14.09.2012RSS Feed

Fokus Schwein: Positiver Trend für deutsche Schweinefleischerzeugung

Die Referenten und Moderatoren der Veranstaltung

Die Referenten und Moderatoren der Veranstaltung

Bei der von der BRÖRING Unternehmensgruppe, Dinklage und Boehringer Ingelheim Vetmedica bereits zum sechsten Mal durchgeführten Vortragsveranstaltung Fokus Schwein Münsterland konnten die Veranstalter über 500 Teilnehmer in Nordwalde begrüßen. Die Referenten gaben einen aktuellen Überblick über die Themen, die deutsche Schweinehalter derzeit bewegen.

 

Dass sich die Futtermittelpreise für Mais und Soja weiterhin auf einem hohen Niveau bewegen werden, davon ist Rob Hansen, Europa-Chef des weltweit agierenden US-Handelsunternehmens Cargill überzeugt. Trotz der Erwartung einer hohen Sojaernte im nächsten Jahr ist nicht mit einer Entspannung zu rechnen. Allein China hat aufgrund der weiteren Ausweitung der chinesischen Schweinehaltung in den letzten fünf Jahren die Sojaimporte auf 59,5 Mio. to verdoppelt und damit einen Anteil von 64 % des weltweiten Sojaimports erreicht. Diese Entwicklung wird weitergehen, so Hansen. Selbst wenn China im kommenden Jahr zwei bis drei Mio. Tonnen seiner strategischen Sojareserve der eigenen Landwirtschaft zur Verfügung stellen würde, so verursache dies nur einen vorübergehenden, kurzfristigen Preiseffekt. Laut Hansen beobachte Cargill zurzeit auch, dass Finanzinvestoren die Rohstoffmärkte wieder für sich entdecken würden. Auch das spreche mittelfristig für weiter feste Preise


Weiter Schweineställe bauen

Nach Ansicht von Clemens Tönnies vom gleichnamigen Unternehmen Tönnies Lebensmittel aus Rheda-Wiedenbrück ist eine Überarbeitung der Haltungsbedingungen erforderlich, um der Politik zuvor zu kommen. In Abstimmung mit den Vorständen aller wichtigen Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels arbeiten wir zurzeit an einem Bonus-Punkte-System, dass dem Landwirt einen Mehrertrag für seinen erhöhten Aufwand bieten wird. In dieses Konzept, dessen Details wir zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen, ist als Koordinierungsstelle auch die QS Qualität und Sicherheit GmbH in Bonn eingebunden, berichtete Tönnies. Wichtig sei es, insgesamt eine Branchenlösung anzustreben. Mittelfristig sieht der Unternehmer das Preisniveau nicht unter Gestehungskosten. Deshalb forderte Tönnies die Landwirte ausdrücklich auf: Bauen Sie Schweineställe! Der Weltmarkt biete noch eine Menge Potential, so dass der Selbstversorgungsgrad ohne Weiteres von 110 auf 150 Prozent gesteigert werden könne.

 

Weniger Antibiotika, mehr Impfungen

Über die aktuell auf Bundesebene geführte Antibiotika-Diskussion sowie über den Stand der QS-Antibiotika-Datenbank berichtete Dr. Rainer Schneichel, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes Praktischer Tierärzte. Der praktische Tierarzt aus Mayen/Rheinland-Pfalz sprach sich für eine qualitative anstatt prozentuale Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes aus. Die EMEA-Studie englischer Forscher aus Oxford hat ergeben, dass der Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung in den Niederlanden und Frankreich ca. doppelt so hoch ist wie in Deutschland. Auch das tierärztliche Dispensierrecht hat sich bewährt. Die derzeit von der Politik diskutierte Abschaffung würde nicht zu einer Verbesserung des Tierschutzes sondern nur zu einer Verteuerung führen, was wiederum zu Lasten der Tiergesundheit gehen könnte, so der Tierarzt. Ein Problem, das es auf europäischer Ebene zu lösen gelte, sei die unterschiedliche Zulassung von Medikamenten in den einzelnen EU-Mitgliedsländern. Während z.B. in Luxemburg alles zugelassen sei, sehe dies z.B. in den Niederlanden oder Deutschland ganz anders aus. Die Medikamente, die z.B. in den Niederlanden zugelassen seien, müssten auch in Frankreich und Deutschland oder jedem anderen EU-Mitgliedsstaat anwendbar sein. Er betonte, dass aufgrund der aktuellen Diskussion rund um den Antibiotikaeinsatz die Impfstoffe als vorbeugende Maßnahme weiter an Bedeutung gewinnen werden.

 

 

Mehr Öffentlichkeitsarbeit

Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften, ging in seinem Vortrag auf die jüngsten öffentlichen Diskussionen Bezug auf Dioxin, EHEC, MRSA, Antibiotika, Schweinegrippe, Wiesenhof u.a. ein. Während er erläuterte, welche Mechanismen dabei  im Hintergrund wirken, sparte er auch nicht mit Kritik an der Agrarbranche selbst. Er forderte die Anwesenden auf, sich nicht ohne Not in ihr Schicksal zu ergeben. Ich beobachte leider keine Aktivität der Branche, damit verpasst man eine große Chance. Die Verbände müssen radikal Umdenken. Die Frage ist doch, wie erreiche ich die Menschen, die gegen mich eingestellt sind? Pollmer zeigte verschiedene Lösungen auf und bekräftigte den Mut zu neuen Wegen. Wenn die Landwirtschaft für Gesunde Schulernährung mit Obst und Gemüse werbe, so könne man z.B. auch für eine Kampagne Gesunde Schulernährung mit Fleisch werben und damit den derzeit rückgängigen heimischen Fleischverzehr ankurbeln.

 

 


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