FEFAC-Kongress: Tierhalter und Mischfutterhersteller ziehen an einem Strang
Avenne tritt die Nachfolge von Pedro Corrêade Barros an, der das Amt seit 2007 inne hatte. FEFAC werde sich zukünftig verstärkt um die Themen Forschung, Entwicklung und Innovation kümmern, kündigte Avenne an. Avenne ist Partner und Hauptgeschäftsführer der Vanden Avenne-Gruppe im belgischen Ooigem. Deutscher Vertreter im FEFAC-Präsidium mit seinen zehn Mitgliedern ist Dietrich Schwier von der Deutsche Tiernahrung Cremer Gruppe.
Der neue FEFAC-Präsident bekennt sich nach eigenen Worten nachdrücklich zu einem offenen Dialog mit allen Interessengruppen der Futter- und Lebensmittelkette. „Wir müssen gemeinsam die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Tierhaltung sicherstellen und den Ansprüchen unserer Märkte und Verbraucher in Bezug auf Mischfutterherstellung und die Erzeugung von Lebensmitteln tierischer Herkunft genügen“, so Avenne.
Die Leidtragenden seien die Fleischproduzenten, die letztlich die Rechnung in Form höherer Futtermittelpreise zahlen müssten. Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Udo Folgart, wies auf die gerade in Deutschland immer mehr zunehmenden Anforderungen im Tier- und Umweltschutz hin. Besonders bedenklich sei hierbei, dass die in den letzten Jahren ständig verbesserten Tierschutz- und Umweltleistungen sowie die Managementverbesserungen in der modernen Tierhaltung vollständig ausgeblendet würden. Gerade im Tier- und Umweltschutz sei ein einheitliches, EU-weites Vorgehen dringend erforderlich. „Sonderwege einzelner Mitgliedstaaten führen zu Wettbewerbsverzerrungen, die nicht akzeptabel sind“, betonte der DBV-Milchpräsident. Zukünftig müsse deshalb darauf geachtet werden, dass Brüsseler Vorgaben in allen Mitgliedstaaten zeitgleich und eins zu eins umgesetzt würden.
Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, sei zudem der ungestörte Zugang zu den internationalen Futtermittelmärkten unabdingbar. „Wir können es uns nicht leisten, auf teure Restmärkte zugreifen zu müssen, weil Spuren gentechnisch veränderter Lebensmittel gefunden werden“, betonte der DBV-Vizepräsident.
Die Europäer dürften ihre Agrar- und Ernährungswirtschaft nicht in die Schwellenländer „exportieren“, indem beispielsweise die EU an ihrer GVO-Zulassungspolitik festhalten und so die Rohstoffversorgung der europäischen Tierhalter abschneide. DVT-Präsident Wulf bekannte sich bei der FEFAC-Tagung uneingeschränkt zum Primat der Lebens- und Futtermittelsicherheit. „Wir müssen aber die bisher stark reglementierten Märkte für Lebensmittel, Futtermittel, Saatgut und Tiere im Sinne des ‘better regulation‘-Ansatzes modernisieren, um Wirtschaft und Innovationen nach vorne zu bringen und den Interessen der Verbraucher und der Umwelt gerecht zu werden“, ergänzte Wulf, der ebenso wie DBV-Vize Folgart für einen starken und harmonisierten Rechtsrahmen anstelle nationaler Sonderwege und Abweichungen plädierte.
Nach Überzeugung von Helmut Wulf vom Deutschen Verband Tiernahrung (DVT) ist nur eine wirtschaftlich gut aufgestellte Tierhaltung in der Lage, die Herausforderungen zu bewältigen, die der Klimawandel mit sich bringt. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU müsse deshalb im Grundsatz beibehalten werden, forderte der DVT-Präsident. Nur dann verfüge man weiter über politische Instrumente, die ein breites Angebot hochwertiger, sicherer und preiswürdiger Lebensmittel aus europäischer Herstellung ermöglichten. „Aber eine stärkere Ausrichtung am Weltmarkt ist alternativlos“, fügte Wulf hinzu. Dazu gehöre auch, dass sich Europa nicht von den Weltmärkten abschotte.
Wout Dekker von der Firma Nutreco ist der Meinung, dass die Ernährung von Nutztieren an einem kritischen Punkt angelangt ist. Kennzeichnend dafür nennt er knappe Ressourcen, hohe Preisvolatilität, Klimawandel, staatliche Regulierungen, die auf eine sich verdoppelnde Nachfrage in den nächsten 20 Jahren treffen.
Ein Problem sieht er vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung des Themas. So machte Wout Dekker deutlich was die Landwirtschaft bzgl. Effizienz in der tierischen Produktion bereits geleistet hat:
- von 1975 – 2000 stieg die Milchleistung pro Kuh um 60%
- die Zahl der aufgezogenen Ferkel pro Sau ist um 55% gestiegen
- in der gleichen Zeit wurde der Einsatz von P und N in der Produktion um 50% zurückgefahren.
„You have a great story to tell, but you are not telling it! “ (Wout Dekker, Nutreco)
Abgerundet wurde die zweitägige Tagung mit Exkursionen zum Mischfutterwerk der Habema im Hamburger Hafen und zur Firma Kahl, die Anlagen für die Mischfutterindustrie fertigt.















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