08.02.2005 RSS Feed

"Entwicklungen am EU-Schweinemarkt 2005" – Kommentar von Andreas Beckhove, ISN-Marktreferent

Nach einer langen Durststrecke hat der Schweinezyklus den Schweinemästern in Deutschland im vergangenen halben Jahr deutlich bessere Preise beschert. Bei den Sauenhaltern hat es bis Dezember letzten Jahres gedauert, bis die Trendwende kam. Nach einem kurzen Zwischentief Anfang des Jahres erscheint die Situation derzeit sehr freundlich - sowohl für Mäster als auch für die Ferkelerzeuger. Die Prognosen für das laufende Jahr lassen vermuten, dass dieses wirtschaftlich gesehen zu den besseren gehören wird.

Wie wird sich der Markt EU-weit in den nächsten Monaten entwickeln?
In Deutschland setzt sich der Strukturwandel in den Schweine haltenden Betrieben beschleunigt fort. Im vergangenen Jahr haben gut sieben Prozent oder rund 7.500 Schweinehalter ihren Betrieb aufgegeben. Dies hat dazu geführt, dass der Schweinebestand im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent zurückgegangen ist. Besonders stark fiel der Rückgang mit 4,3 Prozent bei den Zuchtsauen aus. Demnach werden sich auch im laufenden Jahr die Bestände voraussichtlich weiter reduzieren.

Ob dies auch dazu führen wird, dass die Schweineproduktion in Deutschland abnimmt, hängt jedoch davon ab, wie sich die Produktivität der Sauen und das durchschnittliche Schlachtgewicht entwickeln werden.

Für die Preisentwicklung ist die Versorgung des deutschen Marktes ohnehin nicht allein ausschlaggebend. Entscheidend ist vielmehr die Entwicklung in der erweiterten EU sowie auf dem Weltmarkt.

Auf europäischer Ebene gibt es diesbezüglich kein einheitliches Bild. So wird es in einigen EU-25-Staaten im laufenden Jahr deutliche Produktionsausweitungen geben. Hierzu zählen die Niederlande, wo in den vergangenen Jahren die Bestände durch die staatliche Quotierung der Schweineerzeugung deutlich abgebaut wurden. Trotz der Quotierung erwarten Experten für die ersten beiden Quartale des laufenden Jahres eine Ausweitung der Erzeugung von drei bis vier Prozent.

Auch in Großbritannien hat der Bestandsabbau ein Ende. Fachleute erwarten für das erste Halbjahr 2005 einen Anstieg der Erzeugung um drei bis fünf Prozent.

Innerhalb der EU werden aber auch einige Staaten ihre Bestände und damit die Erzeugung reduzieren. Hierzu gehören neben Deutschland unsere Nachbarn Belgien und Dänemark. Die Dänen haben offensichtlich erkannt, dass mit der Mast im eigenen Land aufgrund der von Danish Crown verordneten mageren Erzeugerpreise kein Blumentopf zu gewinnen ist. Inzwischen exportieren dänischen Schweinehalter ihre Ferkel lieber zu uns als sie selbst zu mästen – sie lagern die Mast aus.

In Spanien erwarten Branchenkenner erstmalig seit vielen Jahren eine Abnahme der Erzeugung. Denn, obwohl die Spanier im europäischen Vergleich sehr günstig produzieren, ist die Vermarktung noch immer relativ schlecht organisiert. Bei einem Selbstversorgungsgrad von gut 120 Prozent gibt es diesbezüglich in dieser marktfernen Region gerade im Winter, wenn keine Touristen vor Ort sind, große Probleme, die sich in schlechten Preisen niederschlagen.

Interessant dürfte auch die weitere Entwicklung in Osteuropa bleiben. Der unerwartete Nachfragezuwachs von dort im letzten Jahr hat uns gute Mastschweineerlöse beschert. Die zum Teil befürchteten Horrorszenarien – Stichwort: Fleischschwemme aus Osteuropa - sind bisher ausgeblieben. Es ist sehr fraglich, ob Osteuropa mittelfristig überhaupt in der Lage sein wird, in großem Stil Schweine zu exportieren.

So entwickelt sich Polen derzeit beispielsweise zu einem Nettoimporteur. Der Export von Schweinefleisch ist im letzten Jahr deutlich um 25 Prozent gesunken während sich die Importe gleichzeitig verdoppelt haben. Die aktuellen Bestände sind im Vergleich zum Vorjahr um knapp sechs Prozent gesunken.

Fazit:
Das Angebot an Schlachtschweinen wird innerhalb der EU im laufenden Jahr voraussichtlich nicht steigen. Sollte die Nachfrage nach Schweinefleisch nicht wesentlich nachlassen - hiervon ist auszugehen - wird der Schweinepreis weiterhin stabil bleiben. Dafür sprechen auch die Nachfrageimpulse aus den neuen EU-Mitgliedsländern. Hier wird die Nachfrage voraussichtlich eher noch weiter ansteigen.

Ein Unsicherheitsfaktor ist jedoch die weitere Entwicklung des Exports. Sollten beispielsweise die Russen aus irgendeinem Grund – da sind sie ja kreativ - die Grenzen dicht machen oder eine erneute Dollarschwäche unsere Wettbewerbsposition am Weltmarkt schwächen, wird sich dies negativ auf unsere Erzeugerpreise auswirken.

Von einer Exportschwäche kann aber derzeit keine Rede sein, denn sonst hätten die Dänen im vergangenen Jahr die USA nicht als größten Exporteur für Schweinefleisch auf dem japanischen Markt abgelöst.


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