16.05.2012RSS Feed

Gruppenhaltung von Sauen: der Countdown läuft!

Philipp Lütjens hält seine Sauen in Gruppen

Ab dem 01.01.2013 müssen Sauen und Jungsauen ab fünfter Woche nach Besamung in Laufbuchten gehalten werden. Die Zeit läuft also, und der Umsetzungsstand wird nicht nur in Deutschland sondern in der gesamten EU diskutiert.

 

Aus einer aktuellen Studie der britischen Vereinigung für Landwirtschaft und Gartenbau (AHDB), die im Landwirtschaftlichen Wochenbaltt Westfalen-Lippe veröffentlicht wurde, geht hervor, dass bislang nur Großbritannien und Schweden zu 100 % umgestellt haben. Danach folgen Tschechien (94 %) sowie Polen und Dänemark mit jeweils 75 %. In Deutschland haben danach zurzeit rund 70 % aller Ferkelerzeuger umgestellt. Den größten Nachholbedarf haben Italien (35-40 %), Belgien (36 %) und Irland (40 %), gefolgt von Frankreich, Spanien und den Niederlanden mit jeweils 50 % bereits auf die Gruppenhaltung umgerüsteten Ställen. EU-Gesundheitskommissar Dalli kündigte vorsichtshalber schon mal an, dass Länder, die zum Jahreswechsel noch mit Einzelbuchthaltung arbeiten, umgehend mit Vertragsverletzungsverfahren belegt werden. Gleichzeitig stellte Dalli klar, dass Fleisch, das auf diese Weise produziert wird, ab 2013 als illegal betrachtet wird und somit nicht in den Verkehr gebracht werden dürfe.


In der letzten Zeit erreichen die ISN-Geschäftsstelle viele Anrufe mit der Frage, ob wohl noch mit einem Aufschub der Umstellungsfristen zu rechnen sei. Um es nochmal zu betonen: nein. Bereits jetzt - und damit viel früher als beim Verbot konventioneller Käfige bei Legehennen - hat die EU-Kommission angedroht, bei nicht rechtzeitiger Umstellung auf die Gruppenhaltung trächtiger Sauen Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten. Dies sehen sich die Kontrollbehörden zum Teil jetzt  schon an. Ab dem 01.01.2013 müssen Sie deshalb verstärkt mit Kontrollen rechnen.

 

Stichwort Rechtssicherheit: Kontakt suchen lohnt sich!

Sie sind nicht sicher, welche Anforderungen eingehalten werden müssen? Beraten Sie sich mit Berufskollegen und nehmen Sie auf jeden Fall Kontakt  zu Ihrem Kreisveterinär auf, und beraten Sie sich mit ihm! Rückversicherung lohnt sich! Frühzeites Nachfragen ist in diesem Fall die richtige Strategie.

Denn ein Verstoß gegen die neuen Haltungsvorschriften kann schwerwiegende Folgen für den Betrieb haben:
-Veterinäramt: Ordnungswidrigkeitsverfahren bis zum Produktionsstopp
-QS: KO-Kriterium, Verlust der Lieferfähigkeit in das QS-System
-CrossCompliance: relevant, Kürzungen der Direktzahlungen

In einigen Landkreisen haben die Schweinehalter bereits ausführliche Schreiben mit Merkblättern von ihren Kreisveterinären erhalten. Die ISN weiß von verschiedenen Landkreisen in NRW und Niedersachsen, die damit beginnen, Betriebe, die bereits umgebaut haben, unter die Lupe zu nehmen.


