17.08.2007 RSS Feed

Ferkelerzeuger mit 250 Sauen machen monatlich 10.000 Euro Miese

6357 I 2006 Futterkosten laufen aus dem Ruder: Nerven der Schweinehalter liegen blank

Ein zukunftsfähiger Ferkelerzeugerbetrieb mit 250 Sauen muss in Deutschland derzeit monatlich einen Verlust von rund 10.000 Euro hinnehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse der ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands. Hintergrund sind vor allem die in den letzten Wochen und Monaten immens gestiegenen Getreide- und damit Futterkosten. So liegen die Preise für Sauen- und Mastschweinefutter derzeit rund 30 bis 40 Prozent über dem Vorjahresniveau. Und der Zenit ist vermutlich noch nicht erreicht, vermutet ISN-Vorsitzender Franz Meyer zu Holte.

Die gestiegenen Rohstoffpreise sind grundsätzlich für die gesamte Landwirtschaft ein Segen, Franz Meyer zu Holte weiter. Für uns Schweinehalter sind sie in der aktuellen Situation allerdings ein Desaster, weil die Schweinepreise nicht entsprechend mitgehen. Die um fünf bis sieben Euro pro Dezitonne Futter gestiegenen Kosten schlagen voll durch: Mit jedem Euro, den das Futter teurer wird, erhöhen sich nämlich auch die Erzeugungskosten pro Ferkel um rund einen Euro. Allein um diese Mehrkosten zumindest ausgleichen zu können, müssten die Ferkel im Schnitt sechs Euro mehr kosten.

Verschärft wird die Lage dadurch, dass die Schweinemäster angesichts der gestiegenen Kosten und eines Schweinepreises von 1,44 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht (kg SG) ebenfalls rote Zahlen schreiben und nur verzögert einstallen. Dadurch ist der Markt derzeit mit Ferkeln gut versorgt. Das führt dazu, dass die Ferkelpreise aktuell 18 Euro unter dem Vorjahresniveau liegen. Lange können auch Ferkelerzeuger, die ihre Kosten und Leistungen im Griff haben, diese Durststrecke nicht durchstehen, ist Meyer zu Holte überzeugt.

Sollte sich die Situation nicht bald entschärfen, werden etliche Ferkelerzeuger in den nächsten Monaten die Flinte ins Korn werfen und ihre Sauenhaltung aufgeben müssen. Und dies betrifft nicht nur die kleinen Betriebe. Gerade größere Sauenhalter, die in den letzten Jahren investiert haben und einen hohen Kapitaldienst leisten müssen, sind jetzt besonders betroffen. Mit jedem Ferkel, das sie verkaufen, machen sie unter Vollkostenbetrachtung über 20 Euro Verlust. Ein moderner Familienbetrieb mit 250 Sauen schießt so jeden Monat rund 10.000 Euro zu.

Meyer zu Holte appelliert an die Schlachtunternehmen und den Lebensmitteleinzelhandel (LEH), sich jetzt endlich zu bewegen. Der Schweinepreis muss schnellstens auf mindestens 1,70 Euro pro kg SG ansteigen, damit die Mäster ihre Kosten decken können und wieder Mut fassen, umgehend Ferkel aufzustallen! Erst dann könnten sich auch die Ferkelpreise erholen. Den nach gelagerten Stufen ist offensichtlich nicht klar, dass sie momentan den Ast absägen, auf dem sie sitzen, betont Meyer zu Holte weiter. Denn die katastrophale Lage der Betriebe werde spätestens in einem Jahr zu einer Unterversorgung des Schweinemarktes führen. Eine Auslastung der Schlachtbetriebe und die Versorgung des LEH´s mit deutschem Schweinefleisch sei dann nicht mehr gesichert.

Eine detaillierte aktuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Ferkelerzeugung finden Sie in der angehängten pdf-Datei.

Im Bild: Franz Meyer zu Holte, Vorsitzender der ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands

Wirtschaftlichkeit ferkelerzeugung 17 08 2007

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