„Essen und Trinken müssen die Menschen immer…“ – Gastkommentar von Norbert Kreuzheck, KLB-Diözesanvorsitzender aus Münster und Schweinehalter
Auf meine Frage, warum der Beruf Landwirt für mich der Richtige sei, antwortete mein Vater: Junge, wenn man auch manchmal schwere Zeiten durchzumachen hat, Essen und Trinken müssen die Menschen immer und kein Staat der Welt wird sich dauerhaft von Nahrungsmittelimporten abhängig machen.Also wurde ich Bauer und entwickelte unseren landwirtschaftlichen Betrieb zu einem modernen Betrieb mit spezialisierter Sauenhaltung.
Lebensmittel sind eben mehr Wert, hieß es und tüchtige Unternehmer werden sich im europäischen Markt langfristig durchsetzen. Notfalls hilft der Staat, Krisen zu überwinden, um die Nahrungsmittelversorgung nicht zu gefährden. So habe ich schon manchen Schweinezyklus überstanden und einen eigentlich unerschütterlichen Glauben an unsere soziale Marktwirtschaft entwickelt.
Doch langsam kommen bei mir Zweifel auf, ob der Staat wirklich langfristig zu denken vermag oder ob er nicht doch immer öfter den Einflüssen der Lobbyisten erliegt, ohne die langfristigen Folgen zu beachten. Anschubfinanzierung Hin oder Her, für mich ist die Entscheidung der Bundesregierung, den NawaRo-Bonus anzuheben, ein Schlag in das Gesicht eines jeden Ferkelerzeugers, der derzeit den Unbilden des Marktes hilflos ausgesetzt ist. Nicht, dass ich den Biogasbetreibern das Geld nicht gönne, sie haben letztendlich ihre Kalkulationen auf niedrigen Rohstoffpreisen aufgebaut. Die aber waren nie wirklich kostendeckend. Und wer auf einen Angebotsmarkt mit dauerhaften Ramschpreisen vertraut, geht ein hohes Risiko. Weltweites Bevölkerungswachstum und seit Jahren sinkende Weltgetreidevorräte verbunden mit steigenden Erdölpreisen, sind schon länger deutliche Anzeichen für steigende Rohstoffpreise. Für gut geführte Biogasanlagen kann die Erhöhung der Einspeisevergütung nicht die alleinige Lösung sein. Zum unternehmerischen Risiko gehört auch die Standortwahl. Die Flächenknappheit und die Düngeproblematik in unserer Veredelungsregion waren auch schon vorher bekannt. Der
Maistourismus quer durchs Münsterlandin den vergangenen Wochen ist ein Beispiel dafür. Und die Gärsubstate müssen anschließend ja auch wieder zurück auf die Äcker.
Während nun die konventionelle Landwirtschaft von Milch über Getreide bis Fleisch langsam aber sicher im Markt das Laufen lernt, baut man bei Bioenergie eine neue Käseglocke mit garantierten Mindestpreisen und Zwangsbeimischungen auf. Wir sind offensichtlich so lange in Milchseen geschwommen, über Butterberge geklettert und haben Fleisch auf dem Weltmarkt verschenkt, dass wir uns Nahrungsmittelknappheit nicht mehr vorstellen können. Gleichzeitig ist die Angst vor Energiehunger und Klimawandel so groß geworden, dass der Staat mit den Instrumenten der Agrarpolitik der 60iger Jahre reagiert. Die Folgen sind bekannt. Vergessen wird dabei, dass beide, Energie- und Nahrungsmittelproduzenten, auf dem gleichen unvermehrbaren Boden produzieren und der Einfluss des Staates Ungleichgewichte und Ungerechtigkeiten produziert.
Heute sage ich meinen Kindern:
Werde Bauer! Energie und Nahrung brauchen die Menschen immer und Du kannst gut davon leben, wenn der Staat auf den Markt vertraut. Angebot und Nachfrage bringen letztendlich das Gleichgewicht. Wichtig ist aber auch: Misch dich in die Politik ein, damit der Staat für einen fairen und gerechten Ordnungsrahmen sorgt, aber mehr nicht!
Im Bild: Norbert Kreuzheck, KLB-Diözesanvorsitzender aus Münster und Schweinehalter










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