19.12.2008 RSS Feed

"Giftmischer" – Kommentar von Heiko Hornung, stellvertretender Chefredakteur "Wild und Hund"

Heiko Hornung, stellvertretender Chefredakteur Wild und Hund

Das folgende Editorial erschien in der Jagdzeitschrift Wild und Hund 23/2008 vom 04.12.2008. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Herrn Hornung. Im Editorial wird unter anderem auch auf den ISN 10-Punkte-Plan zur Schwarzwildbejagung eingegangen.

 

Mehrere Reviere hatten sich zusammengetan. Als das große Treiben begann, rückten die Sauen zunächst nicht und wehrten sich in den Brombeeren tapfer gegen Hunde und Treiber – ein ritterliches, uriges Wild. Als sie schließlich von den Hunden verfolgt durch einen Graben auf mich zukamen, blieben zwei Sauen im Feuer. Am Abend lag eine große Strecke im Schein der Feuer, mit einem guten Schussverhältnis erlegt. Alles in allem effektives und sauberes jagdliches Handwerk, ehrlich und ohne Vernichtungsgedanken.

 

Es ist daher erschreckend zu sehen, wie die Interessenverbände der Bauern angesichts der zur Zeit hohen Schwarzwildbestände die Nerven verlieren und zum Bekämpfungsfeldzug aufrufen. Und es ist noch viel erschreckender, dass Jagdverbände sich nicht dagegen positionieren. Die Politik reagiert bereits mit blindem Aktionismus. Was derzeit dazu in Deutschland und vor allem in Nordrhein-Westfalen geboten wird, ist grotesk. Die Bauern, und allen voran die Schweinehalter, fordern Zwangsbejagung, Antibabypille, Nachtzielgeräte, Saufänge und viele andere Vertilgungsmittel. Und weil das nicht genug ist, empfiehlt eine Beratungsfirma im Auftrag des Freistaates Bayern, jetzt auch noch Gift einzusetzen.

 

Die Politik handelt in der Gestalt von NRW-Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg (CDU), der sogar selbst zur Jägerzunft gehört. Er verfügt, dass Frischlinge bis 15 Kilogramm aufgebrochen mit der .22 Hornet erlegt werden dürfen.

 

Eine weitere großartige Idee ist, dass Frischlinge mit Kastenfallen gefangen werden dürfen. Was verspricht sich Uhlenberg davon? Werden deshalb mehr Sauen erlegt, oder sollen die Schweißhunde mehr Arbeit bekommen? Was damit legalisiert wird, hat mit waid- und tierschutzgerechter Jagd nichts mehr zu tun. Es trägt den Geist der Bauernforderungen, und der heißt Schädlingsbekämpfung. Der Landesjagdverband NRW mit seinem Präsidenten und Ex-Agrarminister Jochen Borchert macht dieses Spiel mit und findet an dem Erlass nichts Schlimmes, während er bisher seinen Jägern nicht einmal zutraute, Überläufer richtig anzusprechen.

 

Was muss eigentlich noch alles aus diesem widerlichen Giftschrank ausgepackt werden, bis die Verbandsspitze einmal ganz deutlich Stopp sagt? Wir Jäger sind keine Schädlingsbekämpfer, sondern Anwälte des Wildes. Jawohl, wir müssen scharf jagen, viel schärfer als das manch einer derzeit tut. Auch das ist Teil unserer Jägerehre, einen der Kulturlandschaft gesunden und angepassten Wildbestand zu erhalten. Das sind wir der Gesellschaft, den Bauern und auch unserem Selbstverständnis schuldig. Wenn wir diese Ehre aber vor der Politik und dem Druck der Bauernlobby aufgeben und wider besseren Wissens handeln, sind wir es nicht wert, dass wir uns Waidmänner nennen. Dann sind wir Schinder, Schießer und Kammerjäger ohne Anstand.

 

Es ist Zeit, den Giftmischern in Landwirtschaft und Politik zu erklären, dass wir bei aller Hysterie das Wild anständig behandeln werden. Was wir mit Giftgas und Tollwut-Schluckimpfung erreicht haben, ist hoffentlich noch jedem im Gedächtnis.

 

Heiko Hornung ist stellvertretender Chefredakteur der Wild und Hund und Jahrgang 1968. Der gebürtige Franke wuchs in einer Jägerfamilie auf, studierte Marketing-Kommunikation in Kassel, Germanistik, Journalistik und Politik in Bamberg. Journalistisch arbeitete er in den vergangenen Jahren für verschiedene private Rundfunksender, Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation beim Bayerischen Rundfunk in Nürnberg, seit 2001 Redakteur für Jagdpolitik, Aktuelles und Jagdrecht bei Wild und Hund. Er führt eine Brandlbracke namens Asti.



Die Internetseite der "Wild und Hund".

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