Aus dem Markt ist zu hören, dass sich ein Erzeugerpreis für Gerste deutlich unter Vorjahresniveau bildet. Wenn sich dieses niedrige Preisniveau in nächster Zeit bestätigen sollte, kann trotz gestiegener Soja- und Mineralstoffkosten von einer dringend erforderlichen Entlastung bei den Futtermittelkosten ausgegangen werden.
Die Gerstenpreisgestaltung ist regional äußerst heterogen. In den Ackerbauregionen Niedersachsens wird von Handel und Genossenschaften aktuell ein Preis von ca. 9,00 €/dt Gerste frei Lager (Vorjahr 16,50 €/dt) chanciert. Dieser Preis liegt somit gut 40 % unter dem Vorjahresniveau. In marktferneren, süddeutschen Regionen werden 8,50 €/dt aufs Landlager und 9,50 €/dt an Kanalstandorte genannt.
Unter Berücksichtigung der Handelsspanne, Durchladung und Ablauffracht entspricht dies in etwa dem gegenwärtig in den Veredlungshochburgen genannten Preis. In den Veredlungsregionen Nordrhein-Westfalens und Weser-Ems wird die Gerste zurzeit mit 11,25 – 11,50 €/dt frei Annahmestelle (Vorjahr € 18,00) bezahlt, das sind ca. 36 – 38 % weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Bei der Preisbildung in den Schweinehochburgen ist i.d.R. ein Erzeugerbonus von 0,25 - 0,50 €/dt bei gleichzeitiger Futterrücknahme enthalten.
Damit zeichnet sich zu Erntebeginn eine Preisbildung auf einem deutlich niedrigeren Niveau als im Vorjahr ab. Handel und Genossenschaften haben sich im letzten Jahr nach den enormen Preissprüngen des Vorvorjahres, wo die Gerste binnen vier Wochen bis zu 70 % teurer wurde, mit ihren z.T. sehr hohen Einstandspreisen verkalkuliert. In diesem Jahr ist nicht ausgeschlossen, dass die Gerste bei diesem niedrigen Einstandspreis noch ein wenig fester tendieren kann. Ein früher Futtermittelkontrakt könnte sich in diesem Jahr durchaus lohnen.
Auf jeden Fall stehen die aktuellen Mischfutterpreise in einem krassen Missverhältnis zu den neuen Getreidepreisen. Die Mischfutterpreise müssen runter! Es ist dringend erforderlich, dass die Schweinemäster jetzt auch auf Kostenseite entlastet werden. Wenn eine Senkung der Getreidepreise erfolgt, muss diese auch weiter gegeben werden. Es kann nicht sein, dass die Ackerbauern deutlich weniger für ihr Getreide bekommen und die Mischfutterpreise weiterhin so hoch bleiben!
Schließlich gab auch kürzlich der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V. in einem „Erntepressegespräch“ bekannt: “Aufgrund der vorliegenden Fundamentaldaten der Versorgungslage weltweit muss die Landwirtschaft davon ausgehen, dass der physische Markt keine Preissprünge nach oben zulässt.“
Na bitte. In der momentanen Situation machen die Schweinemäster einen Erlös von 142,88 € pro Schwein, dem stehen aber Kosten in Höhe von 145,80 € gegenüber. Das heißt, dass die Schweinehalter aktuell 3 EUR Verlust an jedem verkauften Schwein machen! Bevor der Basispreis nicht wieder deutlich die Marke von mindestens 1,64 €/kg SG erreicht, läuft es für die Schweinehalter so nicht rund. Umso wichtiger, dass die Entlastungen beim Mischfutter endlich weiter gereicht werden.
Fakt ist: „Nur der getroffene Hund jault!“
Im Bild: Markus Jeiler, ISN-Beiratsmitglied und Mitglied des ISN-Marktausschusses, sowie Sauenhalter und Schweinemäster aus Dülmen