09.01.2006 RSS Feed

"Ein hoher Preis..." - Gastkommentar von Sönke Hauschild, Bauernblatt Schleswig-Holstein

Soenke Hauschild Sönke Hauschild ist Redakteur beim Bauernblatt Schleswig-Holstein und kommentiert im Folgenden realistische und unrealistische Forderungen einiger Marktteilnehmer an Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Er ist das Folterinstrument der Gegenwart. Keiner entkommt ihm. Regierungen müssen sich fügen, Unternehmer haben seinetwegen schlaflose Nächte, Verbraucher jagen ihm nach und werden von ihm gejagt. Die einen wollen ihn möglichst niedrig, den anderen kann er nicht hoch genug sein. Doch er schert sich nicht darum: Der Preis.

Der Preis ist das Lenkrad des Marktes – und sonst nichts. Er sagt nichts über den wahren Wert der Produkte aus. Der Preis beziffert lediglich den momentanen Handelswert. Bei landwirtschaftlichen Produkten ist er zurzeit eher niedrig. Und das sorgt für Aufruhr unter den Betroffenen, wie z.B. vor allem bei der Milch.

Aber es bleibt dabei: Die Schuld hat nicht der Preis. Denn schlechte Preise gibt es nicht. Der Preis ist nicht gerecht oder fair, er ist aber auch nicht unfair. Er lenkt nur; Waren, Dienstleistungen und Kapital. In kleinen Märkten macht er es überschaubar, in großen auf eine komplexe Art und Weise, dass vielen Menschen schwindlig wird.

Der Preis lenkt auch in politisch gelenkten oder monopolistischen Märkten, dann eben entlang der vorgegebenen Leitplanken. Dabei findet er oft genug Ausfahrten, mit denen keiner gerechnet hat und bringt manchmal ganze Systeme zu Fall. Da helfen dann auch antikapitalistische Schutzwälle nichts.

Der Preis soll Käufer und Verkäufer zusammen führen, und er tut das nach unerbittlichen, wenn auch einfachen Marktgesetzen: Angebot und Nachfrage bestimmen ihn. In einem vollkommenen Markt sind Angebot und Nachfrage so verteilt, dass eine Konzentration von Marktmacht ausgeschlossen ist.

Doch Vorsicht: Vollkommen bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die Lenkungseffizienz, nicht auf die soziale Komponente, wie viele es gerne verstehen. Eine Forderung nach fairen Preisen ist also sinnlos, weil unerfüllbar.

Die dahinter liegende Forderung allerdings hat durchaus eine elementare Berechtigung. Denn die Lenkungsfunktion des Geldes ist kein Selbstzweck, sondern soll dem Menschen dienen. In erster Linie dient sie uns dazu, dass wir in einem arbeitsteiligen Markt alle Produkte und Dienstleistungen, die wir nicht selber herstellen, käuflich erwerben können, und das möglichst effektiv.

In zweiter Linie, und das ist die von Ludwig Erhard, steht diese Lenkung in der Pflicht, unseren Wohlstand zu mehren. Der Mensch will und soll sich nach der Erfüllung seiner Grundbedürfnisse - Essen, Schlafen, Wohnen - mehr leisten können.

Dazu braucht der Markt Leitplanken, einfache, nachvollziehbare und vor allem akzeptable: letztlich ist es die Frage nach der Chancengleichheit - und da sind wir wieder bei der Fairness, allerdings nicht bei Preisen, sondern bei Rahmenbedingungen. Das einzufordern ist nicht nur verständlich, sondern Grundvoraussetzung für das Zusammenleben einer Gesellschaft, und sei es einer Weltgemeinschaft – Stichwort WTO.

Leider muss heute betont werden, dass dies nicht die Aufgabe der Schwachen ist, sondern gerade der Starken. Hier – und nicht beim Anteil der Staatsausgaben am Sozialprodukt - ist ein starker Staat gefordert, als Schiedsrichter, nicht als Mitspieler.

Bei den Rahmenbedingungen hat die Forderung nach ethischen Grundlagen, sozialer Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Generationenausgleich ihren berechtigten Platz. Wer das nicht beachtet, der kratzt am Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält. Es ist bezeichnend für den Zustand nicht nur Deutschlands, dass diese Forderungen derzeit so laut erhoben werden.

Teilweise ist dies einer immer noch mangelnden Einsicht in die Lenkungsmechanismen des Marktes geschuldet. Das darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es andere gibt, die ihre Marktmacht zunehmend in den Dienst des kurzfristigen Profits und über die Sozialpflichtigkeit ihres Eigentums stellen. Der Preis für ein solches Verhalten ist hoch – zu hoch.

(Der Kommentar erschien im Oktober 2005 im Bauernblatt Schleswig-Holstein.)

Kommentare...

 

ISN-Termine

Ferkelkontaktbörse und Marktplatz

Ferkelgesuch der Woche!

25.000 Ferkel pro Jahr

gesunde, fleischreiche Ferkel: Dan x PI o.ä.

26-32 kg

500 - 1.000 Ferkel je Lieferung

alle 7 - 14 Tage

Standort: Cloppenburg


Hier geht es zu den

-Ferkelangeboten

-Ferkelgesuchen

Interessante Gesuche nach Schlachtschweinen auf dem Marktplatz

ISN-Mitglied werden & Vorteile sichern

Profitieren Sie als ISN-Mitglied von unseren zahlreichen Serviceleistungen, wie

Hier können Sie Mitglied werden.

Sagen Sie uns Ihre Meinung

Ob Maskenänderungen, Tierschutzplan oder Tierhaltung in der Öffentlichkeit: Sagen Sie uns Ihre Meinung!