DVT-Regionaltagung Nord: Deutschland überholt Dänemark im Schweinefleischexport

v.l.Bernhard Krüsken (DVT-Geschäftsführer), Jan Lade (DVT-Vizepräsident), Heinz Neesen (Vors. Regionalgruppe), Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst (ISPA)
Über die Entwicklung der globalen Schweinefleischproduktion sowie die daraus resultierenden Perspektiven für die deutsche Erzeugung diskutierten am Mittwoch, dem 07.04.2010 im Haaster Krug in Sage-Haast die Teilnehmer der Regionalgruppenversammlung Nord des Deutschen Verbands Tiernahrung (DVT). Etwa 70 Futtermittelhersteller und –händler konnten Heinz Neesen (Vors. Regionalgruppe), Jan Lade (DVT-Vizepräsident) und Bernhard Krüsken (DVT-Geschäftsführer) begrüßen. Für die ISN nahm Trainee Jana Püttker teil.
Heinz Neesen leitete den öffentlichen Teil der Tagung ein. Insgesamt verließen 8,4 Millionen Tonnen Tiernahrung die im Norden angesiedelten Werke. Fast ein Drittel aller Standorte dieser Branche befindet sich in Niedersachsen und Bremen. Die insgesamt 103 Betriebe in den beiden Bundesländern lieferten fast 4,25 Millionen Tonnen Schweinemischfutter aus und deckten 40 Prozent des Gesamtbedarfs der deutschen Mäster. Ein leichtes Minus von 3,5 Prozent musste die Branche jedoch im Vergleich zum Vorjahr einstecken.
„Vom Futterabsatz her rechnen wir vorerst mit weiterhin negativen Zahlen“, erklärte Neesen. Doch dieser Knick in den Bilanzen bereite ihm nicht die größte Sorge. Denn erstens habe die Nord-Gruppe im Verband geringere Einschnitte hinnehmen müssen als im Bundesschnitt der Branche von minus 25 Prozent, zweitens blickte er weitaus kritischer auf den Vormarsch der Bioenergie als „Resultat einer krassen politischen Fehlsteuerung“. Die Subventionierung von Strom aus Biogas-Anlagen und der damit verbundene Flächenverbrauch setze den Lebensmittel-Sektor unter Druck und sorge im Norden für eine „regionale Wettbewerbsverzerrung“. „Wir fordern dringend eine kurzfristige Korrektur der Förderbedingungen“, zitiert ihn die Kreiszeitung.
Ähnlich sah es auch Bernhard Krüsken als Gesamtgeschäftsführer des DVT: „Die Ernährungswirtschaft bildet die unbestrittene Basis der Weser-Ems-Wirtschaft.“ Es dürfe nicht so weit kommen, dass Getreide in die Gülle als Grundstoff für die Biogaserzeugung wandere.
Auch Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst als Gastreferent ging auf das Problem der Speisung derartiger Kraftwerke ein – und blickte vor allem auf den Mais. „Hier existieren bereits Gebiete mit Mais auf 50 Prozent der Anbauflächen. Das ist für die Mischfutterindustrie nicht zum Lachen“, wusste der Experte vom Institut für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten (ISPA) der Hochschule Vechta.
Er stellte die starke Entwicklung des deutschen Exports vor und warnte vor dem knallharten Wettbewerb mit den USA und Brasilien. Das südamerikanische Land mit den niedrigsten Produktionskosten möchte bis 2018 seine Schweinefleischproduktion mehr als verdoppeln.
Der deutsche Markt für Schweinefleisch sei weitgehend gesättigt. Aber hielten sich 2005 Import und Export noch ungefähr die Waage, nahm Deutschland 2009 schon weltweit Platz zwei hinter den USA und noch vor Dänemark in der Liste der führenden Exportländer für Schweinefleisch ein.
Prof. Dr. Windhorst glaubt nicht an die Erfüllung der ehrgeizigen Vorgaben der russischen Politik zur Steigerung des Selbstversorgungsgrades mit Schweinefleisch bis 2018. Ob die deutsche Schlachtindustrie und ihre Waren so wettbewerbsfähig bleiben können hänge auch von der Entwicklung der Pacht- und Futterpreise ab.
Die zunehmenden Raumnutzungskonflikte der Landwirtschaft im Hinblick auf Wohn- und Gewerbegebieten sowie gewerblichen Betreibern von Biogasanlagen sah er daher durchaus kritisch.













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