07.12.2011 RSS Feed

Flämische Regierung legt Aktionsplan für den Schweinesektor vor

Belgien

Der flämische Landwirtschaftsminister Kris Peeters hat am vergangenen Donnerstag bei einem Branchenseminar am Institut für Landbau- und Fischereinforschung (ILVO) in Melle einen Aktionsplan zur Förderung des Schweinesektors vorgelegt, meldet Agra Europe.

 

Unter anderem sieht das Papier vor, Anreize für die Wiederaufstockung des seit einigen Jahren rückläufigen flämischen Piétrain-Zuchtsauenbestandes zu schaffen: Jeweils im Juni der Jahre 2013 und 2014 sollen die Piétrain-Züchter zusätzliche Beihilfen in Höhe von bis zu insgesamt 100 Euro je Piétrain-Zuchtsau erhalten. Diese Maßnahme sei bereits von der EU-Kommission im Rahmen der diesbezüglichen Verordnung, die unter anderem die Vergabe einer besonderen Stützung regelte, genehmigt worden.

 

Damit will die flämische Regionalregierung einem angeblich drohenden Verlust der notwendigen genetischen Vielfalt der Rasse Piétrain begegnen. Das Fleisch von Piétrain-Mastschweinen sei durch einen hohen Magerfleischanteil und eine hervorragende Schlachtausbeute gekennzeichnet und biete daher eine gute Möglichkeit für die heimische Branche, sich auch in Zukunft von der internationalen Konkurrenz abzugrenzen.

 

Darüber hinaus will die flämische Regierung 2 Mio Euro in die Errichtung eines praxisorientierten Forschungszentrums Schweine investieren, für dessen laufenden Betrieb Zuschüsse in Höhe von jährlich 140 000 Euro vorgesehen seien. In diesem Institut soll auch eine Informationsstelle angesiedelt werden, die für den Wissenstransfer verantwortlich sein soll. Diese Einrichtung soll zum einen für den Informationsfluss zwischen dem Forschungszentrum Schweine und anderen Forschungseinrichtungen verantwortlich sein, so Agra-Europe. Zum anderen soll die Informationsstelle dafür sorgen, dass die Forschungsergebnisse des Forschungszentrums Schweine in der Branche ankommen und dort genutzt werden können. Daneben sieht der Aktionsplan vor, die Transparenz bei der Schlachtkörper-Klassifizierung und bei der Ableitung von Erzeugerpreisen durch die Schlachtunternehmen zu erhöhen sowie die Schweinefleisch-Exporte nach Deutschland weiter zu fördern. Dabei soll das Belgian Meat Office der Absatzförderungsorganisation für Agrar- und Fischereiprodukte (VLAM) nach wie vor eine Schlüsselrolle spielen. Das VLAM verfügt im laufenden Jahr über ein Budget in Höhe von knapp 22 Mio Euro.

 

Der Aktionsplan ist das Ergebnis von sechs Dialogtagen von Vertretern der Schweinebranche und der Regierung. Der flämische Verband der Schweinehalter (VEVA) bewertete den Aktionsplan in der belgischen Publikumspresse eher zurückhaltend; es werde noch zu wenig für den individuellen Schweinehalter getan. Besonders wichtig sei es zunächst, für mehr Transparenz auf dem Schweinemarkt zu sorgen, so Agra-Europe. Allerdings begrüßte der VEVA die geplante Einrichtung des neuen Forschungszentrums. Ähnlich äußerte sich der flämische Bauernverband. Die belgische Region Flandern ist neben den Niederlanden und Dänemark einer der drei größten Lieferanten auf dem deutschen Markt für Schweinefleisch. Im Jahr 2010 führte Belgien schätzungsweise 290 000 t Schweinefleisch nach Deutschland aus. Mehr als 90 % der belgischen Schweine sind in Flandern aufgestallt. Schätzungsweise 30 % des Produktionswertes der flämischen Landwirtschaft werden in der Schweinehaltung erwirtschaftet, so Agra Europe.

 



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