"Getreide- und Futtermittelpreise explodieren - Schweinehaltern drohen herbe Verluste" – Kommentar von Alf Asmussen, ISN-Beiratsmitglied
In einigen Regionen Deutschlands hat die Gerstenernte bereits begonnen. Zugleich ziehen die Getreidepreise bundesweit unerwartet stark an. So belaufen sich die Angebote für Gerste in den verschiedenen Regionen Deutschlands inzwischen auf über 15,00 Euro pro Dezitonne, in Brandenburg sogar auf bis zu 17,00 Euro. Die Getreidepreise werden somit in Kürze um rund 50 bis 60 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen. Ob damit das Ende der Fahnenstange erreicht ist, dazu wage ich keine Prognose. Hintergrund dieser enormen Preissteigerungen ist einerseits die zunehmende Weltbevölkerung und die Tatsache, dass der Getreideverbrauch seit Jahren weltweit die erzeugte Menge übersteigt. Die Lagerbestände werden mehr und mehr abgebaut. Andererseits wirkt die weltweit boomende Bioenergiebranche als großer Getreidenachfrager Preis treibend. Verstärkt wird diese Entwicklung zusätzlich dadurch, dass wir aufgrund der langen Trockenheit im April auf leichten Standorten mit Mindererträgen um rund die Hälfte rechnen.
Fluch und Segen liegen hier nahe beieinander: So können sich die Getreidebauern freuen, aber wir Schweinehalter müssen die Zeche zahlen! Denn die Futterkosten, die innerhalb der letzten Monate bereits deutlich angezogen sind, werden angesichts eines Getreideanteils im Mischfutter von rund 65 Prozent voraussichtlich nochmals kräftig steigen. Auch mit Neukontrakten werden wir das Problem nicht umgehen können, denn diese werden auf jeden Fall schwer kalkulierbar und ebenfalls deutlich teurer als im Vorjahr sein. Und das angesichts der Tatsache, dass sowohl die Ferkelerzeuger als auch die Mäster im laufenden Jahr nur
roteZahlen geschrieben haben – Tendenz: negativ.
Die steigenden Futterpreise schlagen in der Schweinehaltung voll durch, weil der Anteil der Futterkosten bei den Ferkelerzeugern bekanntermaßen rund 40 Prozent der Gesamtkosten ausmacht, bei den Mästern über 50 Prozent. Je mehr ein Schweinehalter unterm Strich an Mischfutter zukauft und je weniger Getreide er verkauft, umso stärker wird er von den explodierenden Futterkosten betroffen sein.
Im Detail sieht die Rechnung beispielsweise für die Schweinemast überschlägig folgendermaßen aus: Wir Mäster haben im Juni 2007 Ferkel für 44,50 Euro pro Tier gekauft und eingestallt. Für das Futter werden wir pro Mastschwein insgesamt 10,00 bis 15,00 Euro mehr als noch vor einem Jahr aufbringen müssen. Denn damals lagen die Futterkosten bei etwa 45,00 Euro; künftig müssen wir mit 55,00 bis 60,00 Euro rechnen. Die ausgemästeten Schweine können wir im Oktober aus heutiger Sicht nur mit einem enormen Verlust verkaufen. Denn angesichts eines Schweinepreises von 1,25 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht, den die Warenterminbörse in Hannover (RMX) für Oktober notiert, ergibt sich unter Vollkostenbetrachtung ein Verlust von sage und schreibe etwa 25,00 bis 30,00 Euro pro Mastschwein. Das sind umgerechnet auf einen Zug mit 180 Schweinen zwischen 4.500 und 5.400 Euro. Na dann, gute Nacht Marie!
Der einzige Ausweg aus dieser Misere sind höhere Schweinepreise, die der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) entsprechend an die Verbraucher weitergeben muss. Hier ziert sich der LEH erfahrungsgemäß und drückt lieber massiv die Einkaufspreise. Falls die Schweinepreise mittelfristig nicht steigen sollten, wird es wie zuletzt im Jahr 2003 sowohl bei den Schweinemästern als auch bei den Ferkelerzeugern wieder zu einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb mit erheblichem Strukturwandel kommen. Und zwar solange, bis die Schweinebestände wieder deutlich abgebaut sind. Da die Futtermittelpreise mindestens EU-weit auf etwa einem Niveau liegen, werden die Schweinepreise über kurz oder lang jedoch steigen müssen. Der Weg bis dahin ist steinig, und sicher werden sich einige Schweinehalter dabei noch eine blutige Nase holen. Daher raten wir allen Schweinehaltern dringend, die Wirtschaftlichkeit ihrer Schweinehaltung angesichts der geänderten Rahmenbedingungen noch einmal gründlich zu überprüfen und zu optimieren.
Im Bild: Alf Asmussen, Schweinehalter und ISN-Beiratsmitglied aus Niesgrau in Schleswig-Holstein










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