Explodieren die Futterkosten für Ferkelerzeuger und Schweinemäster dank der Spekulanten? - Kommentar von Kerstin Burbank, ISN-Marktreferentin
Im laufenden Jahr steigen die Futtergetreidepreise in derzeit noch nicht absehbare Höhen. Was steckt dahinter und gibt es auch im Herbst 2010 eine Trendwende wie im Jahr 2007?
Im Jahr 2007 lagen die Preise für Gerste zu Beginn der Ernte bei 14 bis 15 €/dt und stiegen dann bis Anfang August auf bis zu 20 €/dt an. Der Weizen war zu dem Zeitpunkt nur noch deutlich über 20 €/dt einzukaufen. Im September/Oktober kam dann die Trendwende und die Preise für Futtergetreide gingen eindeutig wieder zurück.
Derzeit stellen sich verschiedene Fragen:
Wie sehr sind Spekulanten die Preistreiber bei der derzeitigen Entwicklung?
In wie weit sind die Konsequenzen des Hochwassers in den östlichen Nachbarländern schon berücksichtigt?
Welche Auswirkungen haben die Brände in Russland?
Werden die europäischen Interventionsbestände von etwa 6 Mio. t Getreide geöffnet?
Je nachdem, in wie weit diese Faktoren bei den aktuellen Getreidepreisen schon berücksichtigt wurden, sind Markteinschätzungen zu Folge deutliche Potentiale beim Preis nach oben oder unten am Weizenmarkt möglich.
Gegen einen weiteren Anstieg der Futtergetreidepreise spricht, dass innerhalb der EU mit einer durchschnittlichen Ernte, bezogen auf den Durchschnitt der letzten fünf Jahre, gerechnet wird.
Noch eine Begründung spricht für rückläufige Getreidepreise. Die aufgrund der Niederschläge nur langsam verlaufende Ernte in Deutschland kann dazu führen, dass die Getreidequalitäten nicht mehr für Brotweizen ausreichend sind. Dies ist bereits in einigen Regionen zu beobachten. Damit würden größere Mengen an Futtergetreide zur Verfügung stehen. Durch die Regenschauer ist außerdem die inländische Ernte noch nicht abgeschlossen, so dass noch abzuwarten bleibt, wie die Ernteerträge am Ende ausfallen werden.
Zudem stiegen zwischenzeitlich aufgrund des Exportstopps von Russland die Notierungen für Weizen so deutlich an, dass die Börse in Chicago, die CBOT, am Limit up schloss. Das bedeutet, dass die Kurse vermutlich noch höher gestiegen wären, wenn der tägliche Anstieg nicht auf ein Höchstmaß begrenzt wäre. Derzeit gehen die Kurse für Weizen an der CBOT in Chicago wieder zurück. Bahnt sich dort die Trendwende an?
Und am nächsten Tag folgt eine Meldung, dass in Land XY die Getreideernte geringer ausfällt als berechnet und die Preise an den Börsen steigen wieder. Kommt jedoch eine gegenteilige Meldung geben die Preise auch gleich nach. Da liegt die Vermutung nahe, dass Spekulanten ihre Finger im Spiel haben. Unterdessen bleibt den Landwirten nur Nerven bewahren und warten bis die Börsenspekulanten ihre Spekulationen beendet haben. Danach werden sich der Börsenpreis und somit auch der Marktpreis für Getreide wieder beruhigen.
Denn dann wird die Getreidemenge am Weltmarkt, die aus den Lagerbeständen aus den Rekordernten der Vorjahre und der laufenden Ernte besteht, ihren Wa(h)renwert offenbaren und der wird mit großer Wahrscheinlichkeit unter dem aktuellen Preisniveau liegen.
Die gestiegenen Getreidepreise lassen auch die Futtermittelpreise steigen. So haben fast alle Futtermittelhersteller in den letzen Wochen die Mischfutterpreise spürbar angehoben.
Beispielsweise führt eine Erhöhung der Futterpreise um 5 €/dt, wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben, dazu, dass die Kosten in der Schweinemast um 14 Cent pro kg/Schlachtgewicht steigen. Das ist pro Mastschwein eine Steigerung um 13,50 €.
Bei derselben Beispielrechnung für die Ferkelerzeuger ergibt sich bei einem Futterpreisanstieg von 5 €/dt ein Anstieg der Kosten von 4 bis 5 €/Ferkel in Abhängigkeit von der Anzahl abgesetzter Ferkel/Sau/Jahr. Bei 28 abgesetzten Ferkeln pro Sau und Jahr macht dies zum Beispiel einen Kostenanstieg von fast 116 €/Sau und Jahr aus.
Und anders als die Bäcker werden die Schweinehalter den Preisanstieg kaum über eine Anhebung bei ihren Brötchen
kompensieren können.
Sollten wir deshalb eine Begrenzung der Spekulationsmöglichkeiten fordern? An der Warenterminbörse für Schweine und Ferkel, der Eurex in Frankfurt, würden wir uns mehr Interesse von Finanzinvestoren wünschen, um auch hier (positive) Signale für den Kassamarkt zu erhalten.
Die Medaille mit den Spekulanten hat aber auch eine Kehrseite, wie die Schweinehalter derzeit schmerzvoll erfahren müssen.










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