09.09.2010 RSS Feed

DLG-Unternehmertage: „Schweinefleischerzeugung Gewinner der Wirtschaftskrise“

Interessante Getreidekurse, günstige Kreditkonditionen sowie die zunehmende Exportabhängigkeit der deutschen Schweineerzeugung waren Schwerpunkte der Podiumsdiskussion auf den DLG-Unternehmertagen 2010 am Mittwoch in Hannover, teilt Dow Jones mit.

 

Das historisch niedrige Zinsniveau solle für Kreditverträge genutzt werden, empfahl Chefvolkswirt Torsten Windels von der Nord/LB auf der Podiumsdiskussion. Diese Sondersituation werde voraussichtlich mit einem Zinsanstieg in den Vereinigten Staaten Mitte des nächsten Jahres enden, dem Euroland folgen werde. Für kreditfinanzierte Investitionen sei jetzt ein günstiger Zeitpunkt. Die steigende Volatilität an den Rohstoffmärkten sei auch eine Folge der blind kaufenden Börsenteilnehmer ohne Agrarmarktkenntnisse, erklärte Windels; fundamentale Faktoren würden übertrieben bewertet und anschließend eine sich selbst verstärkende Entwicklung herbeiführen. Den Anteil der spekulativen Übertreibung an den derzeitigen Weizenkursen konnte der Banker allerdings nicht benennen.

 

In der deutschen Handelsbilanz mit Schweinefleisch sollen sowohl die bundesweite Schweineproduktion als auch das damit verbundene Marktrisiko durch die expandierenden Exporte wachsen. Diese Aussichten stellten Dr. Heinz Schweer von Vion und Dr. Frank Greshake von der Erzeugergemeinschaft Rheinland vor.

 

Die deutsche Schweinefleischerzeugung sei trotz des rückläufigen Inlandverbrauchs der Gewinner der Wirtschaftskrise in Europa, betonte Schweer. In diesem Jahr dürften die Schlachtungen nochmals auf rund 58 Mio Stück zulegen,  und auch für das kommende Jahr ist laut Greshake mit einem leichten Wachstum zu rechnen.

 

Die Vermarktung der wachsenden Mengen müsse im In- und Ausland häufig über den Preis erfolgen, dies gelte auch für den immer wichtiger werdenden Absatz in Osteuropa. Mit dem Abschluss von Veterinärabkommen erschlössen sich in Asien neue Exportchancen, dabei handele es sich allerdings um sehr volatile Märkte, eine Abhängigkeit von diesen bedeute auch für den heimischen Markt ein erhebliches Preisrisiko. Für das laufende Jahr erwartete Greshake beim durchschnittlichen Auszahlungspreis für deutsche Schweinemäster einen Rückgang um 3 bis 5 cts/kg Schlachtgewicht gegenüber dem Vorjahr bei gleichzeitig steigenden Futterkosten.

 

Obwohl die Zeche vor allem die Ferkelerzeuger wegen der reduzierten Ferkelpreise zahlen müssten, dürften Mäster teilweise nicht mehr klarkommen, denn die Schweinemast werde immer enger kalkuliert. Ein beschleunigter Strukturwandel sowie mehr fremdes Kapital und eine langfristig weiter steigende Produktion dürften die Konsequenz sein, so Dow Jones.



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