26.10.2012RSS Feed

ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes: Zurück in die Zukunft?

Die auf vielen Ebenen geführten Diskussionen um die Tierhaltung ebben nicht ab.

In der vergangenen Woche beispielsweise haben Deutscher Tierschutzbund und das Schlachtunternehmen Vion erklärt, ab 2013 mit einem Tierwohl-Label an den Start zu gehen. Die Medien haben diese Meldung breit aufgegriffen.

Die ISN beschäftigt sich schon seit langem intensiv mit dem Thema Tierwohl und ist in vielen Arbeitsgruppen eingebunden. Warum? Weil am Ende des Tages auch dieses knallharte Marktthemen sind. Die ISN hat deutliche Mehrkosten für die Erfüllung von Tierwohlkriterien ermittelt. Diese müssen sich dann auch im Erzeugerpreis widerspiegeln.

 

Lesen Sie dazu folgendes Interview mit dem ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes:


Heinrich Dierkes

Heinrich Dierkes

Herr Dierkes, in letzter Zeit scheint das Thema Tierwohl in der allgemeinen Diskussion über die Tierhaltung überhand zu nehmen. Keine Veranstaltung kommt mehr ohne das Stichwort Tierschutz aus. Ist das Thema wirklich so wichtig?

Eindeutig hat sich mittlerweile gezeigt, dass wir um das Thema Tierwohl nicht herum kommen. Es handelt sich nicht nur um ein kurzes Gewitter, das schnell an den Schweinehaltern vorüber zieht. Vielmehr wird die Tierhaltung in ihrer jetzigen Form von den verschiedensten Gruppierungen in Frage gestellt. Die Frage, ob mehr Tierwohlkriterien in den Ställen berücksichtigt werden müssen, stellt sich nicht mehr. Es geht schon lange nur noch um das wie!

 

Warum müssen wir uns als ISN überhaupt damit beschäftigen?

Machen wir das nicht, werden die Entscheidungen ohne uns Schweinehalter getroffen. Nur wenn wir uns aktiv in die Diskussion einbringen, haben wir überhaupt eine Chance, die zukünftigen Rahmenbedingungen mit zu gestalten. Wir Bauern sind die Experten in Sachen Tierhaltung und Tierwohl! Es wäre doch fatal für unsere Betriebe, dieses Feld anderen zu überlassen.

 

Immer mehr Forderungen werden gestellt: Die Gruppenhaltung der Sauen, der Verzicht auf die Ferkelkastration, die Diskussion um das Kupieren der Schwänze u.v.m. Ist das nicht ein Fass ohne Boden?

In der Tat ist die Gefahr groß, dass immer weiter gefordert wird. Deshalb dürfen wir die Entwicklung nicht einfach laufen lassen. Grundsätzlich haben wir ja nichts dagegen, dass sich unsere Schweinehaltung zum Wohl der Tiere und Bauern weiter entwickelt.

Das war auch schon in der Vergangenheit so. Die Betonung liegt hier aber auf weiter. Die erzielten Fortschritte in der Haltung können und wollen wir nicht einfach so aufgeben.

 

Schneiden wir uns mit der Diskussion um mehr Tierwohl nicht ins eigene Fleisch im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit?

Der Mix macht es. Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten und gleichzeitig unseren Standort sichern. Unsere Nachbarn warten nur darauf, Teile unseres Marktes zu erobern, wohlgemerkt mit Tierwohlthemen. Die Dänen rühmen sich damit, dass sie die Gruppenhaltung von Sauen längst umgesetzt haben und uns im Sachen Antibiotikaeinsatz um Längen voraus seien.

Wir dürfen die Trends in Deutschland nicht verschlafen. Klar ist aber auch, dass wir uns nicht zu verstecken brauchen. Wir sollten Tierwohl als Chance zur Standortsicherung begreifen.

 

Wie kann das konkret aussehen?

Von der Privatwirtschaft über staatliche Institutionen gibt es derzeit viele Einzelinitiativen für mehr Tierwohl. Wir als ISN haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir uns praktisch mit einbringen wollen. Die Lösungen müssen drei Kriterien zwingend erfüllen, damit Standort und Wettbewerbsfähigkeit gesichert sind. Sie müssen

1. sinnvoll im Sinne des tatsächlichen Tierwohls,

2. wirtschaftlich tragbar und

3. praktikabel sein.

Derzeit wird noch zu viel aus dem Bauch heraus entschieden. Daher engagiert sich die ISN verstärkt in praxisorientierten Forschungsprojekten, um die harten Fakten an die Gesprächs- tische zu bringen.


Dieses Interview und viele weitere interessante Beiträge lesen Sie auch im aktuellen ISN-Mitgliederrundbrief, der in der nächsten Woche in ihrem Briefkasten landen wird.

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