EPP-Studienreise mit interessanten Einblicken in brasilianische Schweineerzeugung
Die brasilianische Schweinebranche konnte in den letzten Jahren deutliche Steigerungsraten verzeichnen und tritt auf dem Weltmarkt zunehmend als starker Wettbewerber der europäischen Exporteure von Schweinefleisch, aber auch anderen Fleischarten auf. So ist Brasilien inzwischen zum weltweit viertgrößten Schweinefleischproduzenten aufgestiegen. Der Verbrauch von Schweinefleisch liegt jedoch noch weit unterhalb des europäischen Niveaus.
Die European Pig Producers (EPP) nahmen dies zum Anlass, sich vor Ort über die brasilianische Schweinebranche zu informieren. 26 Mitglieder aus Dänemark, Belgien, den Niederlanden und Deutschland unternahmen vom 16. bis 23. Oktober 2010 eine einwöchige Studienreise in das südamerikanische Land.
Im Vordergrund stand die Besichtigung verschiedener Schweine haltender Betriebe im Bundesstaat Parana (im Süden des Landes, westlich von Sao Paulo). Darunter waren auch Niederländer und Donauschwaben, die in den 1950er Jahren bzw. 1972 nach Brasilien ausgewandert waren. Auf dem Programm standen ferner Besuche und Diskussionen bei Genossenschaften, Futtermittelwerken, einer Forschungseinrichtung, einem Schlachtunternehmen, einem Großhandel für Pflanzenschutzmittel und einem Stalleinrichter.
Die Transportentfernungen haben in Brasilien wesentlich andere Dimensionen als in Deutschland. So sind bei der Vermarktung von Mastschweinen durchaus Entfernungen von 200 bis 1000 km zurückzulegen.
In der Rangfolge der brasilianischen Bundesstaaten mit den meisten Schweinen liegt Parana hinter Santa Catarina und Mato Grosso do Sul auf Platz 3. 13% der brasilianischen Schweine werden hier gehalten.
Die Leistungen in einigen Betrieben waren beeindruckend. So konnte ein Betriebsinhaber mit 31,86 abgesetzten Ferkeln/Sau u.Jahr jüngst den ersten Platz in einem brasilianischen Betriebsvergleich erreichen. Und auch die Futterverwertung von 1:2,56 in der Schweinemast lag auf einem hohen Niveau.
Weit verbreitet ist in Brasilien die vertraglich integrierte Schweineerzeugung, die schätzungsweise einen Anteil von 70% an der gesamten Schweinehaltung hat. Die Landwirte schließen mit einer Genossenschaft oder einem Schlachtunternehmen einen Vertrag ab und erhalten dann eine Vergütung für ihren Arbeitsaufwand. Die Rechnungen für Ferkel und Futtermittel werden von den Schlachtbetrieben beglichen, die am Ende der Mast dann entsprechend den Schlachterlös gleich einbehalten.
Ähnlich wie in Europa ist auch in Brasilien ein Trend hin zu immer größeren Betriebseinheiten erkennbar. Jedoch sind die Dimensionen ungleich größer als hier.
Den Exkursionsteilnehmern wurde deutlich, dass die Immunokastration von Ebern in Brasilien nicht die hohe Bedeutung hat, wie es in Deutschland teilweise dargestellt wird. Da es trotz der Impfung noch „Stinker“ gebe und außerdem die Tiere unruhiger seien, bevorzugten viele Farmer die herkömmliche Ferkelkastration. Außerdem gibt es, anders als in Deutschland, in Brasilien keinen derartigen Druck von Seiten der Verbraucher, auf die Ferkelkastration zu verzichten. Außerdem verweigern einige Schlachtbetriebe die Annahme von Tieren, die mit Improvac behandelt wurden.
Zum Ende der Exkursion war vielen Exkursionsteilnehmern eine gewisse Erleichterung anzumerken. Während auf dem Hinflug in zahlreichen Köpfen noch die Bedrohung vor einer weiter stark expandierenden Schweineerzeugung sowie einem „Überrollen“ der europäischen Produzenten steckte, hatten sich diese Gedanken auf dem Rückflug doch deutlich abgemildert. Sicherlich haben die Brasilianer in einigen Bereichen, wie z.B. bei den Lohnkosten, deutliche Vorteile gegenüber den europäischen Landwirten. Aber es wurde auch deutlich, dass die Brasilianer mit hohen Transportkosten zu kämpfen haben und dass es in Brasilien zunehmend Auflagen bei der Genehmigung neuer Stallbauten gibt.
















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