"Fleischkonsum nur noch hinter vorgehaltener Hand?" - Kommentar von ISN-Geschäftsführer Dr. torsten staack

Tierhalter im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit
Fleisch kochen wir ab jetzt anders: Man nehme eine große Portion „Massentierhaltung“, einen gehäuften Esslöffel Herz- Kreislauferkrankungen und einen Schuss Übergewicht. Das Ganze kräftig mit ein wenig Klimaschutz umrühren und den Verbrauchern brühwarm, garniert mit einer Reihe von „Skandalbildern“, auf dem medialen Teller servieren. Anschließend wird das - selbstverständlich kostengünstige - Menü wie ein guter Eintopf für die verschiedensten TV-Formate aufgewärmt.
Ein schwer verdauliches Gemisch: Öffentlich diskutieren selbsternannte Experten vor und mit einem allzu oft unwissenden Publikum. Sowohl bei der Zubereitung von Fleisch als auch über die Hintergründe der landwirtschaftlichen Erzeugung klafft eine große Wissenslücke. Lebensmittel werden über die Verpackung und den Markennamen identifiziert. Wo es herkommt und was drin steckt, ist vielen fremd geworden - oftmals war es sogar noch nie bekannt. Immerhin haben Schweinehalter hier einen kleinen Vorteil: Ist die Kuh aus Verbrauchersicht lila, so war das Schwein schon immer rosa.
Fakt ist, dass die Herstellung von Lebensmitteln fast nirgendwo so stark wie in Deutschland kontrolliert wird. Müssen wir uns trotzdem daran gewöhnen künftig permanent vorverurteilt und unter Generalverdacht gestellt zu werden?
Ein gutes Beispiel, dass es auch anders geht, hätte die ARD-Themenwoche 2010 „Essen ist Leben“ sein können. Die Sendereihe wollte aufklären und den Zuschauern vermitteln, was wir essen und wie wir essen. Aber wer genauer hingesehen und hingehört hat, der konnte sich des Eindrucks einer Vorverurteilung der Fleischbranche, angefangen beim Erzeuger, nicht erwehren. Leider hat sich auch hier wieder eine Reihe von Beiträgen schnell an die eingangs skizzierte Zutatenliste herangearbeitet.
Daraus ergibt sich das Spannungsfeld, in dem sich der moderne Tierhalter zurechtfinden muss. Oft wird bei der Diskussion um Haltungsbedingungen vergessen, welche Fortschritte in Stallbau und Hygiene vollbracht wurden. Neue helle, gut gelüftete und arbeitsfreundliche Ställe sind ein Fortschritt für Tiere und Tierhalter und werden dennoch aufgrund ihrer Größe von der Öffentlichkeit verteufelt und mit Bürgerinitiativen bekämpft. So wird jeglicher Mut zur Öffentlichkeit von Seiten der Landwirte im Keim erstickt. Die Angst vor Anfeindungen ist zu groß und vielfach auch berechtigt.
Dennoch: genau diesen Mut brauchen wir. Wir sind in der Defensive. Und da müssen wir dringend raus. Das Bild vom bösen anonymen „Agrarindustriellen“ darf so auf keinen Fall stehen bleiben. Schließlich sind es überwiegend Familienbetriebe, die unser wertvolles Lebensmittel Fleisch erzeugen.
Die Diskussion um Fleischkonsum und Produktionsbedingungen ist keinesfalls eine kurzfristige Trenderscheinung. Vielmehr werden die gesellschaftlichen Ansprüche und das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit uns langfristig beschäftigen. Der richtige Umgang damit wird zu einem kritischen Erfolgsfaktor für die deutsche Tierhaltung werden. Dieser Herausforderung nehmen wir uns an. Wir sind bereit zum konstruktiven Dialog, aber bitte fair und ohne Vorverurteilung!










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