Interpig: Kostendeckung nur in den Niederlanden besser als in Deutschland
Interpig 2009: Kostendeckung nur in den Niederlanden besser als in Deutschland
Die Expertengruppe InterPIG, in der Deutschland durch das Institut für Betriebswirtschaft des Johann-Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) und die ISN vertreten ist, verfügt inzwischen über eine mehrjährige Datensammlung zur Kalkulation von Kosten und Leistungen der Schweinefleischproduktion im internationalen Vergleich. Durch die Auswertung mehrerer Jahre ist sie in der Lage, die Entwicklung über einen längeren Zeitraum darzustellen und unabhängig von vorübergehenden Einflüssen zu untersuchen.
Die Arbeitsgruppe berechnet die Kosten für die Schweineproduktion insgesamt sowie speziell für die Ferkelerzeugung und die Schweinemast. Hier werden allein die Resultate der Schweinemast erörtert.Kosten der Schweinemast 2005 bis 2009
Die Berechnungen der InterPIG weisen für die Schweinemast in der Periode von 2005 bis 2009 die Niederlande und Dänemark mit 1,38 € bis 1,39 € pro kg Schlachtgewicht als Kostenführer in Europa aus. In Frankreich und Belgien liegen die Kosten mit 1,42 € auch nicht viel höher. Deutschland rangiert mit 1,44 € im Mittelfeld vor Irland, Spanien, Schweden, Österreich und Großbritannien, dort belaufen sich die Kosten auf 1,46 € bis 1,59 €. Mehr als 1,70 € sind in Italien zu verzeichnen. Die Ergebnisse Italiens sind allerdings nicht einfach mit denen der anderen Länder zu vergleichen, weil es sich dabei um die Mast extra schwerer Schweine für die Erzeugung von Spezialschinken und Wurst handelt.
Während die dänischen Mäster sich durch niedrige Futter- und Gebäudekosten auszeichnen, liegt der Kostenvorteil der niederländischen vor allem bei der Verfügbarkeit preiswerter Ferkel. Auch Belgien weist unterdurchschnittliche Ferkelkosten pro kg Schlachtgewicht auf. In Dänemark und Großbritannien erscheint dieser Vorteil trotz kostengünstiger Ferkelerzeugung nicht so offenkundig, weil die Mastschweine dort mit einem Endgewicht von 102 bis 108 kg eher zur Schlachtung kommen, so dass die Kosten des Ferkels sich auf ein geringeres Schlachtgewicht verteilen. Auch die irischen Betriebe liegen mit einem Mastendgewicht von 101 kg unter dem europäischen Durchschnitt. Dies trägt dazu bei, dass in Irland die Ferkelkosten mehr als die Hälfte der gesamten Produktionskosten pro kg Schlachtgewicht ausmachen.
In Deutschland schlagen die Ferkelkosten pro kg Schlachtgewicht trotz teurer Ferkelproduktion weniger zu Buche als in Frankreich, Großbritannien oder Irland. Dies liegt nicht allein an dem höheren Schlachtgewicht, sondern auch an dem starken Wettbewerb auf dem Ferkelmarkt durch Importe aus Dänemark und den Niederlanden. Der Preisdruck ermöglicht es den deutschen Mästern, Ferkel zu einem Preis zu beziehen, der deutlich unter dem nach der Vollkostenrechnung der InterPIG kalkulierten Wert liegt.
In Deutschland profitieren mehr Schweinehalter als in Dänemark und den Niederlanden von einer preiswerten Futterversorgung durch Verwendung betriebseigenen Getreides. Dennoch liegen die Futterkosten je kg Schlachtgewicht höher als in Dänemark, Schweden, Großbritannien, Irland und Frankreich, weil die Futterverwertung bei der Produktion der am Markt gewünschten schwereren Schweine geringer ist. Die deutschen Schweine schneiden beim Vergleich der Futterverwertung jedoch gut ab, wenn man von einheitlichen Bedingungen ausgeht. Berechnungen der InterPIG zur Verwertung bei einheitlichem Anfangsgewicht (30 kg) und einheitlichem Endgewicht (120 kg) zeigen (s. Tabelle), dass Deutschland in der Futterverwertung unter gleichen Voraussetzungen nach den Niederlanden, Österreich und Dänemark rangiert.
Kostendeckung nur in den Niederlanden besser als in Deutschland
Für die Rentabilität der Schweineproduktion sind neben den Kosten auch die Erzeugerpreise maßgebend. Das Diagramm veranschaulicht, dass im Durchschnitt der Jahre 2005 bis 2009 in keinem Land die gesamten Produktionskosten durch den erzielten Erzeugerkreis kompensiert worden sind. Deutschland erreicht jedoch nach den Niederlanden den höchsten Grad der Kostendeckung. Die Kostendeckung wird von der InterPIG noch unterschätzt, da ihre Kalkulationen von Preisen ohne Mehrwertsteuer ausgehen. Die Mehrheit der Betriebe in Deutschland kalkuliert mit Mehrwertsteuer und nutzt die Möglichkeit der Pauschalierung. Danach fällt der Saldo von Erlösen und Kosten je kg Schlachtgewicht um zwei bis drei Cent größer aus als nach den Berechnungen der InterPIG.
Fazit
Die Ergebnisse InterPIG weisen für die Kosten der Schweinemast in Deutschland während der zurückliegenden Jahre höhere Beträge aus als in Dänemark, den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Dank höherer Erzeugerpreise ist das Preis-Kosten-Verhältnis für die deutschen Mäster jedoch günstiger als für die Mäster in den meisten Nachbarländern. Lediglich die niederländischen Betriebe schneiden hier besser ab. Die Kostendeckung fällt noch günstiger aus als nach den Berechnungen der InterPIG, wenn berücksichtigt wird, dass die Mehrheit der deutschen Betriebe bei der Verrechnung der Mehrwertsteuer Vorteile der Pauschalisierung nutzt.
Gerhard Haxsen, Johann Heinrich von Thünen-Institut













Bild der Woche...