15.10.2009 RSS Feed

Discounter-Preisoffensive: „Mal gewinnt man, mal verlieren die Anderen!" - Kommentar von Carl-Josef Detert, ISN-Beiratsmitglied und Vorsitzender der ISN-Marktausschusses

Carl Josef

Die Preisoffensive 2009 geht weiter! verlautete es vergangene Woche aus dem Hause Aldi und man senkte damit zum 10. Mal in diesem Jahr die Preise. Nun hat die Preisoffensive auch endlich wieder die Schweinebranche erreicht.

Kaum dass das bekannt war, folgten Aldis größte Wettbewerber auf dem Fuße: Lidl, Netto, Penny, Norma und Co. schlagen ebenfalls zu! Auf einen Schlag ist frisches Schweinefleisch bei allen gleichermaßen, je nach Teilstück, zwischen 3 % und 7 % preiswerter. ALDI geht voran, alle anderen laufen sofort hinterher. Bei den fast exakt identischen Preisen drängt sich unweigerlich der Gedanke an Preisabsprachen auf.


Der lachende Dritte sollte eigentlich der Verbraucher sein, dankbar sollte er sein! Der Preis für Hackfleisch sinkt um 3 % und der für Geschnetzeltes um 4 %. Bratwurst, Schnitzel, frisches und Kassler Kotelett werden um 6 % reduziert; Minutensteak und Gulasch um 7 %. Insgesamt dürfte sich die Ersparnis für den Durchschnittsverbraucher wohl unter 6 % einpendeln. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Aktuell erhalten die Schweinehalter bei einem derzeitigen Preis von 1,35 €/kg Schweinefleisch ca. 120,- € bis 130,- € für ein Schlachtschwein. Die Schlachtbranche hat den Erzeugerpreis seit Ende August um über 13 % herabgesetzt! Wird davon nur die eine Hälfte an die Kunden weitergereicht und die andere in die eigenen Taschen gesteckt?


Wieder fragt sich der Schweinehalter, gelingt es der Schlachtbranche tatsächlich nicht, gegenüber dem LEH unveränderte oder besser noch höhere Preise durchzusetzen? Immer wieder betonten die Schlachtunternehmen, dass sie ihre Betriebe umstrukturieren und ihre Produktivität erhöhen müssen, um gegenüber dem LEH mehr Gewicht in die Waagschale werfen zu können. Nun, die Umstrukturierung ist in vollem Gange und die Konzentration schreitet weiter voran. Inzwischen haben die großen 3, Tönnies, Vion und die Westfleisch einen Marktanteil von 51%, erreicht. Nicht genug um es in die Waagschale zu werfen? Wie viel Konzentration brauchen wir denn noch? Die Lebensmittel Zeitung hat das Ranking der 100 größten Lieferanten des deutschen Lebensmittelhandels erstellt. Unter den Top 100 befinden sich 9 Rotfleischunternehmen. Während Schweinehalter auf den Lebendexport hoffen und der Viehhandel sich einen Wettbewerb regelrecht bis aufs Blut liefert, hat es die Vion Food Group mit einem Umsatz von 8,6 Mrd. € auf Platz 2 gebracht. Vion nimmt nach eigenen Angaben eine führende Stellung in Europa ein. Ob das auch hin und wieder durch die Hauspreise zum Ausdruck gebracht werden soll? Jedenfalls lässt die Wirkung gegenüber dem LEH noch reichlich zu wünschen übrig, gegenüber uns Schweinehaltern jedoch nicht!


Seit langem liegt der Ertrag für die Landwirte auf einem niedrigen Niveau. Insbesondere in den letzten Jahren waren die Erzeugerpreise sehr schlecht. Gerade ging es wieder aufwärts, von dem finanziellen Desaster hatte man sich noch längst nicht erholt und nun sinken die Preise schon wieder!? Es ist absolut unverständlich, dass es für den Erzeuger nur so einen geringen Anteil gibt, denn das Geld wird offensichtlich in den nachfolgenden Stufen der Wertschöpfungskette verdient!


Dies beweist auch das Ranking, das ebenfalls am vergangenen Wochenende vom manager-magazin veröffentlicht wurde: Die 300 reichsten Deutschen. Die ersten beiden Plätze der Liste teilen sich mit jeweils rund 17 Milliarden Euro die Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht. Dieter Schwarz, der Lidl Gründer, folgt mit 10 Milliarden € auf Platz 3. Lidl lohnt sich heißt es, für Herrn Schwarz trifft das ganz sicher zu. Auch die Aldi-Schweinefleisch-Marke Bauernglück bekommt angesichts dieser Zahlen eine ganz neue Bedeutung. Wo ist es denn, das Glück? Wir Schweinehalter suchen es immer noch! Übrigens verbesserte sich die Tönnies-Gruppe in der 2009-er Liste mit 550 Mio. € gegenüber dem Vorjahr auf den 176-en Platz. Mit Fleisch lässt sich offensichtlich Geld verdienen. Auch Familie Risken, Eigentümer der Firma Stockmeyer, findet sich in dem Ranking: mit 650 Millionen Euro auf einem beschaulichen 143. Platz. Wie erfreulich, dass es allen so gut geht!


Die Marktmacht des LEH und die vorschreitende Konzentration der Schlachthöfe samt deren vermeintlicher Hilflosigkeit gegenüber dem LEH, machen es für uns Ferkelerzeuger und Mäster zunehmend unmöglicher genug vom Kuchen Schwein abzubekommen. Die unzählbaren, dramatischen Betriebsaufgaben in der Sauenhaltung machen das eindeutig klar! Nur eines sollte nicht vergessen werden: ohne Schweinehalter, kein Fleisch!




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