24.07.2009 RSS Feed

Erfahrungsaustausch mit ISN-Beteiligung: Biotech - Rundreise durch die USA

Teilnehmer der Biotech-Rundreise durch die USA

Teilnehmer der Biotech-Rundreise durch die USA

Vom 17. bis 24. Juni 2009 hatten junge Landwirte aus der Europäischen Union die Möglichkeit an einer von der amerikanischen Interessenvertretung der Sojafarmer organisierten, landwirtschaftlichen Reise durch die USA teilzunehmen. Vorraussetzung war, dass die Teilnehmer aktiv tätig in landwirtschaftlichen Organisationen sind. Insgesamt nutzten neun junge Landwirte aus Frankreich, Polen, England und Deutschland diese großartige Möglichkeit. Auch die ISN bekam eine Einladung: Christian Schulze Bremer aus dem ISN-Vorstand und Dirk Schulze Tenkhoff vom Sprecherteam der Jungen ISN reisten mit.


typischer Maststall mit Querlüftung

typischer Maststall mit Querlüftung

Organisiert wurde die Tour vom „United Soybean Board“ (USB), das mit der ehemaligen CMA in Deutschland vergleichbar ist. Die Landwirte müssen eine Pflichtabgabe von 0,5% der Umsatzerlöse an das USB entrichten. Diese Beiträge werden im Inland ausschließlich für Werbe- und Absatzmaßnahmen verwendet. Im Ausland darf das USB auch politisch tätig werden. Im Jahr 2008 stand dem USB auf US - Ebene ein Budget von ca. 68 Mio. $ zur Verfügung.

Die Junglandwirte besuchten zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe im mittleren Westen der USA, mit Betriebsgrößen zwischen 280 und 8000 ha. Die Farmer berichteten, man brauche mindestens 500 ha, um eine vierköpfige Familie versorgen und notwendige Investitionen in den Betrieb tätigen zu können. Die Schlaggrößen variierten zwischen 20 und 250 ha. Ein Standardschlag ist ¼ Squaremile, das entspricht ungefähr 64 ha. Hauptsächlich werden Körnermais und Sojabohnen angebaut, seit etwa zwei bis drei Jahren handelt es sich dabei fast ausschließlich um gentechnisch veränderte Sorten.

Direktsaatmaschine mit Düngersilos im Hintergrund

Direktsaatmaschine mit Düngersilos im Hintergrund

Bemerkenswert ist, dass bei dem Einsatz von „GMO-Mais“ mindestens 20% der Betriebsfläche als sogenannte „Rückzugsfläche“ zur Verfügung stehen muss. Diese Flächen dürfen nur mit Maissorten bebaut werden, die nicht gentechnisch verändert wurden. Diese Verfahrensweise dient der Vermeidung von Resistenzbildung. Anhand von Rechnungsbelegen und Feldproben wird die Umsetzung auf den Höfen kontrolliert.


GVO-Mais in Direktsaat angebaut

GVO-Mais in Direktsaat angebaut

Von sehr vielen Landwirten werden gentechnisch veränderte Mais- und Sojasorten angebaut, hauptsächlich „Roundup-Ready" - Sorten. Aus Sicht der U.S. Landwirte hat dies folgende Vorteile:

 

  • Einsatz von Herbiziden bei nicht Roundup-resistenten Sorten wirft den Mais und besonders die Sojabohnen normalerweise um 2 Wochen in der Entwicklung zurück. Bei Roundup-Ready-Früchten gibt es keinerlei Beeinträchtigung und dadurch sicherere und höhere Erträge.
  • Direktsaat nur durch Roundup-Ready gut möglich, da auch spät auflaufende Unkräuter einfach erfasst werden; Farmer spritzen 2 x Glyphosat
  • Arbeitsplanung deutlich einfacher, da Spritztermin bei Roundup sehr variabel
  • 2009 zu viel Regen, damit in konventionellen Beständen erhebliche Probleme, die Unkräuter überhaupt in den Griff zu bekommen, da zu optimalen Spritzterminen keine Befahrbarkeit der Flächen gegeben war

 Nachteile:


  • Gelegentlich sind in den Sojabohnen einige Maispflanzen, da diese auch Glyphosat resistent sind. Darum wird die Option Getreide auch als "Roundup-Ready" – Variante anzubauen, kritisch betrachtet

Sauen in Gruppenhaltung im US-Bundesstaat Minnesota

Sauen in Gruppenhaltung im US-Bundesstaat Minnesota

Im Bundesstaat Minnesota wurden einige Schweinebetriebe besichtigt. Jährlich werden in Minnesota etwa 15 Mio. Schlachtschweine erzeugt, in Deutschland wurden im Vergleich im Jahr 54,8 Mio. Schweine  geschlachtet. Überwiegend sind die Betriebe in Familienhand, mit 2000 – 10000 Mastplätzen, ähnlich den Strukturen in Nord-Westdeutschland. Allerdings wird ein Großteil in Lohnmast betrieben. Aktuell erhalten die Schweinehalter nur 95 € je 120 kg - Schlachtschwein. Interessant war für die deutschen Schweinehalter zu sehen, wie die Ställe größtenteils mit Jalousien zur Querlüftung ausgestattet sind, da im Sommer Temperaturen um 35-40 °C keine Seltenheit sind. Die Baukosten betragen je Mastplatz ca. 200 – 250 €.

Im mittleren Westen herrscht Kontinentalklima, d.h. im Winter liegt lange Schnee und im Sommer wird es sehr heiß. Ein typisches Problem der Region ist Wassermangel, jedoch gab es in diesem Jahr schon zahlreiche Überschwemmungen.

 


Cargill Umschlagterminal

Cargill Umschlagterminal

Des Weiteren wurden auf der Rundreise Saatgutfirmen, ein Umschlagterminal für Soja, eine Verarbeitungsmühle für Soja und einige Forschungsinstitute besichtigt. Bei den Besuchen der Saatgutfirmen wurde deutlich, dass deren Fokus und Hauptarbeit auf den Weltmarkt ausgerichtet ist, und dass Europa daher keine große Rolle spielt. Allen Beteiligten wurde sehr deutlich, dass eine Nulltoleranz wie zur Zeit in Europa gefordert, in der Realität nicht umzusetzen ist. So verkaufen z. B. die Saatgutfirmen nur zu 98% reines Saatgut. In den Umschlagterminals führt nur ein einziger falsch gekippter Lkw zu völlig unkalkulierbaren Verschleppungen.


die Junglandwirte bei der Podiumsdiskussion vor dem USB

die Junglandwirte bei der Podiumsdiskussion vor dem USB

In den nächsten 2 bis 5 Jahren werden mehrere neue GVO-Sorten in den USA angebaut werden. So z.B. eine mit Omega3-Fettsäuren angereicherte Sojabohne. Da die Zulassungsverfahren in der EU allerdings viel länger dauern, werden wir in Deutschland und Europa ein großes Problem bekommen, unsere Tiere mit ausreichend Eiweiß und Aminosäuren zu versorgen.


Am Ende der Reise nahmen die Exkuriosnteilnehmer an einer offenen Podiumsdiskussion bei der USB-Vorstandssitzung teil.

 

Einen ausführlichen Reisebericht können Sie im Herbst in der "topagrar" lesen.



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