Dietrich Holler zu gentechnisch verändertem Soja
Wer sich so alles für Soja-Futures interessiert: Auch Umweltschutzorganisationen beobachten derzeit genau, welche Preise aufgerufen werden. Es wird hier recherchiert, dort eine Marktmeinung eingeholt. In das Geschäft mit Agrarrohstoffen wollen die Umweltschützer selbstverständlich nicht einsteigen.
Der Hintergrund ist klar: Spuren von gentechnisch veränderten, in der EU nicht zugelassenen (GV-)Sojabohnen- und Maissorten haben während der vergangenen Wochen mehrfach für Probleme gesorgt. Da selbst winzigste Mengen dieser Sorten nicht eingeführt werden dürfen - es gilt die Nulltoleranz -, wurde beispielsweise vor Kurzem in Spanien ein Sojadampfer mit verunreinigter Ware aus Südamerika zurückgeschickt.
Landwirte, Agrarhändler, Futtermittelhersteller und eben auch namhafte Umweltschutzorganisationen fragen sich: Wird es eng mit der Sojaversorgung in der EU, weil die in Übersee angebauten neuen GV-Sorten nicht importiert werden dürfen? Das Geschehen an den Rohstoffbörsen gibt darauf bislang (noch) keinen Hinweis. Als sich im Wirtschaftsjahr 2007/2008 wegen der schleppenden Zulassungspraxis der EU-Kommission, zumindest theoretisch, ein Engpass an Soja abzeichnete, handelte die anfangs zögerliche EU-Kommission schließlich flott und gab grünes Licht für die GV-Sorten. Erste Gespräche zu diesem Thema stehen im September wieder in Brüssel an. Schnelle Entscheidungen sind unwahrscheinlich. Die EU-Kommission wird voraussichtlich in den kommenden Monaten neu besetzt. Und in Deutschland muss abgewartet werden, wer nach der Bundestagswahl regiert.
Die Nulltoleranz durch einen Grenzwert für nicht zugelassene GV Sorten zu ersetzen, wäre pragmatisch. Doch wer legt die Schwelle fest? Die EU-Lebensmittelbehörde Efsa hätte die fachliche Kompetenz. Die unabhängige Einrichtung genießt leider nicht das Vertrauen einiger EU-Mitgliedstaaten. Zudem dürften Anbau und Verfütterung von Soja spätestens während des UN-Weltklimagipfels im Dezember in Kopenhagen wieder in die Schusslinie geraten. Großflächige Sojafelder als Eiweißquelle der intensiven Tierhaltung werden als Klimakiller
dargestellt. Wer Schnitzel isst, so die simple Logik, trägt dazu bei. Dem folgt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Auf seiner Website weist das BMELV darauf hin, dass es dem Klimawandel begegnen
will, indem es den vermehrten Gemüse- und Obstverzehr
unterstützt. Der leicht altbackene Slogan Esst mehr Obst!
bekommt dadurch neuen Drive. Häufiger mal einen Apfel: Das hält den Körper gesund und bringt das Klima wieder ins Lot.
Das BMELV setzt sich übrigens auch für deutsche Agrar- und Nahrungsmittelexporte ein. Tierische Produkte, unter anderem mit Sojafuttermitteln erzeugt, haben daran den wertmäßig größten Anteil. Aber wen interessiert das so kurz vor der Bundestagswahl?
Der Kommentar erschien in der agrarzeitung vom 28.08.2009.










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