„Fleischeslust statt Fleischesfrust!“ - Kommentar von Peter Kruse, ISN-Beiratsmitglied und Sauenhalter
Das Umweltbundesamt ging in der vergangenen Woche mit einer sehr fragwürden Empfehlung an die Öffentlichkeit. Der Behördenchef Andreas Troge verkündete in einem Zeitungsinterview, dass die Deutschen ihren hohen Fleischkonsum überdenken sollten.
Seiner Meinung nach tue das nicht nur der Gesundheit gut, sondern nütze auch dem Klima. Nach Berechnungen der Behörde sei die deutsche Landwirtschaft für bis zu 15 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Besonders energieintensiv und damit klimaschädlich sei die Fleischproduktion. Die Krönung des Ganzen ist dann die Forderung Troges nach einer vermehrten Umstellung der landwirtschaftlichen Produktion auf Ökolandbau.
Auf eine derartige Meldung haben wir nur gewartet - wieder eine Diskussion um den vermeintlich so furchtbaren Carnivoren in uns. Wie kreativ, endlich mal was Neues. Was die Landwirtschaft doch alles Furchtbares anstellt: Manche unterstellen uns wir seien Tierquäler, denn wir essen unsere Nutztiere auf, und unser Klima gleich noch mit.
Es ist bemerkenswert, wie in diesen Diskussionen immer wieder vergessen wird, dass Landwirtschaft keine Luxusindustrie ist, sondern grundsätzlich die Ernährung der Bevölkerung sichert. Das gilt sowohl für Schweinehalter wie auch Rinderhalter.
Diese Aussagen von Herrn Troge sind fachlich falsch und nicht gerechtfertigt. Er lässt völlig außer Acht, dass die deutsche Landwirtschaft mit ihrer Erzeugung erhebliche Mengen an CO2 bindet und damit aktiven Klimaschutz betreibt. Es ist sehr seltsam, wenn Herr Troge zum Boykott eines ganzen Wirtschaftszweiges aufruft, während andere Wirtschaftszweige mit einer weitaus schlechteren Klimabilanz völlig ungeschoren davonkommen. Wie lange hat die Autoindustrie den Trend zu umweltfreundlichen Kleinwagen verschlafen? Ein Versäumnis, das nun inmitten der Finanzkrise noch zusätzlich zum Tragen kommt – vom Klima ganz zu schweigen.
Was unsere Fleischeslust anbelangt: sie ist uns nun mal evolutionär anerzogen
- und nicht frevelhaft. Wir mögen Fleisch, weil wir es besonders gut verwerten können. Denn unser Körper findet darin das, was er zu seiner Regeneration benötigt: essentielle Aminosäuren, ungesättigte Fettsäuren, B-Vitamine und Mineralstoffe. Und außerdem ist es echt lecker.
Die konventionelle Landwirtschaft wird wieder pauschal als Klimakiller und als Sündenbock abgestempelt, während gleichzeitig der Ökolandbau als die ultimative Lösungsmöglichkeit dargestellt wird. In einer perfekten Welt stünde sicher jede Kuh und jedes Schwein draußen auf der grünen Wiese. Aber wir haben fast 7 Milliarden Menschen zu ernähren – und somit ist zuviel Ökolandbau ein Luxus, den wir uns wirklich nicht leisten können.
Wie sagte doch schon Wilhelm Busch:
Es wird mit Recht ein guter Braten
gerechnet zu den guten Taten.
Und übrigens: falls Herr Troge es noch nicht bemerkt haben sollte: Kühe geben nebenbei auch Milch.
Im Bild: Peter Kruse, ISN-Beiratsmitglied und Sauenhalter aus Liebenau, Niedersachsen










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