Friedrich Ahlers

Friedrich Ahlers

ISN-Beiratsmitglied Friedrich Ahlers bestätigt: Wink mit dem Zaunpfahl

 

Bereits Ende März/Anfang April habe ich Schreiben von meinen zuständigen Veterinärämtern erhalten. Ich habe die versendeten Merkblätter mit Hinweis auf die Umstellungsfrist zur Gruppenhaltung von tragenden Sauen als Wink mit dem Zaunpfahl verstanden. Wir betreiben unsere Jungsauenaufzucht in einem Stall im Kreis Vechta und wurden nun vom dortigen Veterinäramt telefonisch zum Stand der Umstellung befragt. In unserer Jungsauenaufzucht habe ich keine Probleme bei der Umsetzung der neuen Haltungsvorschriften. Auf die Frage, ob man die Ställe dann schon vor dem 01.01.2013 abnehmen könne, antwortete ich daher, das sei kein Problem. Für unseren Hauptbetrieb im Landkreis Oldenburg spiele ich gerade verschiedene Umbaumöglichkeiten durch und hole Angebote ein. Anfang Juni wollen wir mit den Umbauten beginnen, um noch termingerecht die Arbeiten abschließen zu können.

 


Gruppenhaltung bedeutet auch mehr Kontrolle

Gruppenhaltung bedeutet auch mehr Kontrolle

Kinderkrankheiten überstanden meint Junge ISN-Mitglied Philipp Lütjens


Wir halten seit 2005 unsere Sauen in Großgruppen mit Abruffütterung und sind sehr zufrieden. Man darf die höheren Anforderungen an  Management und Arbeitswirtschaft jedoch nicht unterschätzen. Der Anfang war nicht leicht. Die Spalten im neu gebauten Stall waren zunächst scharfkantig, wodurch wir verstärkt Probleme mit Rissen in den Klauen hatten. Durch die Zufütterung von Biotin (Klauenhärte) haben wir das Problem langfristig jedoch relativ gut in den Griff bekommen. Fundamentprobleme bleiben jedoch nicht aus - ausreichend freie Plätze für lahme oder nicht gruppentaugliche Tiere müssen vorgehalten werden.

Mit unserer Genetik haben wir bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht. Unsere Sauen sind ruhig und gruppentauglich. Von Berufskollegen mit anderen Genetiken habe ich gehört, dass es nicht mit allen Genetiken so reibungslos funktioniert. Wir legen besonderen Wert auf unser  Eingliederungsmanagement. Die Sauen sind in verschiedenen Altersgruppen aufgestallt. Die Jungsauen werden in eine extra Gruppe gestallt. Gegen die Altsauen hätten sie keine Chance. Bereits in der Quarantäne haben wir eine Anlernstation installiert. Dabei handelt es sich um einen  Futterautomaten der ständig Futter bereit hält. So fällt der Übergang leichter. Ein ruhiger Umgang mit den Tieren ist Grundvorraussetzung und für das Funktionieren der Großgruppenhaltung unverzichtbar!!


ISN-Klönabend am 06.06. 2012 greift Gruppenhaltung auf

 

Gruppenhaltung, Spaltenböden, Beschäftigungsmaterial… Die Auslegung der Tierschutz-Nutztierhaltungs-VO ab 2013 bereitet offensichtlich  noch vielen Schweinehaltern Kopfzerbrechen. Folgerichtig konzentriert sich der Klönabend auf die Themen:

 

Tierschutz-Nutztierhaltungs-VO – Erfahrungsbericht aus der amtlichen Überwachungstätigkeit -Impulsreferat von Dr. Marlies Bölling, Veterinäramt Kreis Paderborn und Dr. Martina Poppe, Veterinäramt Kreis Soest

 

Steigende Anforderungen an meine Schweinehaltung – So gehe ich damit um! Impulsreferat von Markus Münstermann, Sauenhalter und ISN-Beiratsmitglied aus Bad Wünnenberg

 

2013 + … Was kommt nach Gruppenhaltung und Spaltenböden? Impulsreferat von Prof. Dr. Martin Ziron, Dozent für Landwirtschaftliche Tierhaltung und Nutztierethologie - Schwerpunkt Schweineproduktion an der FH Soest

 

Jeweils im Anschluss an die Impulsreferate wollen wir mit Ihnen die verschiedenen Meinungen zu diesen und anderen Themenbereichen austauschen. Zu jedem Referat werden wir auch die Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Schweinehaltung mit Ihnen diskutieren.

Kommen Sie dahin, informieren Sie sich und dieskutieren Sie mit uns!


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