22.09.2010 RSS Feed

„Energie-Sünder“ Deutschland? - Biogasförderung bedroht immer mehr Landwirtschaftsbereiche - Kommentar von Hendrik Surmann, Sprecherteam Junge ISN

Surmann

Was die Schweinehalter schon heute beklagen, bemerken inzwischen auch andere Vertreter der Ernährungswirtschaft.  Durch die Errichtung von immer mehr Biogasanlagen nimmt der Druck auf die übrigen Bereiche der Landwirtschaft in einem immer stärkeren Ausmaß zu.

 

So gehen jetzt die Kartoffelverarbeiter lautstark auf die Barrikaden. Der NawaRo-Bonus ist eine Todsünde wird Heinrich Wernsing, Kartoffelverarbeiter aus dem Landkreis Cloppenburg, von der Neuen Osnabrücker Zeitung zitiert. Der stark verbreitete Anbau von Gemüse in der Region tut sein übriges. Die Kartoffelbranche klagt über zu hohe Pachtpreise, die die Erzeugung sehr stark belasten.

Für die einen ist Biogas ein Wachstumsmotor, für die anderen eine Entwicklungsbremse.


Auf www.landundforst.de wurde aus dem Saterland (Region Weser-Ems) berichtet, dass in der flächenknappen Gemeinde der Bau der neunten 500 kW Biogasanlage geplant ist. Die Milchviehhalter in der Region sind nicht grundsätzlich gegen Biogasanlagen, aber bei der hohen Dichte der Anlagen hätte der Kampf um die Flächen begonnen. Im Kreis werden gut 20 % der Ackerflächen für die Erzeugung von Biogas benötigt.

 

Immer lauter werden die Stimmen gegen die wettbewerbsverzerrende Förderung der Bioenergie in Deutschland.

Warum nur in Deutschland? Aus welchem Grund hört man keine kritischen Stimmen aus dem europäischen Ausland? Zwei Zahlen machen es deutlich: 5.900 Biogasanlagen wurden bis Anfang 2010 in Europa gebaut, davon stehen allein in Deutschland 5.000!

Im vergangenen Jahr gingen mehr als 1.000 neue Anlagen ans deutsche Netz. Bis Ende 2010 rechnet der Fachverband Biogas mit einem Bestand von 5.700 Biogasanlagen in Deutschland. Zu den Auswirkungen auf die Anbaustrukturen prognostizierte Landwirtschaftsministerin Aigner kürzlich, dass der Anbau von Energiepflanzen hierzulande von 1,7 Millionen ha auf bis zu 4 Millionen ha ausgedehnt werden könnte.

Beim Blick auf diese Zahlen und Prognosen sind die zunehmenden Bedenken der Kartoffelverarbeiter, Schweine- und Milchviehhalter keinesfalls unbegründet.

 

In keinem anderen Bereich ist Deutschland durch Subventionierung so weit vorgeprescht wie bei der Bioenergie und hat dabei eine massive Fehlsteuerung zugelassen. Ein Vergleich der deutschen und französischen Einspeisevergütungen für Strom aus Biogas macht dies beispielhaft deutlich. So berechnete die IFIP aus Frankreich, dass französische Biogaslandwirte lediglich 12-15 Cent/kWh erlösen, während in Deutschland 22-25 Cent erreicht werden können. Dabei hat der NawaRo-Bonus den größten Anteil an dieser Differenz.

 

Auch das Fraunhofer-Institut beschäftigt sich mit der europäischen Biogaserzeugung und legte eine Studie vor, die treffenderweise UMSICHT genannt wurde. Darin heißt es: Immer mehr Länder in Europa ziehen nach und schaffen die erforderlichen Rahmenbedingungen für ein schnelles Wachstum der heimischen Biogasbranche. Das System der festen Einspeisevergütung für Strom aus Erneuerbaren Energien etabliert sich nach und nach in ganz Europa. Wir hoffen, dass jene Länder umsichtiger die Folgen für die landwirtschaftliche Produktion bedenken. Die Einspeisevergütung sollte an bestimmte Wirtschaftsweisen gekoppelt werden.

 

Grundsätzlich verteufelt die ISN Biogasproduktion nicht. Mit dem passenden Wärmekonzept gibt es beispielsweise durchaus vorbildliche Initiativen Biomasse zu nutzen.

Die anstehende Novellierung des EEG bietet die Chance zum Umsteuern, um weitere Wettbewerbsverzerrungen abzuwenden. Bei der Novellierung müssen aus Sicht der ISN die Rahmenbedingungen für ein faires Nebeneinander der verschiedenen Wirtschaftsbereiche gesetzt werden.



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