Ferkelkastration - Aktionismus der NGO´s? - Kommentar von Franz Meyer zu Holte, ISN-Vorsitzender
Derzeit laufen mal wieder aggressive Kampagnen sogenannter Tierschützer, jetzt zum Thema Ferkelkastration.
Wir Schweinehalter in Deutschland nehmen den Tierschutz in der Schweinehaltung seit langem sehr ernst. Dabei ergeben sich jedoch verschiedentlich Konflikte mit anderen Schutzanliegen, wie z. B. dem Verbraucherschutz, dem Umweltschutz und dem Arbeitsschutz.
Speziell zum Thema Ferkelkastration beobachten wir sehr aufmerksam die Entwicklungen und die Forschungen im benachbarten Ausland. Ende 2007 haben wir auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ) in Bonn einen Expertenworkshop durchgeführt, an dem u. a. auch der Deutsche Tierschutzbund beteiligt war. In diversen weiteren Expertengesprächen haben wir mit der Wissenschaft und allen Beteiligten der Lebensmittelkette die verschiedenen Alternativen zur traditionellen Ferkelkastration analysiert und eigene (deutsche) Studien initiiert, u. a. im Bereich der Züchtung (Selektion gegen Ebergeruch). Die aktuelle Situation lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Kein Alternativverfahren ist sofort einsetzbar praxistauglich!
Die von den Niederländern favorisierte CO2-Betäubung birgt nach unserem Kenntnisstand erhebliche Probleme in Bezug auf den Tierschutz, Umweltschutz und Arbeitsschutz. Das Gleiche gilt für die Isofluran-Gasnarkose. Beide Verfahren betäuben nachweislich nicht den Kastrationswundschmerz.
Die von der Firma Pfizer propagierte Impfung gegen Ebergeruch
(sogenannte Immunokastration) wird wegen ungeklärter Risiken in Zusammenhang mit der Impfung und deren Wirkung abgelehnt.
Eine ideale Problemlösung wäre der Verzicht auf die Kastration, wenn es gelänge, durch züchterische und / oder technische Verfahren den Verbraucherschutz (Schutz vor geruchsbelastetem Fleisch) zu gewährleisten. Entsprechende Forschung ist initiiert worden.
Als kurzfristige und für den Tierschutz aktuell vorteilhafteste Problemlösung sehen wir die Schmerzbehandlung. Gemeinsam mit anderen Verbänden der betroffenen Wirtschaft haben wir die Arzneimittelindustrie und die Behörden aufgefordert, umgehend die rechtlichen und technischen Voraussetzungen für eine routinemäßige Anwendung von Schmerzmitteln durch die Tierhalter zu schaffen. Zum Teil erfolgt der Einsatz bereits jetzt, allerdings ist hierfür eine arzneimittelrechtliche Umwidmung erforderlich.
Wir sind somit intensiv um eine Problemlösung bemüht, die nicht nur Alibifunktion erfüllt, sondern nachhaltig allen Anliegen gerecht wird (Tierschutz, Umweltschutz, Verbraucherschutz und Arbeitsschutz).
Wir würden es sehr begrüßen, mit Anerkennung und sachlichen Unterstützung dieser Bemühungen durch jene Organisationen rechnen zu dürfen, denen wirklicher Tierschutz ein Anliegen ist. Emotionaler Aktionismus, wie wir ihn zum Teil erleben, wird dem Anliegen nicht gerecht, sondern führt u. E. lediglich zu Scheinlösungen, die in Wahrheit nicht dem Tierschutz dient. Es wäre zu bedauern, wenn die derzeit laufenden Kampagnen zu letzterem beitragen würden.










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