Der Fall mit Dioxin verunreinigtem Futtermittel zieht immer weitere Kreise. Bundesweit wurden über 1000 Betriebe gesperrt. So viele Betriebe sind in Deutschland niemals zuvor vorsorglich gesperrt worden. Nun müssen die Betriebe dahingehend überprüft werden, ob dort tatsächlich das belastete Futter zum Einsatz gekommen ist.
Nach Gesprächen der ISN mit dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium (ML), dem LAVES und IQ-Agrar ergibt sich folgender aktueller Informationsstand:
In Niedersachsen wurden durch das Ministerium gestern ca. 1000 Betriebe gesperrt. Die Sperrungen beruhen auf Vertriebslisten von 7 Mischfutterfirmen, die vom LAVES ans ML weitergegeben wurden. Derzeit ist nicht bekannt, wie viele Schweine haltende Betriebe darunter sind.
Die Landkreise informieren heute die einzelnen betroffenen Betriebe aus dem Geflügel- und Schweinebereich und werden diese Betriebe auffordern Eigenkontrollergebnisse aus akkreditierten Privatlaboren vorzulegen.
Bei Schweinen müssen Fleischproben untersucht werden. Eine Untersuchung dürfte je nach Probeneingang ca. 3-4 Tage dauern und ist mit erheblichen Kosten für den Landwirt verbunden. Der Preis pro Untersuchung liegt zwischen 130€ und 400€.
Das höchste Risiko für die Verbraucher wird derzeit bei Legehennen gesehen und es besteht die Hoffnung, dass wenig Schweine haltende Betriebe betroffen sind. Gemäß einer gestrigen Pressemeldung des Landwirtschaftsministeriums in NRW scheinen dort keine Schweinebetriebe betroffen zu sein.
Die ISN meint:
Die Leichtfertigkeit mit der die Unternehmen (s. Hintergrund) handelten, bestürzt die ISN. Die Fette waren eindeutig nicht für die Futtermittelherstellung bestimmt. Fahrlässigerweise wurden die günstigeren technischen Fette eingesetzt, womöglich nur um Kosten zu sparen. Das ist unverantwortlich und gesetzeswidrig. Der Landwirt muss sich auf seine Vorlieferanten verlassen können. Durch die vorgeschriebenen Eigenkontrollen und die Sperrung der Betriebe entsteht den Landwirten ein erheblicher Schaden. Diese Kosten müssen von den Vorlieferanten auf jeden Fall ersetzt werden.
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Hintergrund
Bereits im Dezember 2010 hatten die betroffenen Futtermittelunternehmen im Rahmen ihrer internen Kontrolluntersuchungen Grenzwertüberschreitungen festgestellt und unmittelbar die Überwachungsbehörden hinzugezogen.
Als Kontaminationsquelle konnte mittlerweile eine dioxinbelastete Mischfettsäure identifiziert werden, die aus der Biodieselproduktion der Firma Petrotec AG stammt. Über einen niederländischen Zwischenhändler gelangte die Mischfettsäure nach Schleswig-Holstein zur Firma Harles & Jentzsch. Und von dort aus wurden 527 Tonnen Fett an sieben Futtermittelbetriebe in Niedersachsen, drei Futtermittelhersteller in Nordrhein-Westfalen und jeweils einen Hersteller in Hamburg und Sachsen-Anhalt. Diese zwölf Hersteller belieferten Höfe unter anderem in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen und Brandenburg.
Die Petrotec AG produziert Mischfettsäure aus Altspeisefetten, die ausschließlich zur technischen Verwendung und ausdrücklich nicht für die Lebens- und Futtermittelindustrie angeboten und verkauft wird. Bei der Verarbeitung von pflanzlichen Ölen und Fetten zur Biodieselherstellung fallen Fettsäuren an, die normalerweise unbedenklich sind. Woher in diesem Fall die Dioxinbelastung in der Fettsäure rührt, muss dringend und unverzüglich geklärt werden.
Die Firma Petrotec AG wehrt sich gegen die Vorwürfe: Fakt sei, dass die Petrotec AG dem erwähnten holländischen Zwischenhändler ausdrücklich nicht für Lebens- bzw. Futtermittelzwecke bestimmte
Mischfettsäure aus Altspeisefett verkauft habe. Es ergibt sich eindeutig aus den zugrunde liegenden Verträgen, dass die von der Petrotec AG an den holländischen Händler verkaufte Mischfettsäure aus Altspeisefett nicht für die Lebensmittel- und Futtermittelindustrie, sondern nur zur technischen Verwendung geeignet und bestimmt ist, so das Unternehmen in einer Medieninformation.










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