Die Herdbuchzucht rückt in Deutschland zusammen – ein Meilenstein ist gesetzt: Der Schweinezuchtverband Baden-Württemberg e.V. (SZV, Stuttgart), die Niedersächsische Erzeugergemeinschaft für Zuchtschweine eG (NEZ, Oldenburg), der Landesverband Rheinischer Schweinezüchter (LRS, Meckenheim) und die Schweineherdbuchzucht Schleswig-Holstein e.V. (SHZ, Neumünster) werden zukünftig eng zusammenarbeiten und entscheidende Teile ihrer bisherigen Zuchtarbeit gemeinsam durchführen. Zu diesem Verbund zählt auch die in Westfalen ansässige Herrensteiner Agrargesellschaft (HAG, Drensteinfurt), die seit 2006 Mitglied im Stuttgarter Schweinezuchtverband ist. Erklärtes Ziel aller Beteiligten ist es, die Zuchtschweinepopulationen zusammen zu führen, die züchterische Effizienz mit standardisierter Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung deutlich zu erhöhen sowie ein gemeinsames Zuchtprogramm auf den Weg zu bringen.
In einem ersten Schritt werden die Mutterrassen mit rund 13.000 eingetragenen Stammsauen (Landrasse, Edelschwein, Large White) über eine einheitliche Zuchtwertschätzung verknüpft. Das teilten die beteiligten Zuchtverbände heute in einer Pressemeldung mit. Die Pietrainpopulationen mit mehr als 2.000 Stammsauen sollen folgen. Zugleich werden die technischen Voraussetzungen, wie Zuchtbuchführung und Sauenplanereinsatz über die Regionen hinweg so weit als möglich standardisiert.
6-Punkte-Aktions-Programm
Die neue Zusammenarbeit erfordert einen klaren Blick für das Wesentlicheso Hans-Benno Wichert, Präsident des Baden-Württemberger Schweinezuchtverbandes.
Überzeugend war in den Gesprächen, so Wichert weiter,
dass alle Beteiligten die Vorteile und Perspektiven einer solchen Kooperation uneingeschränkt sehen und bereit sind, auch gewohnte einzelverbandliche Besonderheiten im Zweifel hinten anzustellen und dem gemeinsamen Ziel unterzuordnen!
Die Eckdaten der Kooperation sind in folgendem 6-Punkte-Aktions-Programm festgelegt:
- Unter Leitung von Dr. Meike Wiese und mit wissenschaftlicher Unterstützung der Universität Bonn, Institut für Tierwissenschaften, sowie den Vertretern der beteiligten Organisationen werden bis Ende 2007 die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für eine gemeinsame Zuchtwertschätzung und Zuchtbuchführung erarbeitet.
- Ab 2008 erfolgt die gemeinsame BLUP-Zuchtwertschätzung. Die Zuchtbuchführung und der Sauenplanereinsatz werden so weit als möglich standardisiert.
- Die Leistungsprüfung und die damit verbundene Merkmalserfassung wird über die Regionen hinweg vereinheitlicht.
- Die Zuchtverbände bringen ein gemeinsames Zuchtprogramm für Mutter- und Vaterrassen auf den Weg und führen die Zuchtschweinepopulationen zusammen.
- Marketing-, PR- sowie Vertriebsmaßnahmen werden aufeinander abgestimmt; dazu gehört ab 2008 u.a. die gemeinsame Präsenz auf der EuroTier und die Durchführung einer gemeinsamen, überregionalen Eliteauktion für Eber.
- Sondierungsgespräche mit weiteren Herdbuchzuchtverbänden können nach Umsetzung obiger Maßnahmen aufgenommen werden.
Dieser Schritt sichert Wachstum und Kundenzufriedenheit
Um im Zuchtschweinemarkt auch weiterhin eine bedeutsame Rolle inne zu haben, ist die erfolgreiche Realisierung des Zuchtfortschritts die wichtigste Voraussetzung. Dabei hat die Populationsgröße einen hohen Stellenwert. Insbesondere im Austausch und in der Zusammenführung der Genetik zwischen den bisher getrennt geführten Populationen mit unterschiedlichen BLUP-Zuchtwertberechnungen liegt großes züchterisches Potenzial. Dies gilt bei den Sauen besonders für Merkmale mit geringer Heritabilität, wie z.B. Fruchtbarkeit und Vitalität.
Im Vertrieb bietet sich die Chance, Kundenwünschen nach Neuaufbauten bzw. Aufstockungen oder bezüglich besonderer Hygiene und Gesundheit noch besser als bisher entsprechen zu können. Von der Zusammenführung versprechen sich die Verantwortlichen darüber hinaus eine Komplettierung des Dienstleistungsangebotes für Mitglieder und Kunden und neue Impulse für die Erschließung der Märkte. Die Beteiligten erwarten von dem Konzept nicht nur deutliche Steigerungen in den biolo-gischen Leistungen, sondern auch in der Arbeitseffizienz ihrer Organisationen. Des Weiteren soll in Zukunft auch in Vertrieb und Marketing enger zusammengearbeitet werden. Die bisher gewohnte Transportlogistik und die Vertriebswege sollen dabei erhalten bleiben, um gewachsene, bewährte Strukturen weiterhin zu nutzen.
Ausblick
Die Organisationen setzen auf moderne Zucht- und Kundenbetriebe und bieten leistungsfähige Genetik sowie eine Zuchtwertschätzung nach modernen wissenschaftlichen Methoden mit hoher und objektiver Prüfintensität. Vor diesem Hintergrund ist die organisatorische Straffung der Zuchtarbeit ein notwendiger Schritt nach vorn. Überdies stimmen die Beteiligten darin überein, dass sich das Vermarktungsvolumen der beteiligten Herdbuchzuchtverbände insbesondere dann steigern lassen wird, wenn die Kosten für die Erzeugung der Zuchtprodukte im Rahmen gehalten werden können.
Im Bild: (v.l.) A. Weber (SZV), C. Rohwer (SHZ), J. Sauter (SZV), Dr. J. Bielfeldt (SHZ), H.-B. Wichert (SZV), R. Specht (NEZ), Dr. H. Neufeldt (NEZ), E. v. Holtum (LRS), H. Budde (HAG) sowie H. Eping (LRS)










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