Manchmal geschehen doch Zeichen und Wunder: Noch im April hatte die alte und neue Bundeslandwirtschaftsministerin, Ilse Aigner, den Anbau der Maissorte MON810 verboten. Sie habe berechtigten Grund zu der Annahme, dass der genveränderte Mais der Sorte MON 810 eine Gefahr für die Umwelt darstelle. Ihre Entscheidung sei keine politische, betonte sie damals, sondern eine rein fachliche. Und noch viel weniger sei es deshalb eine Grundsatzentscheidung zum künftigen Umgang der „Grünen Gentechnik“.
Vielleicht war da ja was dran, denn anstatt sich zu enthalten, hat die Ministerin im EU-Agrarrat in Brüssel im November erstmals für die Zulassung eines gentechnisch veränderten Organismus (GVO) zum Import als Futter- und Lebensmittel gestimmt. Dabei ging es um den GV-Mais MIR604, der ähnlich wie MON88017 in jüngster Vergangenheit für marginale Verunreinigungen in Sojaimporten aus Übersee sorgte. Dies führte dazu, dass entsprechende Lieferungen von den zuständigen Behörden blockiert wurden. Ihren Umschwung begründete die Politikerin mit den in den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und FDP getroffenen Vereinbarungen. Schnell schob sie nach, dass es sich nicht um eine Anbaufreigabe handle und verwies auf das positive Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).
Ist diese Haltung womöglich der Vorbote eines langsam beginnenden, europäischen Umdenkungsprozesses? Auf einer internationalen Konferenz Ende November in Den Haag, zum Thema „GMO`s in European Agriculture and Food Production“ sprach ein Vertreter der Europäischen Komission und Mitglied aus dem Kabinett Fischer-Boel ebenfalls davon, dass man schnell eine für die Wirtschaft praktikable Lösung in der Frage der Null-Toleranz finden müsse. Es könne nicht sein, dass man die europäische Tierhaltung kaputt mache.
Aus der Schweiz ist zu hören, dass sich die Bevölkerung zwar mehrheitlich weiterhin gegen die „grüne Gentechnik“ ausspricht. Dennoch sei die Akzeptanz in den vergangenen neun Jahren gestiegen und immerhin ein Viertel der Schweizer würden laut Umfrage gentechnisch veränderte (GV-)Lebensmittel kaufen und essen.
Und schließlich scheint sich womöglich sogar bei den NGO´s etwas zu regen. So wurde der neue südafrikanische Greenpeace-Chef, Kumi Naidoo, mit den Worten zitiert: "Ich will alle unsere wissenschaftlichen Positionen noch einmal untersuchen lassen", was sogar die Gentechnik mit einschließt. Man kann nur mutmaßen, dass er im Anschluss an diese Aussage erstmal ein Medientraining verordnet bekommen hat.
Man darf sich dennoch fragen, woher der Sinneswandel kommt, womöglich liegt es im Falle von Ministerin Aigner daran, dass sie sich mit dem neuen Koalitionsvertrag endlich aus den Klauen Ihres Vorgängers, Herrn Seehofer, befreit hat. Herr Kumi hingegen wurde vielleicht auf die Möglichkeit aufmerksam, mit Hilfe von gentechnisch verändertem, hochdosiertem, Vitamin-A-Reis gegen die Erblindung von Kindern anzukämpfen.
Wie auch immer, die Schweinehalter können diese Tendenzen nur begrüßen. Schließlich sind im vergangenen Jahr die Sojapreise massiv gestiegen und nach wie vor schwebt wie ein Damoklesschwert das zähe Zulassungsprozedere von GVO-Futtermitteln aus Übersee und die Null-Toleranz nicht zugelassener Sorten über uns. Wohin dies führen kann, zeigen mehrere Fälle aus dem vergangenen Sommer als Schiffsladungen in denen marginale Spuren von nicht zugelassenen GVO-Mais gefunden wurden, von den Behörden in Spanien abgewiesen wurden und niemals europäisches Festland erreichten. Das darf nicht sein! Denn wenn wir nicht endlich eine Lösung für dieses Problem finden, droht der Veredlung ein dramatischer Rückgang von bis zu 35 Prozent, wie eine Studie der EU prognostiziert. Das kann und darf nicht im Sinne der Verbraucher sein.
Und deshalb Frau Aigner: Weiter so!