhöhen die Sicherheit der Zuchtwertschätzung von 40 % auf 70 %. Für eine Tube SNW Pietrain-Select Sperma wird eine Zuchtliznez von 0,40 € je Tube erhoben und schlägt bei der Ferkelproduktion mit 0,2 % der Kosten zu Buche. Dem gegenüber stehen erwartete Leistungssteigerungen bis 2014: Tageszunahmen + 20 gr; Mastdauer – 2,7 Tage; Futterverwertung – 0,09 %; FOM MFA% + 1,1%.

 


Andreas Stärk

Andreas Stärk

Chris Opschoor, TOPIGS S&D, wies in seinen Ausführungen über neue Erkenntnisse zur Fütterung der TOPIGS Mastschweine hin. Das hohe Wachstumspotential der TOPIGS Mastschweine verlangt eine höhere Versorgung mit Aminosäuren. Nur bei einer dem Tierbedarf in den jeweiligen Wachstumsphasen angepassten Versorgung kann das hohe genetische Potential ausgeschöpft werden.

Geschlechtliche Einflüsse sind hierbei genauso zu berücksichtigen wie Einflüsse verschiedener Endprodukteber. Beispiele aus der Praxis rundeten den Vortrag ab.

 

ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes und ISW Geschäftsführer Andreas Stärk referierten über das Tagungsthema „Schweineproduktion 2010 – Wo stehen wir? Wo geht es hin?!“.

Die Zahl der Schweineschlachtungen in Deutschland ist in den letzten Jahren rasant angestiegen und wird auch in Zukunft weiter ansteigen. Dies ist einhergegangen mit einer Abnahme der schweinehaltenden Betriebe und einer Verschiebung vom Süden Deutschlands in den Norden der Republik. In Nordwestdeutschland besteht ein Bedarf von ca. 10 Mio. Ferkeln, der überwiegend von niederländischen und dänischen Importen gedeckt wird. Dabei entwickelt sich Süddeutschland langsam aber sicher von einem Ferkelüberschuss zu einem Ferkelzuschussgebiet. Der weltweite Schweinefleischverbrauch wird weiter ansteigen, so beide Redner in Ihren Ausführungen. Dieser Mehrverbrauch wird durch eine entsprechende Mehrproduktion auch gedeckt werden. Hieraus ergeben sich hervorragende Chancen für Schweinefleisch exportierende Nationen wie Deutschland. Dies erfordert u.a. hohe Qualitätsstandards, „offene Grenzen“ sowie eine schlagkräftige Schlachthofstruktur.

Danach lässt sich die zu erwartende Mehrproduktion in Deutschland gut im Weltmarkt unterbringen.

Hans-Jörg Eynck

Hans-Jörg Eynck

Dies bestätigten auch die beiden nachfolgenden Redner. Dr. Heinz Schweer von der VION (Tagung in Wildeshausen) und Herr Hans-Jörg Eynck von Tönnies (Tagung in Münster) führten in ihren Ausführungen unisono aus, dass deutsches Schweinefleisch weltweit stark gefragt ist. Deutschland hat eine schlagkräftige Schlachthofstruktur und das zum Vorteil der Landwirte. In Deutschland konnten in den letzten Jahren die Preise auf höchstem Niveau in Europa gehalten werden. Dr. Schweer erläuterte, dass wie beim Wachstum der Schweineproduktion auch eine Ausdehnung bei den Schweineschlachtungen in West- und Ostdeutschland stattfindet. Hier schneidet der Süden Deutschlands schlechter ab. Dabei ist das Erschließen von neuen Märkten sehr wichtig. VION und Tönnies sichern sich den Zugang in wichtigen Märkten durch eigene Verkaufsbüros vor Ort.

Neue Märkte wollen und müssen erobert werden. Dies hat Konsequenzen für die Produktion: Nur frische und qualitativ hochwertige Ausgangsprodukte, Geschmack, Aussehen und Verpackung, eine lückenlose Dokumentation aller Produktionsprozesse und nicht zuletzt neue Innovationen bei den Produkten eröffnen neue Märkte, so Hans-Jörg Eynck.

Gesellschaftspolitische Themen werden an Bedeutung gewinnen. Nachhaltigkeit, Tierschutz und Verbraucherschutz stehen dabei im Fokus des Interesses. VION ist auf Dauer für die Einstellung der Kastration, so Dr. Schweer. „Wir unterstützen alle Initiativen, um Tiere vor unnötigen Leiden und Schmerzen zu bewahren“. Beide Unternehmen schlachten bereits in nennenswerten Umfang Eber und wollen diesen Bereich weiter ausbauen.

Dr. Schweer und Herr Eynck sehen Deutschlands Schweineproduktion und die deutsche Schlachthofstruktur gut gerüstet, um die genannten Herausforderungen des Marktes erfolgreich zu bewältigen. Gefragt ist hierbei langfristiges nachhaltiges Denken und Handeln statt kurzfristiger Aktionismus!

 

„Der Export sichert nicht nur die Existenz der deutschen Fleischwirtschaft – er ist auch der Motor für künftiges Wachstum“ so Steffen Reiter, Geschäftsführer der German Meat auf der Veranstaltung in Wildeshausen. Auch er sieht gute Chancen für die exportabhängige deutsche Fleischwirtschaft. Die Weltbevölkerung wächst jedes Jahr um ca. 80 Mio. Menschen, diese wollen ernährt werden. Die Weltbevölkerung und damit der Verbrauch bei Schweinefleisch sind aber nicht gleichverteilt. Nach Prognosen der FAO/OECD und der USDA wird bis 2016 bzw. 2017 vor allem in Russland, Mexiko und in Asien der Importbedarf an Schweinefleisch zunehmen. Daneben gibt es weitere Länder weltweit, die ihren eigenen Schweinefleischverbrauch nicht selber produzieren können. Diese Märkte gilt es zu gewinnen. Dabei will German Meat die deutschen Unternehmen unterstützen, wie Herr Reiter weiter erläuterte. In den Bereichen Marktöffnung und Vertriebsunterstützung,  Marketing und Beschaffung von Marktinformationen will German Meat unterstützend tätig werden. Hierzu finden umfangreiche Aktivitäten u.a. im Bereich Messen und PR statt. German Meat ist in die German Export Association for Food and Agri Products (GEFA) eingebunden.

 

Alfons Kleizen von der VION FOOD Group in den Niederlanden erläuterte in Münster die Exportchancen für niederländische Ferkel nach Deutschland. Die Zahl der Exportferkel aus den Niederlanden hat Jahr für Jahr zugenommen. Herr Kleizen geht von weiteren Steigerungen in den Folgejahren aus. Dabei ist eine Verschiebung von Spanien nach Deutschland festzustellen. Von ehemals mehr als 1 Mio. Ferkel, die nach Spanien exportiert wurden, sind nur noch 180.000 geblieben. Die Zahl der aus den Niederlanden exportierten Ferkel lag in 2009 ca. bei 6 Mio. Davon alleine mehr als 3 Mio. nach Deutschland. Dies ist eine Zunahme um ca. 50 % in 5 Jahren.

Herr Kleizen sieht hier weiteres Potential. Voraussetzungen sind große Zuchtbetriebe, die gesunde Ferkel bekannter Genetik produzieren. Dabei versucht VION feste Bindungen zwischen niederländischen Ferkelerzeuger und deutschem Mäster aufzubauen.

 



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